Gremlins (FSM)

Ein weiterer der langsam dünner werdenden Liste an „holy grail“ Filmmusiken hat Film Score Monthly auf seinem „Zweitlabel“ nun, man darf es sicher so sagen, endlich veröffentlicht. Endlich weil das Bootleg in die hinterste Ecke gestellt werden kann, ebenso wie die nicht minder lieblose Geffen Produktion, mit den knapp 16 Minuten Score und den 3 Songs, die niemand braucht. Und ebenso endlich, weil es ein Goldsmith Score ist, der schlicht und einfach prächtig unterhält!

Die CD beginnt mit Max Steiners Warner Brothers Logo Musik ehe Goldsmith nach einer unterschwellig geheimnisvollen Einführung für den asiatischen Krimskramsladen Gizmos Thema erklingen lässt. Dieses Thema verwendet Goldsmith nicht nur für den putzigen Mogwai – dort oft in seiner elektronischen Form oder begleitet von einem kleinen Orchesterarrangement – sondern auch als Liebesthema (hier öfters als zarte, orchestrale Verschmelzung, zB. in The Injection, die hübsche Melodie eignet sich bestens dafür) für Billy und Kate.

In Track 2 sind zum ersten Mal Teile des bestens bekannten Gremlins Rag und Billys Thema  (Late for Work und später in The Plow) zu hören. Goldsmith etabliert für Billy eine pfiffige, temporeiche Musik für Billys Hetzerei zur Arbeit (solche Arrangements mit pizzicato Streichern kennt man etwa aus Poltergeist oder auch Explorers), nachdem sein alter Käfer mal wieder nicht anspringen wollte (später ist es in den Match entscheidenen Momenten als eine Art Heldenthema zu hören). Mrs. Deagle/That Dog ist der bösartigen Witwe Deagle gewidmet, gespielt von einem plumpen Synthieklang und einem Solocello. Es taucht in Paarung mit dem Gremlin Rag in High Flyer und mit teuflischen Geigen wieder auf, wenn die böse Dame und Katzenliebhaberin von den mutierten Gremlins aus ihrem Haus „gespickt“ wird.

Dies sind prinzipiell die hauptsächlichen und auffälligsten Themen von Gremlins und Goldsmith hat sie alle in den ersten Momenten des Films vereint. Eine weitere Eigenheit des Scores ist die auffällige Verwendung von Synthieklängen, insbesondere im Gremlin Rag und für das Deagle Thema, die beide eigentlich exklusiv von Elektronik intoniert werden. Durch die Aufnahmeart über Gitarrenverstärker, wie es Goldsmith lange Zeit zusammen mit Toningenieur Bruce Botnick tätigte, passen die verwendeten Klänge luftig in das Gesamtbild, anders als wenn heute Samples und Sounds direkt aus dem PC ins Mischpult gelangen.

Ein weiteres Motiv ist im gefahrvollen Split Water zu hören, das in ein zweites Dreinoten Motiv mündet und Verwendung für die Neuankömmlinge findet, die Billy aus Unnachsichtigkeit entstehen liess, nachdem er Gizmo mit Wasser besprüht hat. Von diesen beiden Motiven leitet Goldsmith die Spannungsmusik für seinen Score ab.

In The Box wird der Gremlin Rag in der ersten richtig „bösen“ Form angespielt, während First Aid mit Suspensemusik und dem untergeordneten 6-Noten Motiv beginnt. Hier und in Unconnected/Hurry Home sind auch die aus Goldsmiths Nightmare at 20’000 Feet (Twilight Zone: The Movie) bekannten „Teufelsgeigen“ zu hören.

Goldsmith wäre nicht Goldsmith, hielte er nicht auch ein paar feine Actiontracks bereit. Ein erster etwa ist der furiose Kitchen Fight (jep, die Szene mit dem in der Mikrowelle „expoldierenden“ Gremlin). Ab hier ist im Film und in der Musik die Hölle los – im wahrsten Sinne des Wortes: The Pool, The Plow/Special Delivery, Too many Germlins sind spannend-verrückte Tracks mit vielen Spielereien aus der Elektronikkiste und flockigen Ideen in den Intrumentationen. Mit dem Beginn von Track 20 (No Santa Claus) geht es in ein aufregendes Finale, wenn auch ein düster-zurückhaltendes „Stille Nacht“ für eine kurze Verschnaufpause sorgt. Theater Escape/Strip is Loose/Toy Dept./No Gizmo macht den Weg frei für das grosse Finale mit The Fountain/Stripe’s Death. Volle Pulle Goldsmith-Action mit Perkussion, fortissimo Bläsern, umtriebigen Streichern und einem feinen, kleinen Heldenthema für Gizmo, der in einem Spielzeugauto zur Rettung naht.

Mit Good Bye, Billy verabschiedet sich nicht nur der kleine Gizmo in einem emotionalen Stück von seinem Freund, auch der Film ist damit fast aus. Doch die End Title stehen noch an und in diesen ist nach Gizmos Thema der Gremlin Rag als volles, elektronisches Arrangement zu hören (die gesamte Version ist in den Bonustracks zu finden).

Das hervorragende Booklet des FSM-Teams – ich werde deren Arbeiten vermissen – weist darauf hin, dass Dante den Film mit Musik aus Herrmans’ The Trouble with Harry getemped und Goldsmith bei eigentlich all seinen Filmen damit „gequält“ hat. Goldsmith liess sich sichtlich inspirieren in dem er eigentlich allen Dante-Produktionen seinen ganz eigenen Stempel aufdrückte. Nicht von ungefähr ist es die „typischste“, sofort erkennbare Zusammenarbeit von Goldsmith mit einem Regisseur.

Nebst den Bonustracks auf CD 1 gibt es noch die alte Soundtrack Version auf der zweiten CD plus den 3 Songs. Darauf hätte man allerdings auch verzichten können, Disc 1 wäre absolut ausreichend gewesen!

Gremlins ist ein Muss für Fans des Komponisten, die seine Scores aus jener Ära, Mitte der 80er, in der Goldsmiths Spielereien mit den Synthesizern mehr und mehr Überhand nahmen, schätzen; so etwa Poltergeist II (dessen unheimliche und mysteriöse Klänge Gremlinsvorwegnimmt), Supergirl und Explorers. Ich würde nun nicht so weit gehen wollen und behaupten, Gremlins gehöre in jede Filmmusiksammlung. Nur fast – und den Hörspass von Innerspaceund Explorers bringt diese CD auch allemal mit sich! Und den Spruch „aber bloss nicht nach Mitternacht anhören…“ lasse ich jetzt mal besser…

Phil, 30.11.2011

 

GREMLINS

Jerry Goldsmith

Retrograde – FSM 80130-2

CD 1: 76:01/34 Tracks
CD 2: 31:25/7 Tracks

 

 

 

 

 

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