Glory & Honor

Glory & Honor ist ein Fernsehfilm von 1998, der von einer ungleichen Partnerschaft und den Kampf um die Entdeckung des Nordpols berichtet. Der „weisse“ Commander Peary macht sich mit einem Schwarzen, Matthew Henson, auf, die nördliche Eiskappe zu erfroschen. Henson ist seit den ersten Versuchen dabei und wird vom untergeordneten Handlanger zum wichtigsten Partner Pearys.

Von Glory & Honor waren mir bisher nur ganz kurze Ausschnitte von der mehrteiligen Broughton-Promo und einigen im alternden Gedächtnis haftenden Momenten aus dem Film bekannt. Was da zu hören war, machte durchaus Lust auf eine Veröffentlichung des Scores. Die Musik stammt aus einer, nennen wir es mal letzten Aufbäumungsphase von Brouce Broughton, aus der der exzellente Shadow Conspiracy, True Women und seine bisher letzte „grosse“ Filmmusik zu einem ebenfalls „grossen“ Film, Lost in Space, stammen. Glory & Honor passt qualitativ bestens in diese Schaffensphase, nach der es erfolgsmässig leider abwärts ging mit Broughtons Karriere, etwas was mir bis heute im filmmusikalischen Herzen weh tut.

Seine Musik hier ist geprägt von einem schwelgerisch-heroischen Hauptmotiv in bester Broughton Façon, durch und durch präsent und in seiner unverkennbarer Weise orchestriert und variiert. Der Americanatouch, mit dem er so unvergleichlich wie kaum ein anderer kontemporärer Komponisten umzugehen versteht, ist in Glory & Honor ebenso spürbar wie seine Leidenschaft für thematisches Material als auch den dramaturgischen Hauptereignissen auf den Zahn zu fühlen, egal wie klein oder gross das Projekt sein mag. Dass dabei ein 60-Mann Orchester zur Verfügung stand, tut natürlich das seinige dazu.

Broughton geht in Glory & Honor neben (oder soll man eher sagen mit) der zu verspürenden Abenteuerlust auf die nicht einfache Beziehung der beiden Abenteurer ein, in den ruhigeren Momente für kleineres Ensemble geschrieben, in einem insgesamt ruhigen, gedämpft erscheinenden Score. Auch die eisigen Gefilde und Umstände im höchsten Norden werden musikalisch behandelt (Trek to Fort Conger, Frostbite), in den Klangfarben schimmernd oder in gefahrvollere Stimmung wechselnd (Verhoeff’s Fall oder das starke Matt Goes Alone). Auch für ein Liebesthema gibt es, wenn auch nur wenig, Zeit, es ist in betörend delikater Weise in Jo’s Pregnant und Jo’s Visit zu hören.

Glory & Honor ist ein herrlich melodischer, präsenter Score mit einem wundervollen Hauptthema, seinen Variationen und Ableitungen und dessen Bewegungen, den musikalischen Entwicklungen im Kleinen, die Broughton damit ausführt. 52 Minuten tolle, abwechslungsreiche filmmusikalische Unterhaltung eines TV-Scores auf hohem Niveau.

Phil, 26.11.2010

 

GLORY & HONOR

Bruce Broughton

Intrada Special Edition ISE 1042

55:03 Min. / 29 Tracks

Limitiert auf 1200 Stk.

 

 

 

 

Kommentar hinterlassen

Schreib einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*