Ready Player One

READY PLAYER ONE ist mit Abstand Steven Spielbergs erfolgreichster Film seit INDIANA JONES AND THE KINGDOM OF THE CRYSTAL SKULL, das mögen wir dem grossen Filmemacherveteranen von Herzen gönnen – und so es zu weiteren Perlen wie LINCOLN oder THE POST führt sowieso. Ein wenig schmerzt allerdings, dass der Regisseur hier zum dritten Mal nach THE COLOR PURPLE und BRIDGE OF SPIES auf seinen Haus- und Hofkomponisten verzichten muss, aber wer mag es John Williams nicht gönnen, sich hie und da auch eine Auszeit zu nehmen? Mit 86 war nicht mancher Filmmusikkomponist noch so aktiv wie er, 2017 immerhin mit THE POST und STAR WARS: THE LAST JEDI gut beschäftigt, hat er gleich noch zwei der feinsten Scores des letzten Jahres hingelegt.

Alan Silvestri war nun also Spielbergs Wahl, sicherlich mehr als nur Ersatz und eine durchaus logische Folgerung (wir erinnern uns gerne an dessen BACK TO THE FUTURE Trilogie). Leider gibt es aber auch einen deftigen Wermutstropfen, denn zunächst gab es keine CD zur Filmmusik und wer sich die Musik schnellst möglich holen wollte, war auf einen Download bei itunes und ähnlichen Anbietern angewiesen. Gleiches ist Silvestri beinahe mit AVENGERS: INFINITY WAR passiert, allerdings gibt es da inzwischen zwei, nein gar drei Versionen, die normale Score CD und eine „Deluxe“ Variante mit deutlich mehr Musik, allerdings bisher nur als Download erhältlich. Ob es auch, es soll wohl so sein, eine Song Version gibt? Hier steigt der Autor langsam selber nicht mehr durch. Um das abzukürzen: Vorsicht beim Bestellen der INFINITY WAR Musik.

Jetzt aber schleunigst zum Score von READY PLAYER ONE, denn der hat es durchaus in sich. Auch wenn die 84 Minuten Lauflänge zunächst etwas abschrecken mag, so ist das doch endlich wieder ein Silvestri auf wirklich hohem Niveau. In den letzten Jahren wurden solche Musiken vom 68 Jahre alten Komponisten wahrlich vermisst, zweifellos auch den Filmen geschuldet, die Silvestri betreute. Aber Spielberg scheint die kleine Flamme, die da noch brannte, wieder zum Glühen gebracht zu haben.

Die Komposition beginnt mit „The Oasis“, in dem wir einen Chor vernehmen, so wie man es von Silvestri bisher nicht zu hören bekommen hat – die wortlosen, mächtigen Chorstimmen tauchen in grösser angelegten Filmmusiken (JUDGE DREDD etc.) durchaus auf, aber diese Art und Weise mit Text, wenn des Rezensenten Erinnerung nicht täuscht, ist eine Premiere bei Silvestri. In „Hello, I’m James Halliday“ bekommen wir sein wunderbares Hauptthema serviert, das sowohl warm und gefühlsbetont wie gross und mächtig angerichtet, funktioniert. Neben diesem tauch immer wieder ein heroisches für Blechbläser geschriebenes kurzes Motiv auf. Ein weiteres, weitaus ruhigeres Thema (gespielt von Klavier und Holzbläsern) ist in „Why Can’t We Go Backwards?“ oder „There’s Something I Need to Do“ enthalten. Hier taucht auch erstmals musikalisch auf, was den Film so besonders machen soll, die Anleihen und Ausleihen anderer Filme vornehmlich aus den 80er Jahren. In diesem Track ist, nur kurz, Max Steiners KING KONG zu hören und Silvestri schafft es danach sein Hauptthema in gleicher Orchestration fort zu führen. Später werden 1941, BACK TO THE FUTURE („Real World Consequences“), ja sogar Ifukubes GODZILLA Motiv angespielt („Looking for a Truck“) und sind da nicht sogar DRAGONSLAYER von Alex North („An Orb Meeting“) und in „Looking for a Truck“ Williams‘ AMAZING STORIES verpackt? Wer weiss, hätte Disney nicht so bockig getan, wahrscheinlich wäre im Film (und der Musik) auch STAR WARS aufgetaucht. Aber auch ohne das seit THE LAST JEDI etwas bröckelnde Science Fiction Phänomen weiss Silvestri mit mal feineren, mal offensichtlicheren Kleinigkeiten aus den 80ern zu gefallen – ganz nebenbei erhalten wir eine thematisch basierte Musik, ja, so wie es damals eben öfter der Fall war.

Die elektronischen Beigaben/E-Drums für die Fieslinge (nicht ganz so 80’ish wie es damals klang: „Sorrento Makes an Offer“, „Orb of Osuvox“) und das JUDGE DREDD ähnliche sowie das von Tremolostreichern gespielte 3-Noten Spannungsmotiv sind im Mittelteil des Scores vielleicht die Schwachpunkte von READY PLAYER ONE. Ein Freund übrigens, der den Film gesehen hat, berichtete mir, dass im Film (Teile davon würden im Hotel des berühmt-berüchtigten Kubrick/King Hotels aus THE SHINING spielen) auch Wendy Carlos und deren Verwendung klassischer Stücke eine gewichtige Rolle spielen würden. Diese sind allerdings auf der CD nicht enthalten – wie auch viele Songs unter anderem von von Tears for Fears, den Bee Gees, Duran Duran, die uns älteren Semester aus den 80ern bestens bekannt sein dürften. Abgerundet wird die Doppel CD schliesslich mit „Main Title“, den man durchaus am Anfang hätte platzieren dürfen und einer 8 minütigen „End Credits“ Suite.

Silvestris Score ist, wie die Engländer so treffend beschreiben, busy, geschäftig, es ist viel los, ein Unmenge an Noten und Motive prasseln auf den Hörer nieder und die ersten zwei, drei Durchläufe der CDs sind nicht einfach. Hat man diese Hürde hinter sich gebracht und konnte sich mit Silvestris Themen und der komplexen Art wie alles aufgebaut ist, bekannt machen, vermag READY PLAYER ONE wirklich zu überzeugen. Aber man muss der Musik Aufmerksamkeit und etwas Zeit schenken. Silvestris Handschrift ist zweifellos sofort zu erkennen, die Blechbläser, die staccato Figuren, die Becken. Eine tolle Filmmusik, handwerklich von erster Güte und wie eingangs schon erwähnt, das Beste was von Silvestri seit einiger Zeit zu hören war.

Phil, 5.5.2018

READY PLAYER ONE

Alan Silvestri

Water Tower Music / Decca

84 Min. / 22 Tracks