The Alamo (re-recording)

Dimitri Tiomkin

The City of Prague Philharmonic Orchestra & Crouch End Festival Chorus
conducted by Nic Raine

Prometheus Records XPCD 168

CD 1: 58:45 / 22 Tracks
CD 2: 58:16 / 19 Tracks
CD 3: 47:14 / 16 Tracks

Gerade rechtzeitig erscheint zum Fünfzig-Jahr-Jubiläum dieses Monumentalfilms auf dem Prometheus Label von Luc van de Ven, der das Projekt (mit-)finanzierte, eine prall gefüllte Triple CD. In Zusammenarbeit mit James Fitzpatrick (Tadlow Music, Silva Screen) unter Mithilfe der Witwe des Komponisten (Olivia Tiomkin-Douglas), dem Orchestrator Patrick Russ – der auf einen großen Teil der kompletten Partitur Zugriff hatte – und Jiri (George) Simunek für die zusätliche Orchestrierung, enstand diese etwa 140-minütige Komplett-Einspielung unter dem Dirigat von Nic Raine mit dem City of Prague Philharmonic Orchestra und dem Crouch End Festival Chorus in insgesamt 24 Stunden. Tiomkin benötigte 1960 alles in allem 63 Stunden, weil er für die intimeren Szenen ein Kammerorchester bestehend aus 1 Flöte, 1 Oboe, 1 Klarinette, 1 Waldhorn (French horn), 1 Trompete, akkustische Gitarre, 1 Cembalo (Harpsichord) und eine kleine Streichersektion einsetzte.

Ein zweites, grösseres Orchester für die damaligen Recording Sessions setzte sich aus einer etwas vergrößerten Streichersektion mit 3 Waldhörnern, 3 Trompeten, 3 Posaunen (Trombones), Piano, Cembalo, Akkordeon, und 4 Schlagzeugen (Percussion) und einer kleine Holzbläsersektion, bestehend aus 1 Flöte, 1 Oboe, 2 Klarinetten und 1 Fagott (Bassoon) zusammen, um etwas Geld zu sparen für das wirklich große Orchester (zur musikalischen Untermalung der Schlachtszenen), welches aus einer grossen Streichersektion, 9 Holzbläsern, 4 Waldhörnern, 3 Trompeten, 3 Posaunen, 1 Tuba, 2 Flügel (Grand pianos) und 5-7 Schlagzeugern bestand.

Man mag zu dem überaus patriotischen und historisch etwas verklärten Film des Produzenten und Regisseurs John Wayne stehen wie man will, aber Fakt ist, dass durch diverse TV-Ausstrahlungen und DVD-Veröffentlichungen der Film zu einem Klassiker geworden ist, obwohl sich die Westernikone verschulden musste, um die Produktionskosten von 12 Millionen US Dollar aufbringen zu können. Der Film wurde sowohl von der Presse als auch dem Publikum sehr kontrovers aufgenommen und ist daher nicht unbedingt ein großer Erfolg an den Kinokassen geworden.

Das mag wohl auch an der (Über-)Länge des Films gelegen haben, denn die ursprüngliche Fassung war etwa 192 Minuten lang. Nach der Premiere kam eine um etwa 31 Minuten verkürzte Version in den Verleih, welche auch heute noch in den meisten TV-Ausstrahlungen zu sehen ist. Im Jahr 1991 wurde die ursprüngliche Schnittfassung wiederentdeckt und 2009 haben die Arbeiten an einer Restaurierung des Masters begonnen.

Die Handlung ist im Jahr 1836 angesiedelt. Nachdem Texas die Unabhängigkeit von Mexiko erklärt hat will der mexikanische Diktator (General Antonio Lopez de) Santa Ana mit einer Armee von 7.000 Mann die Herrschaft über die neue Republik erringen. General Sam Houston stellt eilig Truppen zusammen, um die Mexikaner aufzuhalten. Die Handvoll Soldaten unter Colonel William Travis (Laurence Harvey) und Colonel James “Jim” Bowie (Richard Widmark), sowie einige Dutzend Männer unter Colonel Davy Crocket (John Wane) aus Tennessee werden von der übermächtigen mexikanischen Armee in der ehemaligen Missionsstadt Alamo meherere Tage belagert und bei einem finalen Sturmangriff getötet.

Mag die Qualität des Films noch so zweifelhaft sein, an der prägenden Rolle der Musik des russisch stämmigen Komponisten Dimitri Tiomkin besteht absolut kein Zweifel!! Sie gehört zu den besten des (Western-)Genres, des Jahr(zehnt)es und des Gesamt-Oeuvres des Komponisten! Da die Academy den Oscar in diesem Jahr an Ernest Golds Exodusvergab und auch den besten Song statt für „The Green Leaves of Summer“ an Never on Sunday ging, blieb für Tiomkin nur der Golden Globe für seinen Score. Es ist schon erstaunlich, dass dieses unvergleichliche Stück „Americana“ von einem gebürtigen Russen stammt und im Ursprungsland dieser Musikrichtung nicht ausreichend gewürdigt wurde.

Der finanzielle Misserfolg des Films an der Kinokasse hatte leider auch Auswirkung auf die Soundtrackveröffentlichung. Zunächst plante CBS eine Doppel-LP des etwa 2-stündigen Stereo-Scores. Geworden ist es schlussendlich nur eine LP mit etwa 44 Minuten. Varèse Sarabande veröffentlichte diese LP in der FILM SCORE CLASSICS Reihe 1989 erstmals auf CD. 6 Jahre später kam von Legacy (Sony Music) eine etwa 67-minütige CD mit bisher unveröffentlichtem Material auf den Markt, allerdings mit zusätzlichen Dialogen, Soundeffekten (direkt vom Film) und Songs. Das Silva Screen Label widmete diesem Score 2004 eine etwa 23-minütige Suite auf deren Tiomkin Tribute 4-CD-Set: „THE ALAMO – The Essential Dimitri Tiomkin Film Music Collection“ mit einer Neueinspielung durch das City of Prague Philharmonic Orchestra & Crouch End Festival Chorus.

Alle vorherigen Veröffentlichungen haben leider viel und auch wesentliches motivisches Material dem Hörer vorenthalten. Auf dieser klanglich einwandfreien Neueinspielung – weniger reverb als sonst üblich bei den Prager Aufnahmen erzeugen ein plastisches und präsentes Hörerlebnis – kommen nun nicht nur die acht Hauptmotive, sondern auch die wuchtigen Kampfthemen sehr gut zur Geltung – ja letztere gehören meines Erachtens sogar zu den Highlights dieser Einspielung. Zusätzlich gibt es auf der dritten CD noch alternative (Album-) und vokale Fassungen.

Die folksongähnlichen Themen wie “Here’s to the Ladies”, “Tennessee Babe”, “The Ballad of the Alamo” und der Oscar-nominierte “The Green Leaves of Summer” sind im Gegensatz zum authentischen Folksong “The Eyes of Texas are Upon You” von Tiomkin als auch vom Texter Paul Francis Webster geschrieben worden. Diese sind im Film(/score) sowohl in instrumentaler, als auch vokaler Form immer wieder vertreten. Die zwei Themen für General Santa Ana und seine Truppen bieten etwas spanisches Flair, wobei eines davon El Deguello bereits in Rio Bravo verwendet worden ist.

Auch wenn diese Aufnahme zu den besten des Prager Orchesters gehört, denn sie spielen sehr nahe am Original und es ist wirklich nicht einfach eine Tiomkin-Partitur einzuspielen und auch kaum ein Dirigent kommt an die Tempi des Komponisten ran, so gibt es – zumindest für mich, der oft das Original gehört hat, schon einige kleine – wenn auch nicht gravierende – Schönheitsfehler. Vor allem bei den intimeren, langsameren Themen fehlt mir das typische Golden Age-/Hollywood Pathos der Streichersektion, die ein wohliges Gefühl beim Hören hinterlässt und manchmal ist mir das Tempo eine winzige Spur zu langsam gegenüber dem Original. Auch bei den Songs habe ich mich – durch mehrmaliges Hören – einfach zu sehr an die Album-Version gewöhnt und ziehe diese den auf der dritten CD vertretenen Fassungen vor. Das soll aber nicht heissen, dass die neuen Versionen schlecht oder gar unhörbar sind! Wenn man sie in dieser Form zum ersten Mal hört, wird man sie durchaus mögen und absolut nichts daran auszusetzen haben. Die Blechbläser und die Schlagzeug Sektion kommen hingegen wirklich hervorragend zur Geltung.

Abseits der Musik hätte ich noch einen Kritikpunkt und zwar das Booklet. Obwohl es durch die detaillierten Track-by-Track Anmerkungen von Frank K. DeWald zu den informativsten bei Prometheus zählt, fehlen mir einige (historische) Anmerkungen zum Film selbst bzw. zu der Produktion wie das bei FSM, BYU u.a. mittlerweile Standard ist.

Viel schlimmer finde ich jedoch die optische Erscheinung, denn aus rechtlichen Gründen konnten keine Originalfotos aus dem Film gebracht werden und das was die Grafiker von Prometheus zusammengepixelt haben, kann einfach nicht ansprechen – geschweige denn gar überzeugen. Die „Nussknacker-„Armee am Cover sieht einfach lächerlich aus! Es gibt zwar eine Art „Wende-Cover“, das etwas besser aussieht, aber auch von perfekt weit entfernt ist. Die Grafiken, im Innenteil des Booklets – basierend auf dem Frontcover – sehen behämmert aus und haben absolut nichts mit dem Film zu tun. Die Fotos der Recording Sessions mögen zwar durchaus interessant sein, aber 7 Stück sind dann auch des Guten zuviel.

Schlussendlich zählt aber die Musik und solange der Original-Score nicht einst in kompletter Form veröffentlicht werden sollte, solange wird jedenfalls dieses CD-Set die mit Abstand bestmögliche Version des instrumentalen Scores sein!

Erwin, 19.7.2010

 

 

 

 

 

 

 

Kommentar hinterlassen

Schreib einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*