Young Sherlock Holmes

YOUNG SHERLOCK HOLMES gehört nicht nur zu den Meilensteinen in Bruce Broughtons Karriere, sondern gilt unter seinen Werken als Fanfavorit schlechthin. Trotzdem dürften nicht wenige gestaunt haben, dass Intrada den Score nach 2014 bereits wieder veröffentlicht, und diesmal gleich auf drei Scheiben, da nun auch das originale Soundtrack-Album von 1985 endlich seine offizielle CD-Premiere feiert. Das ist bestimmt für viele ‒ nebst dem mittlerweile obligatorischen «newly remastered» ‒ ein stichhaltiges Argument, sich den Score erneut zuzulegen.

Dass Broughton bei YSH ein Arbeitsumfeld vorfand, in dem er sich ausgesprochen wohl fühlte und an das er sich bis heute gerne zurückerinnert, merkt man seiner Musik in jeder Sekunde an. Eine ganze Reihe wunderbarer, eingängiger Themen wie Haupt-, Holmes- und Liebesthema, charakterisiert vor allem den ersten Teil, der generell von jugendlicher Unbekümmertheit und Abenteuerlust geprägt ist, und Broughton fand für diese romantische Seite des Scores Inspiration bei Edward Elgar. Für den deutlich düstereren zweiten Teil, wo Holmes Freundin einem Kult geopfert werden soll und Halluzination-Szenen unterlegt werden müssen, geht der Komponist einen moderneren Weg à la Henze, Lutoslawski, Penderecki und Strawinsky. Am auffälligsten sind hierbei bestimmt die Kult-Szenen, eine Mischung aus Orffs CARMINA BURANA und Williams‘ TEMPLE OF DOOM. Es zeichnet Broughtons Fähigkeiten aus, dass all diese Kompositionsstile einträchtlich nebeneinander einher gehen.

Zu den Extras, die schon die Doppel-CD von 2014 ergänzten, gesellen sich drei weitere Tracks, und der vorzüglich zusammengestellte LP-Schnitt wird vor allem bei Broughton-Fans der ersten Stunde für Freude sorgen und nostalgische Gefühle erwecken. Und was das Remastering betrifft: zum ersten Mal im CD-Zeitalter konnten Eric Tomlinsons bislang unauffindbare Stereo Mixes der ersten Generation von den Aufnahmesessions in London genutzt werden, die auch in die USA geschickt wurden und als Grundlage für Dan Wallin dienten, der sie zum Teil ‒ vor allem für die LP ‒ neu abmischte. Back to the roots also in klanglicher Hinsicht, und zumindest für das audiophil ungeschulte Ohr tönt das Ganze unheimlich gut.

So haben wir es hier mit einem Set zu tun, das keine Wünsche offen lässt und für allgemeine Begeisterung sorgen dürfte. Bei Broughton ‒ der YHS als einer seiner Lieblinge bezeichnet ‒ ebenso wie bei alten und hoffentlich neuen Fans weltweit. Denn bei diesem Score handelt es sich um ein Orchesterwerk auf höchstem Niveau, das den Test der Zeit bestanden hat und so frisch und unverbraucht klingt wie eh und je. Eindrucksvoll. Wirklich eindrucksvoll.

Andi, 28.7.2019

YOUNG SHERLOCK HOLMES

Bruce Broughton

Intrada ISC 429

CD 1 40:15 Min. / 15 Tracks
CD 2 50:16 Min. / 13 Tracks
CD 3 64:20 Min. / 19 Tracks