A week with James Horner

von Phil Blumenthal
mit Basil Böhni, Andi Süess und Manfred Schreiber

In einigen Tagen, am 22. Juni, jährt sich James Horners Todestag zum fünften Mal. Der Schock bei Fans und Weggefährten war gross, als die Meldung reinkam, Horner sei bei einem Unfall mit seinem Flugzeug – er war ein leidenschaftlicher Pilot – ums Leben gekommen.

Ihm soll also diese Woche gewidmet sein und ausschliesslich Musiken aus seiner Feder lauschend, frage ich mich, ob ich in gleichem Masse auf Abwechslung und Stilwechsel stossen werde wie bei Goldsmith? Zwar war Horner gerade zu Beginn seiner Karriere ein durchaus vielseitiger Komponist, auch was die Wahl der Filme anbelangte, doch durchlief er mitunter längere Phasen des „Gleichklangs“, speziell in den 2000ern. Wir werden sehen, wohin das führt – genügend Stoff steht jedenfalls im Regal.

Los geht’s mit der Horner-Woche, zu der Basil, Andi und Mani ihre ersten Begegnungen mit James Horners Musik beigesteuert haben.

Biografisches

James Horner wurde am 14. August 1953 als Sohn von Harry Horner und Joan Frankel in Los Angeles geboren und wuchs mit zwei Brüdern auf. Da sein Vater ein Musikliebhaber war, war James umgeben von klassischer Musik und begann im Alter von fünf Jahren Klavier zu spielen. Seine Ausbildung startete er am Royal College of Music in London, nur um kurze Zeit später nach Hamburg umzuziehen und unter György Ligeti an der Universität für Musik und Theater zu studieren. Anfangs der 70er Jahre zog es Horner zurück in die USA, wo er an den renommierten USC und UCLA sein Studium festigte. 1976 legte er seinen Master ab. Danach lehrte er Musiktheorie und Komposition an der UCLA und arbeitete an seinem PhD. Horner empfand es als zunehmend schwieriger, in diesem Milieu zu arbeiten und seine Konzertwerke aufgeführt zu sehen. Per Zufall eröffneten sich ihm neue Wege, als er die Möglichkeit erhielt, einen Studentenfilm zu vertonen. Seine erste Filmmusik schrieb er für Dick Lowry, mit dem er einige weitere Projekte bestritt, darunter 1991 MY HEROES HAVE ALWAYS BEEN COWBOYS. Horner leckte Blut. Ihm gefiel es, für Filme zu schreiben, nicht zuletzt, weil er dadurch unterschiedlichen Stilen frönen konnte. 1979 folgte der wichtige Schritt zu Roger Cormans New World Pictures. Hier lernte er mit Budgets von 4000 Dollars zu arbeiten. Das führte zu THE LADY IN RED (1979), UP FROM THE DEPTHS (1979), HUMANOIDS FROM THE DEEP (1980) und schliesslich BATTLE BEYOND THE STARS (1980), bei dem er zum ersten Mal mit James Cameron in Kontakt kam, der bei Craven unter anderem Spezialeffekte anfertigte. Für Oliver Stone schrieb er die Musik zu THE HAND (1981) und für Wes Craven zu DEADLY BLESSING (1981). Horner schien für kurze Zeit im Horrorgenre festzustecken, doch mit THE PURSUIT OF D.B. COOPER (1981) und schliesslich STAR TREK II: THE WRATH OF KHAN (1982) kam der Befreiungsschlag. Alles andere ist Geschichte – mit über 140 Scores zu Kurz- und Langzeitfilmen und TV-Produktionen aus allen Genres sowie vier Konzertwerken! James Horner gewann zwei Oscars für TITANIC (1997; Filmmusik und Song) und wurde acht weitere Male nominiert, ausserdem gewann er acht Grammys (u.a. für GLORY (1989)).

Es ist erstaunlich, dass Musiken wie GLORY (1989) und WILLOW (1988), die bei den Horner-Fans äusserst beliebt sind, bisher nicht mit einer Deluxeversion bedacht wurden. Sicher, WILLOW war mit seiner 63 Minuten LP damals schon besonders üppig ausgestattet – in der Tat passten diese 63 Minuten auf nur eine LP, die Riffelung wurde in einem neuen Verfahren speziell eng ausgeführt, um möglichst viel Platz für die Musik zu bieten. Die CD ist durchaus ein gesuchtes Gut! RED HEAT (1988) übrigens, ebenfalls bei Virgin veröffentlicht, hat das gleiche Schicksal ereilt wie die beiden genannten Titel: Es blieb bei der bisherigen Virgin Veröffentlichung.

WILLOW war ein Projekt von George Lucas, der nach Flops mit HOWARD THE DUCK (1986) und TUCKER: THE MAN AND HIS DREAM (1988) zu einem Genre zurückkehrte, das ihm durchaus einträglich gesonnen war. Fantasy- und Science-Fiction. Zumindest ist es nicht gänzlich abwegig zu behaupten, STAR WARS (1977) ebenfalls als Fantasy-Abenteuer zu umschreiben. Sei es wie es ist, Lucas pflanzte in die Story von WILLOW bewährte Muster ein. Anders ist Val Kilmers versuchte Lässigkeit als Madmartigan nicht zu erklären, der jedoch bestenfalls als Westentaschen-Han-Solo durchging. Ron Howard wurde nach seinem Erfolg mit COCOON (1985) für WILLOW als Regisseur ausgesucht und versuchte aus den Umständen das Beste herauszuholen. So richtig gelingen wollte das aber nicht, der Film wirkt überhastet, erstaunlich schlecht geschnitten und gekürzt – mit dem Timing will es ebenfalls nicht hinhauen. Vorhang auf für die Brownies, arg nervige Däumlinge, die ungefähr so anstrengend und lustig sind wie Jar Jar Binks – nein, eigentlich sollte dieser Name nicht ausgesprochen werden. Anmerkung von Basil: Ob die geplante TV-Adaption von WILLOW für den Streaming-Dienst Disney+ alte Schwächen ausbügeln kann, wird sich weisen, sofern dieses Projekt zur Fruktifizierung kommt.

Zur Geschichte: Ein ausgesetztes Baby soll vom gutgläubigen Farmer und belächelten Jungzauberer Willow in die Welt der Menschen zurückgebracht werden, so hat es die Stammesberatschlagung ergeben. Der in der Welt der „Grossen“ überängstliche Willow übergibt Elora Danan dem Erstbesten, doch als er erfährt, dass dieses Kind die Macht der bösen Königin Bavmorda stürzen kann, die ihrerseits ihre Häscher ausgeschickt hat, die Kleine zu finden, kommt es zu einer Allianz. wie wir sie aus der LORD OF THE RINGS-Literatur kennen – jedoch mit weit weniger düsterem Unterton. Das ist denn auch sogleich das Problem von WILLOW, der versucht, ein möglichst breites Publikum anzusprechen, von Jung bis Alt soll hier jeder bedient werden. Der Film enttäuschte, Magie gab es eingeschränkt nur auf der Leinwand, beim Publikum war sie nicht zu spüren und aus den damals geplanten Sequels wurde nichts.

Ein beeindruckender Bestandteil des Films, den ich damals im Kino Rex in Solothurn gesehen habe, war die Tonspur und auf dieser die Musik von James Horner. George Lucas und James Horner, wer träumte nicht davon? Ausserdem war Horner mit seiner gefühlvollen Musik zu einem nicht zu unterschätzenden Teil am Erfolg von Howards COCOON beteiligt gewesen. Aber zurück zur Tonspur. Die Musik schallte gerade zu Beginn ohrenbetäubend laut aus den Filmlautsprechern. Shakuhachi, das London Symphony Orchestra und der King’s College Choir flogen mir quasi um die Ohren. Und mit ihnen auch das Hauptthema des Films, das Hörer mit einer Affinität zu klassischer Musik nicht unbekannt sein dürfte – Horner war durchaus nie abgeneigt sich die eine oder andere Inspiration aus der Klassik zu holen, wie es auch andere Filmmusiker getan haben. Hier ist es Robert Schumanns Sinfonie Nr. 3. und ein bisschen Peer Gynt (Grieg) und Bartók. Wie auch immer, WILLOW ist eine wirklich tolle, ereignisreiche und leitmotivisch geprägte Musik. Horner gibt alles um George Lucas’ und Ron Howards Fantasiewelt so gut wie möglich unter die Arme zu greifen und unbestritten ist der Score eines der positiven Ereignisse eines nicht wirklich gelungenen Filmabenteuers, das ich übrigens eindeutig besser in Erinnerung hatte, als es sich nun beim erneuten Reinschauen offenbarte.

Wie weiter oben erwähnt, gibt es bisher leider nur die Virgin LP und CD mit 63 Minuten Musik.

CLASS ACTION (1991) ist ein Gerichtsthriller mit Gene Hackman (der danach gleich für mehrere ähnlich geartete Filme vor der Kamera stand, u.a. THE CHAMBER (1996)) und Mary Elizabeth Mastrantonio. Vater und Tochter stehen Richter und Geschworenen gegenüber. Sie vertritt eine Autofirma, die wegen defekter Kraftstofftanks von ihm, Vertreter der Geschädigten, vor Gericht gezerrt wird – dass ausgerechnet seine Tochter, die mit ihrem Daddy kein gutes Verhältnis pflegt, die Verteidigung übernommen hat, wird ihm aber erst im Verlauf seiner Erkundigungen bewusst. In einer Nebenrolle ist Lawrence Fishburn zu sehen. Julia Roberts bewarb sich für Mastrantonios Rolle, was dem Film sicherlich einen enormen Boost gegeben hätte, allein, es klappte schliesslich nicht.

Für Regisseur Michael Apted komponierte James Horner 1983 die Musik zum bemerkenswerten Kalter-Krieg-Thriller GORKY PARK (1984; mit William Hurt und Lee Marvin) und nach CLASS ACTION den in einem Indianerreservat spielenden Copthriller THUNDERHEART (1992) mit Val Kilmer. 

Die Musik zu CLASS ACTION ist zum Grossteil elektronisch, Horner setzt jedoch mit gelungenem Effekt ein Sopransaxofon ein, zu hören in «Main Title» und «Michael Revealed». Sphärische Klänge wie wir sie aus FIELD OF DREAMS (1986) kennen, sind ebenso enthalten («The Deposition») wie ein E-Piano ähnlicher Sound, der gleichzeitig als roter Faden des Scores dient. Von den synthetischen Musiken Horners (u. a. UNLAWFUL ENTRY (1992), WHEN THE RIVER RUNS BLACK (1986), VIBES (1988)), von denen es in dieser Phase Mitte der 1980er bis anfangs der 1990er Jahre einige gab und als Synthesizer-Scores der grosse Renner waren, ist CLASS ACTION immer einer gewesen, der mir besonders am Herzen lag. Einerseits mag ich Gerichtsfilme, andererseits kann ich dieses Sopransax-Thema, gespielt von einem leider nicht näher benannten Saxofonisten, immer wieder hören; ein Instrument welchem Horner nur ein Jahr später in SNEAKERS ausgiebig Bedeutung zukommen lassen sollte und das in CLASS ACTION, eben gerade weil es – im abschliessenden Track «Healing the Rift» mit dem Klavier – das einzige akustische Instrument ist und deshalb besonders hervorsticht.

CLASS ACTION wurde von Varèse Sarabande zum Film veröffentlicht und mit 32 Minuten bedacht – es gibt über den Daumen gepeilt noch etwas mehr Musik im Film. Der Score zählt eher zu den weniger bekannten Horner Musiken. Mal wieder reinhören oder sich den gelungenen Film ansehen, ist durchaus angebracht.

Erstaunt habe ich festgestellt, dass es ALIENS (1986) bisher noch nicht in unsere Rezensionen geschafft hat. Allerdings, die tolle 2001er Edition erschien einiges vor dem Start unserer Webseite 2009.

ALIENS ist ein Film, an dessen Vorführung im Kino ich mich bestens erinnern kann. Das Filmtheater hiess Canva und es war pickepackevoll – andere Zeiten eben. Der Film wurde wie gewohnt im Original mit Untertiteln gezeigt und er fesselte von Anfang an. Spätestens wenn die Marines auf LV-426 ankommen, waren nasse Hände garantiert. Nach dem einen und anderen Schreckmoment und dem intensiven Finale war Phil ordentlich durchgeschwitzt.

James Cameron definierte den Actionfilm zwei Jahre zuvor mit THE TERMINATOR (1984) und spätestens mit ALIENS neu und er blieb der Franchise treu, obwohl er anstatt einem Alien gleich eine ganze Horde auf den Zuseher losliess.

Ripley wird mit ihrem Fluchtschiff gerettet, mit dem sie gerade noch der explodierenden Nostromo entkommen konnte und sich einem letzten Kampf mit dem Alien ausgesetzt sah. Doch die verantwortliche Weyland-Yutani Company begegnet ihren Aussagen, wie es zum Tod der Nostromo-Crew und dem Verlust der wertvollen Fracht kam, mit grosser Skepsis. Um den Geschehnissen auf den Grund zu gehen, willigt sie schliesslich ein, zu LV-426, der inzwischen von einer Gruppe Kolonisten bevölkert wird (was bei Ripley für Zustände sorgt), mit einer Gruppe Marines und einem Vertreter der allmächtigen Firma zurückzukehren.

Neben Sigourney Weaver treten Bill Paxton, Paul Reiser, Michael Biehn und Lance Henriksen (als von Ripley aus bekannten Gründen wenig gern gesehener, androider Begleiter) gegen die Monster an.

James Horner beschrieb die Erfahrungen mit James Cameron und ALIENS als eine der schlimmsten seiner Karriere. Als Horner in England eintraf, rechnete er mit 6 Wochen Zeit für die Musik. Doch er fand einen unfertigen Film im Schneideraum vor und verbrachte 3 Wochen damit, die Sets zu besuchen, um so wenigstens Atmosphäre aufzusaugen. Schliesslich musste Horner diverse Stücke in der Kürze, die ihm noch blieb, wieder umschreiben. Erst bei TITANIC (1997) fanden Horner und Cameron wieder zusammen, alles weitere ist dann Geschichte.

Aber es war nicht nur Horner, der mit dem Regisseur seine Mühe hatte. Auch die britische Crew, die auf ihren very british Teepausen bestand und dem 31 Jahre jungen Cameron mit grosser Skepsis begegnete. Der Director of Photography Dick Bush (THE PHILADELPHIA EXPERIMENT (1984)) wurde nach Unstimmigkeiten gefeuert. Seinen Platz übernahm auf Ridley Scotts Empfehlung hin Adrian Biddle (ja, der von WILLOW). Dem Film – und das ist Cameron hoch anzurechnen – sind die Differenzen, Schwierigkeiten und das mit 18 Mio. Dollar für einen mit Effekten und Kreaturen vollgestopften Film recht eng gefasste Budget nicht anzumerken. Das betrifft auch die Musik, die nach einem eher ruhigen Start mit vereinzelten Höhepunkten wie dem famosen «Combat Drop» (nicht im Film zu hören) zu einer wahren Tour de Force wird, mit tollen Suspense-Stücken wie «Sub Level 3» und grandiosen Actiontracks («FaceHuggers», dem verdient populären «Futile Escape», «Going After Newt» und «Queen to Bishop»). Leider wurde Horners Score im Film nicht wie geplant eingesetzt, herumgeschoben, geschnitten, gestartet und gestoppt, wie und wo es gar nicht vorgesehen war (in der Szene, in der ein Grossteil der Marines niedergemetzelt wird, sind Ausschnitte aus «Main Title» und «Queen to Bishop» verwendet worden) und trotzdem holte der Komponist mit ALIENS seine erste Oscarnomination ab (im gleichen Jahr gab es auch eine für den hübschen Song «Somewhere Out There» aus AN AMERICAN TAIL (1986)).

Fans werden STAR TREK II (1982), aber auch KRULL (1983) und Horners oft verwendetes Actionmotiv heraushören. Die Echoplexeffekte, wie von Goldsmith in ALIEN (1979) gebraucht, verwendet Horner ebenso (zB. in «Atmosphere Station» mit Col legno und Perkussionseffekten) wie einen kurzen Abstecher zu CAPRICORN ONE (1978) (Beginn von «Futile Escape» und «Newt is Taken»). Immerhin gelang, was Jerry Goldsmith mit ALIEN verwehrt blieb: Horners Schlusstitelmusik verblieb im Film! ALIENS ist trotz all den widrigen Umständen was ganz Feines für Fans von Horners actiongeladenen Scores.

Mit dem Film erschien bei Varèse/Colosseum und TER in England eine 40 Minuten LP. Bei mir lag die deutsche Version mit ebensolchen Tracktiteln, die da hiessen «Newt wird verfolgt» und «Geheimnisvolle Entdeckung», im Briefkasten. Die CD enthielt das gleiche Programm und erst viel später, Ender der 90er, anfangs der 2000er Jahre geisterten diverse Bootlegs, das bekannteste vielleicht dasjenige von Concorde, durch die Filmmusikhändlerregale. 2001 endlich wurde ALIENS mit der des im letzten Jahr verstorbenen Nick Redman produzierten Varèse Sarabande Deluxe Edition offiziell. 64 Minuten Filmmusik und 11einhalb Minuten Alternates und «percussion only» sind enthalten.

Wolfgang Petersen, der mit DAS BOOT (1981) und THE NEVERENDING STORY (1984) den Sprung nach Hollywood schaffte, hat ein Komponisten-Resumé, das sich gewaschen hat: Ennio Morricone, Maurice Jarre, Alan Silvestri, Jerry Goldsmith und James Horner werden da aufgeführt. Aber nur einem Komponisten hat der deutsche Filmemacher mehr als einmal vertraut: James Horner bei THE PERFECT STORM (2000) und TROY (2004; die Musik von Gabriel Yared ersetzend).

THE PERFECT STORM beruht auf wahren Begebenheiten: Die Besatzung des Fischereischiffs Andrea Gail fährt trotz Schlechtwetterwarnung von den Grand Banks Neufundlands Richtung Flemish Cap, um ihre Fangquote zu erfüllen. Gleichzeitig bewegt sich der Hurrikan Grace auf die amerikanische Küste zu, wobei sich dessen Ausläufer zusammen mit zwei weiteren Sturmzellen zu einem «Supersturm» formieren. Die Andrea Gail gerät in grösste Schwierigkeiten. George Clooney spielt Billy Tyne, den Kapitän des Schiffs, der seit einigen Fangversuchen glücklos agiert und mit seiner Crew nun den Fang seines Lebens einholen will, trotz Vorwarnungen und Vorboten des aufziehenden Sturms. In weiteren Rollen sind Mark Wahlberg, John C. Reilly, Diane Lane, William Fichtner und Mary Elizabeth Mastrantonio zu sehen.

Von George Clooney angeführt (nach seiner ER-Zeit damals einer der heissesten Boxoffice-Stars) und mit Petersen als Einspielgarant, wurde der Film zum grossen Erfolg und zählte zu den zehn profitabelsten Kinoveröffentlichungen des Jahres 2000. Bei der Kritik kam er nur mässig an, vor allem wurden zu wenig Charaktertiefe und ein äusserst fiktiver Umgang mit den Geschehnissen, die zum Untergang führten, moniert. Allerdings wusste niemand, was mit dem Schiff und der Besatzung nach dem Verlust der Schiffsantenne geschah, somit durfte hier durchaus kreativer Freiheit gefrönt werden. Für die damalige Zeit waren die Computereffekte der enormen Wellen (in der Tat musste das Schiff gegen 10m hohe Brecher ankämpfen) beachtenswert und funktionieren auch heute noch ganz gut.

Ich erinnere mich an die Pressevorführung in Bern und eine kopfschüttelnde Journalistin der grossen, örtlichen Zeitung. Als der Film zu Ende war, sah man der bemitleidenswerten Dame an, dass THE PERFECT STORM eine Dosis zu viel Hollywood für sie gewesen war. Den Hinweis eines neben mir sitzenden Kollegen, es handle sich hierbei um eine wahre Geschichte, quittierte sie mit einem Kopfschütteln.

Mit Schiffen und Wasser wusste James Horner spätestens nach TITANIC (1997) bestens umzugehen, das war sicher einer der Punkte für das Engagement des Komponisten bei PERFECT STORM. Eine der Parallelen ist die Verwendung eines Schlusssong, hier «Yours Forever», gesungen von John Mellencamp, geschrieben von Horner.

Er beginnt den Score mit akustischen Gitarren, ehe das Orchester das Hauptthema des Films in «Coming Home from the Sea» anstimmt. Rollende Klaviere, Hörner aber auch ein überraschender, gelungener und Gänsehaut verursachender E-Gitarren Einsatz (in «To the Flemish Cap» nochmals zu hören) als Tyne und Linda Greenlaws Schiffe gemeinsam in den Heimathafen einlaufen, stimmen in das, nennen wir es gut gelaunte «Fischer-Motiv» ein. Gegen Ende des Tracks lässt Horner ein weiteres erhebendes Thema erklingen, ein Sechs-Noten-Motiv, das wiederum in das Hauptthema führt und dieses begleitet. Clever gemacht.

Ich gestehe es, ich war nie ein Fan von TITANIC. Der Film ist mir zu lang und viel zu klischeehaft, ausserdem kann ich das von Céline Dion gesungene «My Heart Will Go On» nicht mehr hören. Ich ziehe beiden, Film und Musik, THE PERFECT STORM vor. Es war die Zeit von Horners grossen, dramatischen Filmmusiken und dieser Score gehört zu den besseren davon.

Zum Film erschien eine CD bei Sony mit 79 Minuten Länge. Jeder der Tracks, mit Ausnahme von «The Fog’s Just Lifting…» ist länger als 7 Minuten. Ein toll anzuhörendes Album.

Eines der typischen Schwarzenegger’schen „One Liner“-Vehikel ist der todernste COMMANDO (1985), obwohl man den Film gleich zu Beginn kaum mehr ernst nehmen kann: Arni trägt einen ausgewachsenen Baumstamm auf der Schulter als sei es ein abgebrochener Ast. Tja, sowas kann nur die „Eiche aus Graz“.

Mark Lesters Film dreht sich um den ehemaligen US Special Forces Colonel John Matrix (Schwarzenegger), der von seinem ehemaligen Befehlshaber gewarnt wird, dass alle Mitglieder seiner einstigen Truppe von unbekannten Söldnern umgebracht worden seien. Matrix’ Tochter Jenny (Alyssa Milano) wird von diesen entführt und er wird gezwungen in irgend einem südamerikanischen Staat ein Attentat auszuführen. Natürlich kann Matrix entkommen und macht Jagd auf die Fieslinge, um seine Tochter zu befreien. Mark (FIRESTARTER (1984) mit Drew Barrymore) Lesters Film ist eben, was er ist: einer jener alleine-gegen-alle-Filme wie sie sich damals Arni, Sly, Bruce Willis und Chuck Norris sowie einige B-Helden teilten. Irgendwann war es mit dieser Welle zum Glück auch wieder vorbei. Viel Gutes kann man an Steven De Souzas Script zu COMMANDO, der unter anderem DIE HARD (1988), 48 HRS. (1982) und RUNNING MAN (1987) verfasste, nicht finden und auch der Film bleibt sehr formelhaft. Die Fans kamen dennoch in Scharen – immerhin blieb COMMANDO vier Wochen lang Nr. 1 an den US-Kinokassen. Ich sah den Film in der Videokassettenzeit als Mietfilm und nein, viel ist davon nicht hängen geblieben. Die später erschienene DVD war heftig gekürzt wie es auch die meisten TV-Versionen sind, die ab und an über die Kanäle huschen. Wer drauf steht, kann sich aber die unrated Blu-ray ansehen, die zwar als DC betitelt wurde, aber nur rund anderthalb Minuten mehr Film enthält, dafür wird richtig gemetzelt.

COMMANDO ist ein für damalige Zeiten modern klingender, Jazzfusion-Pop Horner mit einer Vielzahl an elektronischer (und da sind sie wieder, die Simmons Drums) und akustischer Perkussion, Synthesizer, den aus 48 HRS. bekannten Steel Drums, einer E-Gitarre, asiatisch anmutenden Flöteneinsätzen, Saxofone und ein EWI (ein elektronisches Blasinstrument, das an einen Synthi oder Sampler angeschlossen wird). Wer’s mag, bekommt hier eine volle, aber wirklich eine volle Dröhnung Action geliefert, eine kunterbunte Mischung aus GORKY PARK (1983), 48 HRS. und UNCOMMON VALOR (1983), manchmal scheinen die Sounds einfach übereinander gestapelt, um möglichst viel Lärm zu erzeugen («Sully Starts to Run»). Immer? Nicht immer, denn für Matrix und seine Tochter hat Horner ein kleines, hübsches Motiv kreiert – das ist aber nur einmal zu hören. «Matrix Breaks Lock» und «Matrix Climbs up Bank» bereiten uns auf ALIENS (1986) vor – dafür ist auch ein Orchester aufgeboten worden. 95% des Scores sind Hard-Core-Action pur und wirklich nur etwas für Fans solcher lauter Klanggebilde. Übrigens: Einige Stücke sind im Film recht leise abgemischt, anderen wurde besser mitgespielt.

Überraschend, dass damals trotz des Erfolgs von COMMANDO keine Filmmusik-LP erschienen ist. Erst 2003 veröffentlichte Varèse Club die Musik mit 43 Minuten während 2011 La-La Land knapp 62 Minuten herausbrachte, die aber abzüglich der Bonus-Tracks und des Schlusssongs «Someday, somehow, someone’s gotta pay» gerade auf 48 Minuten Score kommt. Dasselbe Album hat La-La Land 2015 dann nochmals in einer limitierten Version veröffentlicht.

HOUSE OF SAND AND FOG (2003) ist eine Literaturverfilmung, basierend auf Andre Dubus’ III Novelle. Nachdem ihr Mann sie verlassen hat, schaltet Kathy Nicolo (Jennifer Connelly) auf taub und beachtet die bevorstehende Zwangsräumung nicht, bis Deputy Sheriff Lester Burdon (Ron Eldrad) vor ihrer Tür steht. Er hilft ihr netterweise beim Umzug, um in einem Motel Unterschlupf zu finden. Kathy kann aber nicht damit leben, dass eine iranische Familie das Haus, das einst ihrem Vater gehört hatte, gekauft hat. Sie versucht alles um Familienoberhaupt Massoud Amir Behrani (Ben Kingsley), ein ehemaliger Colonel der iranischen Armee des Schahs, damals mit seiner Familie nach Amerika geflüchtet, dort wieder raus zu bekommen.

HOUSE OF SAND AND FOG war Vadim Perelmans beeindruckendes Regiedebüt mit einer stark spielenden Besetzung. Intensiv verfilmt bleibt man an den tragischen Geschehnissen hängen, erstaunt, bestürzt, betroffen. Es ist einer dieser wenig bekannten Filme von beeindruckender Qualität, die einen fassungslos sitzen lassen während die End Credits laufen. Der Film war kein Geschäft für DreamWorks, immerhin aber wurde er in drei Kategorien für einen Oscar nominiert (Hauptdarsteller, Nebendarstellerin: Shohreh Aghdashloo und Musik). Nach einem weiteren Film in den Staaten, THE LIFE BEFORE HER EYES (2007), kehrte Perelman wieder nach Europa zurück und auch Jennifer Connellys Stern begann langsam zu sinken.

2003 war ein Jahr, in dem Horner es überwiegend mit kleineren Projekten wie RADIO und BEYOND BORDERS versuchte (THE MISSING markierte den epischen «Ausreisser» in diesem Schaffensjahr). Auch HOUSE OF SAND AND FOG, für den er ein Ensemble aus Streichern, Holzbläsern, Harfe, Klavier und Synthesizer für seinen intimen Score versammelte, gehört dazu. Der Soundtrack beginnt mit dem kurzen, elektronischen Track «An Older Life» ehe mit «The Waves of the Caspian Sea» das Thema für die iranische Familie, gespielt von den Violinen, erklingt. Horner verarbeitet oft Passagen, in denen das Klavier die Hauptrolle spielt. Traurig, nachdenklich stimmend, bedrückend. «This is no longer your House» bildet eine Ausnahme, mit einem einfachen elektronischen Klang beginnend, dem er schliesslich einen leichten «persischen» Hauch verleiht, äusserst dezent gemacht. Auch hier bestimmt das Klavier die Szenerie, während sphärische Klänge zugesetzt werden – interessanterweise zieht Horner diese den Streichern da und dort vor und lässt so mehr Kälte und Unbehaglichkeit verspüren.

Als Zuseher von HOUSE OF SAND AND FOG kann man sich in beide Protagonisten hineinfühlen. Einerseits in die von viel Traurigkeit umgebene Kathy, die ihr Zuhause verliert, andererseits in die Familie Behrani, die hier eine neue Heimat gefunden hat. Gleichzeitig werden beide von ihrer Vergangenheit verfolgt und Kathy wie auch der Colonel lassen im Verlauf des Films Seiten erkennen, die das dunkle in uns Menschen zeigen.

Horner unterstützt dies mit unnahbaren, distanzierten Keyboardpads und Streichern in «Parallel Lives, Parallel Loves», «Behrani’s Thoughts – Long Ago» und «The Dreams of Kings». Die anfänglich noch zu spürende Wärme, der leichte Hauch Optimismus kehren erst mit «The Shooting, a Payment for Our Sins» wieder. In «We Have Travelled so Far, it is Time to Return to Our Path» fängt Horner die volle Tragik der Geschehnisse ein.

HOUSE OF SAND AND FOG ist, wie so oft, eine Musik, die ganz besonders gut im Film wirkt und somit danach umso besser. So setzt sich die CD in den Hörgängen fest und lässt Bilder des Gesehenen vor dem geistigen Auge ablaufen.

Die Varèse Sarabande CD, die 2003 mit dem Film erschienen ist, enthält 70 Minuten Musik.

Nach einer deftig-heftigen russischen Einführung wird Ivan Danko (Arnold Schwarzenegger) in die USA abbefohlen, um einen geflüchteten georgischen Drogenking zurück nach Russland zu bringen, der in Chicago verhaftet wurde. Auf dem Weg zum Flughafen wird dieser befreit. Danko will in den USA bleiben, bis er seinen Job erledigt hat und bildet mit Art Ridzik (James Belushi) ein ungleiches Paar im Kampf gegen den brutalen Verbrecher.

RED HEAT (1988) bedient sich einer der vielen Buddy-Movies-Formeln, die gerne und oft in Action-Komödien mit Cops angewendet wird – mit unterschiedlichen Resultaten. Hier ist es ein gewohnt wortkarger Schwarzenegger (gut ist er Russe, so fällt sein Akzent nicht auf) und dessen wenig kompatible Zusammenarbeit mit dem von James Belushi gespielten, eigensinnigen Detective Ridzik. Der eine und andere Gag zündet zwar (nicht zuletzt dank Belushi), aber das Muster von Walter Hills Film ist allzu ähnlich mit dem erfolgreichen 48 HRS. Höhepunkt des Films sind die actionreiche Eröffnungsszene in Moskau (in Budapest gedreht) und eine Verfolgungsjagd mit Bussen durch Chicago. Hill sagte dazu einst, Schwarzenegger passe schliesslich kaum in ein Auto, deshalb haben sich Busse als durchaus passend herausgestellt. In weiteren Rollen sind Peter Boyle, Lawrence Fishburne sowie die immer attraktive Gina Gershon zu sehen.

Obwohl RED HEAT einige Wochenenden auf Platz eins des Box-Office verbrachte, wurde er im gleichen Jahr vom Erfolg von Filmen wie DIE HARD (1988), RAMBO III (1988), RAIN MAN (1988) und WHO FRAMED ROGER RABBIT (1988) in den Schatten gestellt.

Nach dem erfolgreichen Teamwork in 48 HRS. (1982), der Nick Nolte und Eddie Murphy als ungleiches Paar sah, realisierte Hill STREETS OF FIRE (1984) und engagierte James Horner für die Musik, doch die überlebte nicht und wurde mit Ry Cooders Musik und unzähligen Songs ersetzt. Das nützte wie so oft nichts, STREETS OF FIRE war ein Flop, Horners Score bleibt gesucht. Trotzalledem stand Horner bei RED HEAT (1988) wieder bereit und komponierte 1990 das Sequel ANOTHER 48 HRS. (1990) ebenfalls von Walter Hill. 

Auf Wunsch Hills sollte Horner für den Beginn etwas Heroisches, eine Art Hymne mit Bezug zur Sowjetunion komponieren. Horner, seit GORKY PARK durchaus mit «sowjetischen Wurzeln» vertraut, nahm den Ball auf und verwendete Prokofjews 2. Teil, Die Philosophen, aus der «Kantate zum 20. Jahrestages der Oktoberrevolution» als Eröffnungs- und Schlusstitel. Horner drückt wie beim unvergesslichen Tanz auf dem Eis in GORKY PARK seinen Stempel mit zusätzlichen Perkussionseinschüben und eigenen Arrangements drauf. Der «Main Title» täuscht durchaus, denn danach geht bis zum Schlussstück die Action ab – und wie. Nur noch in «Russian Streets» bleibt er dem Ambiente mit Hackbrett, col legno, Schlagwerk, Röhrenglocken, Blechbläsern und Streichern treu, wenn Arni seinen Widersacher verfolgt (glitschig fies Ed O’Ross, der später in ANOTHER 48 HRS. mit von der Partie war). Danach geht’s für Ivan nach Chicago und sofort ändert sich die musikalische Szenerie, Freejazz ist zunächst angesagt! Horner verwendet Tenorsaxofon, Schlagzeug, Simmons Drums, E-Bass, E-Gitarren, sogar eine Slide Guitar, hach ja und auch wieder Steel Drums, Shakuhachi sowie Keyboards für das Chicago-Setting. Die Actionmusik in RED HEAT macht durchaus Spass, sie ist besser gemacht und strukturierter als beispielsweise im vorgängig beschriebenen COMMANDO (1985).

Die Virgin Records LP und CD mit 44 Minuten Laufzeit bleiben bis heute die einzigen Tonträger von Horners Musik.

BRAINSTORM (1983) war ein gewagtes Projekt von Effektzauberer Douglas Trumbull, der sich insbesondere mit Arbeiten an STAR TREK-THE MOTION PICTURE (1979), BLADE RUNNER (1982) und natürlich CLOSE ENCOUNTERS OF THE THIRD KIND (1977) einen Namen machte sowie an Stanley Kubricks 2001: A SPACE ODYSSEY (1968) beteiligt war. Seinen ersten Film realisierte er 1972 mit dem Science-Fiction Film SILENT RUNNING (1972).

BRAINSTORM war zunächst eine Herzensangelegenheit für Trumbull, doch der Film litt unter dem Druck von oben, sprich den Studiogewaltigen, und dem Tod Natalie Woods während der Dreharbeiten. Visuell ist der Film in zweierlei Hinsicht besonders: Er wurde in zwei Formaten gedreht, 2.20:1 (70mm Super Panavision) für die Szenen der Brainstorm-Gerätschaft und in 1:85:1 (35mm) für die Realszenen. Das hatte zur Folge, dass diese in 14:9 mit seitlichen Rändern gezeigt wurden, während die auf 70mm gefilmten Sequenzen über die ganze Leinwandbreite projiziert wurden. Das klappte leider in der VHS Version nicht, die auf 4:3 aufgeblasen wurde und somit an einiges der visuellen Besonderheit einbüsste. Ursprünglich wollte Trumbull die Effektsequenzen in einem von ihm entwickelten, neuen 60 Bilder pro Sekunde Format filmen, das kam aber schliesslich für MGM nicht in Frage. Für Trumbull wurde BRAINSTORM mehr und mehr zu einem Alptraum bis hin zu dem Punkt als das Studio nach Natalie Woods Tod während eines Bootsausflugs den Film stoppen und die Versicherungssumme einkassieren wollte. Neben der erwähnten Natalie Woods, für die nach ihrem Tod ein Stand-in eingesetzt wurde, spielen Christopher Walken, Cliff Robertson und die tolle Louise Fletcher. Trumbull gab das Filmemachen nach BRAINSTORM mit Ausnahme einiger Kurzfilme und IMAX-Arbeiten so gut wie auf, er konnte sich mit der Studiopolitik in Hollywood nicht identifizieren.

Zur Story: Ein Team von Wissenschaftlern hat ein Interface entwickelt, mit dem man aufgezeichnete Erlebnisse wiedererleben kann, aus der Ich-Perspektive, als wäre man mittendrin. Eine Art reales Virtual Reality. Achterbahn fahren, in einem Jet fliegen, bis hin zu erotischen Lüsten (was einem Mitarbeiter zum Verhängnis wird). Alles ist möglich. Teamleiterin Lillian (Fletcher) hat Geldgeber im Rücken, die ihre Erfindung dem Militär zugänglich machen wollen, wogegen sie protestiert. Als sie im Labor stirbt und dies gerade noch aufzeichnen kann, will Michael (Walken) dieser Erfahrung nachgehen. Doch das bringt ihn an den Rand des Todes. Alex (Robertson) verbietet ihm danach dieses Tape weiter zu erforschen, gleichzeitig entdeckt Michael die Machenschaften seines Teamleiters, der ein eigenes Projekt namens Brainstorm gestartet hat, das für Folterungen und Gehirnwäsche Verwendung finden soll. Zusammen mit Karen (Woods) setzt Michael alles daran dies zu verhindern.

Ich hatte das Glück den Film in den 90er Jahren an einem Filmfestival sehen und somit die beiden Bilddimensionen und deren Wirkung geniessen zu können. Aber Vorsicht, es geistern nach wie vor diverse Versionen durch die DVD und Blu-ray Regale.

Die Musik zu BRAINSTORM ist mir eine der liebsten aus der frühen Phase James Horners, in der er sich Zeit zum Experimentierten nahm, um einem Film einen Stempel aufzudrücken, der zwar nach Horner klang, sich aber auch in einen Film einschmiegen und tief in die Szenerie gelangen konnte. Dafür steht ein Stück ganz besonders – ein Highlight des Films: Der Tod von Louise Fletchers kettenrauchendem Charakter Lillian. Horners Musik ist grossartig («Lillian’s Heart Attack»): Der wuchtige Auftakt und die Schmerzen des Infarkts, die Gewissheit des Todes und als Lillians Geist ihren Körper verlässt.
Ein wichtiges, klassisch gehaltenes und wunderschönes Thema ist für die zwischenzeitlich gescheiterte Beziehung zwischen Karen und Michael reserviert («Michael’s Gift to Karen»), die Michael mit Hilfe des Interfaces nacherlebt und seiner Angebeteten als Erinnerung zum Geschenk macht. Zum Orchester setzt Horner effektvoll einen Chor ein, nicht unähnlich wie in KRULL, der im selben Jahr entstand. Aufschlussreich, weil gleichzeitig wenig gutes verheissend, ist die Verwendung des Chors zusammen mit dem Liebesthema in «Final Playback/End Title».   

Es war ein unglaublich geschäftiges Jahr für Horner. Gleich acht Filme entstanden 1983 wie der erwähnte KRULL, GORKY PARK, TESTAMENT, SOMETHING WICKED THIS WAY COMES (einen Delerue Score ersetzend), UNCOMMON VALOR, aber auch kleinere Projekte wie THE DRESSER und BETWEEN FRIENDS.

BRAINSTORM bedarf längst einer neuen, einer ausführlicheren Veröffentlichung auf CD. Das Release von 1983 (ursprünglich bei Varèse) enthält 30 Minuten Musik und wurde mit dem London Symphony Orchestra speziell für den Tonträger eingespielt.

Jedem Filmmusiker ist es schon passiert: Der Film funktionierte nicht, hatte ein schlechtes Testscreening. Da bleibt oft nebst Kürzen, Umschneiden und manchmal sogar einem Nachdreh nur die Musik übrig, der man die Schuld in die Schuhe schieben kann und die einfach zu ersetzen ist. Auch James Horner ist es so ergangen, seine Scores zu STREETS OF FIRE (1984) und YOUNG GUNS (1988) wurden rausgeschmissen, umgekehrt hat er einst Gabriel Yareds grandiose Musik zu TROY (2004) ersetzt, zu manch Kritik aus der Filmmusikwelt.

Dann kam ROMEO & JULIET (2013), eine englische Produktion unter der Regie von Carlo Carlei (Autor von THE LAST LEGION (2007) und Regisseur von PADRE PIO(2000)). Angekündigt war James Horner als Komponist, wer könnte besser eine solch tragische Liebesgeschichte vertonen als er? Er reiste nach London, nahm die Musik auf, doch empfanden die Macher Horners Komposition als nicht passend für ihren Film und so kam schliesslich der von mir sehr geschätzte Abel Korzeniowski (NOCTURNAL ANMALS (2016), THE NUN (2018)) zum Handkuss. Geholfen hat es nicht, ROMEO & JULIET war an den Kinokassen erfolglos, zügig erlosch die Filmlampe trotz einer Besetzung mit Damian Lewis, Stellan Skårsgard und Hailee Steinfeld (TRUE GRIT (2010) als Juliet).

Es ist erstaunlich, dass James Horners Musik bisher nicht veröffentlicht wurde, doch rechtliche Probleme mit Produktionsfirmen, die in Konkurs schlitterten, schoben bisher allen Bemühungen den ein oder anderen Labels den Riegel vor. Wie es eben so ist, irgendwann kursiert ein Bootleg oder wie im Fall von ROMEO & JULIET: Die Musik tauchte auf youtube auf. Schade, wirklich, denn dieser Score hätte es verdient auf CD gepresst und offiziell veröffentlicht zu werden. Doch ich gestehe es, ich konnte nicht anders und musste diese Musik hören, die in England aufgenommen wurde. Hoffen wir, dass irgendwann doch noch die Möglichkeit auf eine reguläre CD besteht.

Besonders interessant sind die Ausführungen meines Kollegen Basil Boehni hinsichtlich ROMEO & JULIET, die ich hier gerne aufführe:

«Am 16. Oktober 2012 wurde bekannt, dass James Horner die Filmmusik zu ROMEO & JULIET komponieren werde. Was für eine Kombination! Am 1. Dezember 2012 postet der Kontratenor Iestyn Davies auf Facebook und Twitter Fotos von ihm zusammen mit James Horner und der norwegischen Sängerin Sissel. Dabei enthüllte er, dass dies heute der letzte Aufnahmetag in den Air Studios für Horners jüngste Filmmusik zu ROMEO & JULIET sei. Zuvor wurde zudem auch in den Abbey Road Studios aufgenommen. Davies postete: «Have to say, James Horner’s ROMEO & JULIET score made me weep eternally in the sound booth.» Auch die Fan-Seite «James Horner Film Music» berichtete von den Aufnahmen. Damals war ein gestaffelter Filmstart im Frühling und um die Jahresmitte 2013 vorgesehen. Dieser wurde dann jedoch später in den Herbst 2013 verschoben. Am 4. Juni 2013 (also sechs Monate nach den Musikaufnahmen) wurde bestätigt, dass Sony Music das Soundtrack-Album mit Horners Filmmusik am 22. Juli 2013 in Grossbritannien veröffentlichen werde. Dann am 11. Juli 2013 wurde berichtet, dass Horners Musik von den Filmemachern abgelehnt wurde und dass der polnische Komponist Abel Korzeniowski per Ende Juni (bereits!) in den Eastwood Scoring Stages in Los Angeles eine neue Musik aufgenommen habe. Insider berichteten, dass Korzeniowski an einer neuen Filmmusik gearbeitet habe, während Horner noch immer «im Amt» war. Korzeniowski habe hiervon nichts gewusst, weshalb er zugesagt und fröhlich drauflos komponiert habe. Später wurden vom Film zwei Versionen – eine mit Horner- und eine mit Korzeniowski-Musik drin – einem je anderen Testpublikum gezeigt. Jene Version mit Korzeniowskis Musik drin, habe die besseren Bewertungen erhalten – ob explizit hinsichtlich der Musik oder generell betrachtet, ist nicht bekannt. So fiel dann die Wahl der Produzenten auf die Version mit Korzeniowskis Musik.

Am 21. September 2013 wurden dann die Soundtrack-Details für Korzeniowskis ROMEO & JULIET – ebenfalls von Sony Music veröffentlicht – bekannt gegeben. Und bei diesem Release im Oktober ist es dann geblieben. Ob (auch) dieser Filmmusik-Schwenk zur späteren Filmveröffentlichung beigetragen hat, ist nicht offiziell bekannt, aber eine Möglichkeit wäre es wohl. In all diesem Trubel gab es weitere Horner-News: Am 30. Januar 2013 wurde bestätigt, dass Horner die Musik zu ENDER’S GAME (2013) komponieren werde – 2013 versprach zu jenem Zeitpunkt ein interessantes Jahr für den Maestro zu werden. Doch am 9. Mai 2013 wurde berichtet, dass Horner dieses Projekt verlassen habe und Steve Jablonsky übernehmen würde. Für ENDER’S GAME hatte Horner, soweit bekannt, noch keine Musik auskomponiert. Nach diesem ernüchternden 2013 wurde es still um James Horner. Erst am 15. März 2015 bekamen wir mit WOLF TOTEM neue Musik von ihm zu hören – und was für welche und er schien neue Schaffenskraft geschöpft zu haben, denn es standen viele unterschiedliche Projekte an. Im selben Jahr folgten seine Kompositionen zu SOUTHPAW, LIVING IN THE AGE OF AIRPLANES, THE 33 und das Konzertwerk PAS DE DEUX

Einige Besonderheiten finden sich im Score: Allen voran die unverhohlene Ähnlichkeit zu SNEAKERS (1992), die Claves, die Ostinati des Klaviers und sogar das Sopransax sind zu hören. Nun kennen wir alle den Hang zu Selbstzitaten bei James Horner und gerade Fans des Komponisten wissen damit umzugehen, bei anderen stösst und stiess dies immer wieder auf Kritik. Horner wäre aber nicht Horner, würde er nicht die Essenz dieser Geschichte in die Musik übertragen können. Diese vermittelt einiges an Schwere und Traurigkeit wie man sie durchaus in HOUSE OF SAND AND FOG (2003) zu spüren bekam, vieles findet im Hintergrund statt, kleine Motive, aber auch ein wundervolles Hauptthema, das Horner in einen feinen Schlusssong münden lässt. Sein Liebesthema ist an jenes aus THE NEW WORLD (2005) angelehnt (ein weiterer Score, dem es im fertigen Film von Terence Malick an den Kragen ging) und ja, auch das unvermeidliche Vier-Noten-Gefahrenmotiv ist vorhanden. Chorgesang und Solostimmen ergänzen die Palette. ROMEO & JULIET ist ein James Horner, der aufmerksames Hinhören erfordert, unverwechselbar in der Stilistik, ergreifend, erstaunlich komplex was Passagen der Streicher angeht und zweifellos in das Horner Universum passend.

Mein erster Horner

von Basil Böhni

Der Film CASPER (1995) bereitete mir viel Spass – damals war ich 10-jährig. Eines Tages fand ich in unserer lokalen Mediathek die Soundtrack-CD. Ich habe diese ausgeliehen und sie mir einige Male angehört, während ich versuchte, mit Wasserfarben das «Casper»-Logo mit den vier Geistern obendrauf nachzumalen… letzteres endete ähnlich ansehnlich wie die Tischmanieren der drei «bösen Onkel»-Geister im Film selbst. An der Musik fand ich, trotz missratener künstlerischer Nebenbeschäftigung, viel Gefallen und so machte ich mir eine Kopie davon (*ducktsichundweg*). Diese Kopie hatte ich für viele Jahre in meiner CD-Sammlung. Vor Jahren habe ich die Kopie durch eine reguläre Version ersetzt (versprochen!).

1995 war für mich der Name James Horner auf dem CD-Cover zugegebenermassen noch nicht ausschlaggebend. Mir gefiel der Film und daher wurde ich auf die Musik in der Mediathek aufmerksam. Erst zwei Jahre später, mit TITANIC (1997), begann ich das Schaffen von Horner gezielt zu verfolgen und zu sammeln. In diesem Zusammenhang stieg denn auch mein Interesse daran, von CASPER bei Zeiten das reguläre Album zu besitzen. Zudem durfte ich feststellen, dass einer meiner Kindheits-Lieblingsfilme ebenfalls von Horner vertonte wurde: THE LAND BEFORE TIME (1988). Auch dieses Album musste zügig in die Sammlung.

Heute, 25 Jahre und gut 130 Horner-Alben später, habe ich mir das CASPER-Album anlässlich dieses Artikels gerne wieder Mal angehört. Das Stück «Casper’s Lullaby» gehört immer noch zu einer der schönsten Kreationen von Horner. Dieses Thema ist fantastisch und jegliche Variation hiervon in dieser Filmmusik – aber auch später in der Filmmusik zu THE SPIDERWICK CHRONICLES (2008) – macht einem das Herz schwer. Abgesehen von diesem berührenden Wiegenlied bietet CASPER allem voran witzige Comedy- und Slapstick-Musik. Das ist nicht schlecht, aber ich persönlich bevorzuge den «dramatischen Horner». Die komödiantischere Mickeymousing-Musik in CASPER hört sich denn auch irgendwie atypisch für James Horner an. In «Casper’s Lullaby» erkenne ich klar seine Handschrift. In den verspielten Stücken wähnt man sich indes nicht selten in einer Musik von Danny Elfman – mit den Saxophon-Einwürfen, dem Theremin für die Geisterthematik, dem Chorgesang… Horners «Comedy-Handschrift» glaube ich in Werken wie HONEY, I SHUNK THE KIDS (1989) authentischer zu hören als hier. Zudem fällt das Stück «The Swordfight» stilistisch zusätzlich auf, weil sich Horner hier deutlich an Swashbuckler-Musik à la Erich Wolfgang Korngolds THE SEA HAWK (1940) anlehnt. Man darf davon ausgehen, dass er dies bewusst so ausgestaltet hat, denn diese Degenkampf-Szene auf der grossen Haupttreppe im Geisterhaus ist eine deutliche Hommage an die Piraten-Degen- und Eroll Flynn-Filme. Ab dem Stück «The Lighthouse – Casper & Kat» beginnt Horner das «Lullaby» in die Komposition einzubinden (das Thema ist auf der CD zwar bereits im ersten Stück «No Sign of Ghosts» zu hören, doch hierbei handelt es sich nicht um ein eigentliches Stück aus dem Film, sondern um eine Art Suite mit den markantesten musikalischen Themen drin; eine gelungene Album-Eröffnung). Nach der Leuchtturm-Szene wird das «Lullaby» immer mal wieder angespielt, doch das vorgenannte Konzertarrangement «Casper’s Lullaby», das Stück «Fond Memories» und das finale, emotionale «One Last Wish» sind definitiv die Highlights – damals wie heute.

Den Songs «Remember Me This Way» und «Capser the Friendly Ghost» kann ich gegenwärtig nichts mehr abgewinnen. Auch den «Uncles Swing» würde ich inzwischen lieber wegprogrammieren, doch dieser ist mit den ansonsten stimmigen «End Credits» im abschliessenden Stück verbunden. Mein Enthusiasmus für das Musikschaffen von Komponist James Horner entbrannte erst nach CASPER. Doch «Casper’s Lullaby» wird zweifelsohne immer einen Platz in meinen – sehr langen – «Best of Horner»-Playlisten haben.

Mein erster Horner

von Andi Süess

Es gibt filmmusikalische Kinoerlebnisse, die vergisst man sein Leben lang nicht. In diese Kategorie gehören für mich etwa BEN-HUR und SUPERMAN THE MOVIE. Und definitiv auch STAR TREK II: THE WRATH OF KHAN. Ich weiss noch, als ob es gestern gewesen wäre, dass ich, als nach der vertrauten Fanfare von Alexander Courage das Hauptthema einsetzte, in riesige Begeisterung geriet, weil ich mir ungefähr genau ein solches Hauptthema bereits für die TV-Serie gewünscht hätte. Und dann erschien in den Credits beim Composer ein Name, der mir völlig unbekannt war, und mein erster Gedanke war: diese Waldhörner und Horner ‒ Nomen est omen. Die Musik fuhr mir während des gesamten Films derart ein, dass ich nach Verlassen des Kinos am liebsten ins nächste Schallplattengeschäft eingebrochen wäre, um den Score so schnell wie möglich mein Eigen zu nennen.

Dieses einschneidende Erlebnis wiederholte sich ein paar Monate später dann bei KRULL, wo – das nur nebenbei bemerkt – ein Freund, der ansonsten mit Filmmusik kaum etwas am Hut hatte, vom Score ebenfalls derart beeindruckt war, dass ich ihm zum Geburtstag die Soundtrack-LP schenkte. Ab da war es um mich geschehen, und ich kaufte alles von Horner, was ich in die Finger bekam, auch Sachen vor STAR TREK II: THE WRATH OF KHAN wie BATTLE BEYOND THE STARS und HUMANOIDS FROM THE DEEP, ja sogar Kurioses wie THE PURSUIT OF D.B. COOPER. Hierbei handelte es sich, wie auch zuweilen bei aktuellen Horners, um Blindkäufe, aber enttäuscht wurde ich eher selten, denn es war offenkundig, dass dieser junge Kerl mit einem Sinfonie-Orchester umzugehen wusste und um einprägsame Themen nie verlegen war.

Irgendwann im Laufe der Jahre flachte die Begeisterung dann etwas ab, teils wegen des Gewöhnungseffekts, teils weil man immer mehr gewahr wurde, wie unverfroren sich Horner bei anderen Komponisten und auch bei sich selbst bediente, wenn es um die Erschaffung neuer Scores ging. Aber am Status, der er sich bei mir erworben hatte, änderte das letzten Ende wenig. James Horner war einer der wenigen, wenn nicht gar der einzige Filmkomponist, dessen Karriere ich – zumindest ab seinem Durchbruch – von A bis Z hautnah mitverfolgt habe; alleine schon deswegen ist ihm ein besonderer Platz in meinem Herzen sicher. Was wir von ihm noch alles hätten erwarten dürfen, werden wir nie wissen, da seine Stimme leider viel zu früh verstummt ist.

Mein erster Horner

von Manfred Schreiber

JAMES HORNER – NOCH EIN KLANG

Natürlich, ALIENS (1986) waren aus dem Lautsprecher in Scharen hervor gesprungen. Und die Bettdecke wurde dadurch nicht sicherer. Doch es dauerte ein Weilchen, bis James-Horner-Scores im Archiv fröhlich benutzt wurden. Gefühlt zeitgleich, ca. 1988, prägten mich dann weitere Hornersche Hörerlebnisse:

1. Lucasfilm, Prophezeiung um Elora Danan, London Symphony Orchestra: Vorhang auf für WILLOW! 2. Sowjetunion, diese Sache mit den Tieren, klirrende Kälte: GORKY PARK. 3. Eichinger, Annaud, Connery, langsam, spannend, mittelalterlich-dreckig, Crossover-Ensemble besonderer Art im Fall: DER NAME DER ROSE (der wirklich erste Kino-„Tatort“). Drei Filme, drei Soundtracks, drei Reisen durch individuelle Klangwelten.

An Cue-Fragmenten aus DER NAME DER ROSE hatten sich wohl schon viele Nerds abgearbeitet, seinerzeit mittels Heimorgel. Das Bollern, Brummen und Scheppern – hinter dicken Abteimauern ging nichts Gutes vor sich. Der weise William von Baskerville (Connery) ermittelte stoisch, besonnen, mit Mutterwitz – Horner steigerte die Stille, die Spannung, die Geschichte. Immer ein gutes Zeichen, wenn man dran bleibt, beim Zappen – gerade in Zeiten, wo die mediale Pauke überall zuschlägt. Der Score zum Annaud-Film ist nun wahrlich ein Besonderer.

Als passionierter Pilot hob James Horner 2015 ab – die Nachricht vom tödlichen Crash, wie so oft, ersteinmal nicht zu glauben. Verlust für Menschen aus seinem direkten Umfeld. Und selbstverständlich ist auch die Filmmusikwelt um viele Farben ärmer geworden. Warum Horner nicht ab und an auch mal nach Horner klingen „durfte“ – mir blieb das immer ein Rätsel. Kreative, die sich im eigenen Fundus bedienen – wo ist das Problem? Zumal wohl kaum komplette Filme plötzlich einander glichen. Meistens passts doch, was Musikerherzen verschenken.

Kaum nur aus Spass an der Freude bringt mich Ralf Wengenmayrs WICKIE-Score hier besonders zum Schmunzeln: „Heimkehr nach Flake“, also, Nachhausekommen in Flakes sicheren Hafen. Männermusik. Das Wickie-Thema Karel Svobodas wird enorm abgefeiert, wunderbar performed vom Deutschen Filmorchester Babelsberg. Traditional-Feeling, breiter Sound, Wengenmayr liebt Bilder – es „fehlt“ ja nur noch die James-Horner-E-Gitarre aus dem PERFECT STORM-Opening…

15.6.2020

> Zu Teil 2: A Week with James Horner