Life

Daniél Espinosas LIFE aus dem Jahre 2017 hat seine Fans gefunden – zu Recht. Aber LIFE ist auch ein Film mit offensichtlichen Schwächen. Die erste halbe Stunde wird vergeudet mit Dialogen, die zu nichts führen. Das ist durch die tolle Bildsprache erst mal nicht weiter tragisch, verschwendet aber Potential. Denn später, wenn die außerirdische Lebensform unerwartet zum kleinen Monster mutiert, fehlt den Figuren Zeichnung. Ein permanentes Mitfiebern fällt einem als Zuschauer dadurch schwer.

Und so stellt sich die große Begeisterung erst gegen Ende ein, nachdem die Raumkapsel auf der Erde angekommen ist. Zusammen mit Ekstrands Musik gelingt es dem Film, dass man zufrieden aus dem Kino geht. Den musikalischen Showdown (letzter Track „A Long Way Back“) will man dann unbedingt am heimischen Audiogerät noch mal genießen.

Startet man hingegen mit dem ersten Track, weil man den Film womöglich nicht kennt, könnte man es bereuen. Denn in „Welcome to the ISS“ erzählt Schauspielerin Rebecca Ferguson von ihrer Zeit auf der ISS.  Damit liefe der frisch erworbene Score Gefahr, verschmäht zu werden. Spontan fällt mir kein einziges Album ein, welches mit Dialogen besser funktioniert als ohne. Liebe Produzenten, Dialoge auf einem Scorealbum sind Nonsens.

Davon abgesehen hat Ekstrand einen soliden Score abgeliefert dem zwar Narratives fehlt, dafür aber mit modernem Synthi-Futter ausstaffiert wurde. Permanente Ostinato-Strukturen sorgen für Tempo, fein ziselierte Klangtexturen lassen Gänsehaut aufkommen. Bei „I Thought They Came to Rescue Us“ hatte ich den Eindruck Tom Holkenborg erklärt auf seinem YouTube-Kanal das REV-9 Thema aus TERMINATOR-DARK FATE. Vermutlich nutzen beide Musiker ähnliche Samples.

Thematisch, wie in „Care to Dance“ oder „Godspeed, Doctor“, schwankt das Scoring zwischen heroisch und majestätisch. Das passt überhaupt nicht zur Handlung geschweige denn zu den adressierten Genres. Der Film möchte mehr sein als er ist; einfacher wäre besser gewesen. Vielleicht ist das die grundlegende Schwäche von LIFE.

Fazit: Dem Zuschauer fehlt die Identifikation mit den Figuren. Mit strafferer Dramaturgie und mehr Spiel mit Klischees wäre der Streifen ein richtiger Schocker geworden, der es problemlos mit seinen offensichtlichen Vorbildern hätte aufnehmen können. LIFE ist haarscharf an einem Hype vorbeigeschrammt. Die Bewertung der Musik ist mit viel Wohlwollen ein gerade noch „Gut“ – dank knuffiger Action-Cues.

Oliver 27.3.2020

LIFE

Jon Ekstrand

Milan Records

58:02 Min.
16 Tracks