Hunter Killer

Ein Blick ins Wikipedia klärt erst einmal die Bedeutung der Bezeichnung HUNTER KILLER. Es handelt sich um eine militärische Taktik, bei der Zielerfassung und Zielbekämpfung getrennt vonstatten gehen. Ganz praktisch gesprochen wird das Ziel von einem Soldaten erkannt und erfasst (Hunter), während ein weiterer Soldat beispielsweise eine Rakete abfeuert (Killer). Des Weiteren ist „Hunter Killer“ eine U – Boot Klasse der amerikanischen Navy – und damit sind wir bei der Filmhandlung angelangt:

Der russische Präsident Zakarin soll mit einem clever eingefädelten Putsch durch Verteidigungsminister Durov entmachtet werden. Durov versenkt ein russisches U-Boot, will dies den Amerikanern in die Schuhe schieben und lässt Präsident Zakarin in Haft nehmen.

Die Amerikaner bekommen Wind davon und schicken Kapitän Joe Glass mit seinem U-Boot vor Ort um nach dem Rechten zu schauen. Auch entscheiden sich die Amerikaner den russischen Präsidenten aus der russischen Gefangenschaft zu befreien, damit dieser wiederum Putschist Durov und sein Gefolge in den Griff kriegt.

Soweit die Kernhandlung in aller Kürze. Der Film ist gar nicht mal schlecht gemacht. Originelle Handlung, viele unvorhersehbare Wendungen, funktionierende Spannungsbögen und reichlich CGI. Letzteres läßt die Unterwasser-Torpedos praktisch ohne Widerstand durch die See flitzen wie auf einer Formel 1-Rennstrecke. Das ist kein Nachteil: Der Film legt ein konstantes Tempo vor und hat die Emotionen des Zuschauers stets im Blick. Ich finde, der Streifen ist etwas unterbewertet; was sich natürlich noch ändern kann.

Der sehr produktive aber nicht so bekannte Trevor Morris hat diesen Militaria-Schinken vertont. Es wird zwar in anderen Rezensionen gelegentlich davon gesprochen, dass Morris schon mit Hans Zimmer gearbeitet hat, und diese Vertonung einfach nur nach Zimmer klingt. Aber das ist zu kurz gesprungen. Tatsächlich klingen die kurzen heroischen Passagen etwas nach Jablonsky oder Zimmer, aber wenn man sich des Scores annimmt (spricht: Auch wirklich mal anhört, gerne auch öfter), dann entdeckt man manche Überraschung. Dank Morris´ Erfahrenheit werden nicht nur Synthesizer-Spuren runtergenudelt; ihm gelingt es mit Einfallsreichtum die Musik plastisch auszustaffieren. Eine Fülle von Geräuschen, Samples, minimalistischen Motiven, die teilweise nur einmal aufblitzen, machen den Score zu einem interessanten Hörvergnügen.

So gefällt mir als Erstes das Sonar-Geräusch im Score Auftakt „Under the Ice“ – (erstmals bei 0:09). Dieses Geräusch ist kein langweiliges Piepen; Ich würde es als diabolisches kurzes Quitschen bezeichnen; vielleicht eine   Stimme die etwas sagt! Variiert wird dieses Geräusch – nennen wir es ruhig das „Hunter Motiv“ – nur in der Lautstärke. Je lauter, umso näher ist der Feind? Das aufregendste Sonar Geräusch das ich kenne!  Ein solcher Auftakt lässt zumindest mich die Ohren spitzen. Und so staunt man nicht schlecht, wenn man im Score Verlauf Michael Kamens EVENT HORIZON entdeckt. Köstlich!

Wer seltsame Klänge, verfremdete Unterwasser-Sounds und Anleihen aus diversen Science Fiction Filmen mag, liegt hier ganz richtig. In „Ice Break“ (0:15) wird das Abtauchen eines U-Bootes mit einem Motiv untermalt, welches man aus den Terminator-Fortsetzungen kennt. Der Komponist hat es so modifiziert, dass es perfekt zu einem U-Boot in Notlage passt.

Im Übrigen – und genau da wollte ich hin – klingt die Komposition in weiten Teilen eher wie TRON: LEGACY. Schlagwerk im typischen Daft Punk Rhytmus, sphärische Synthi-Streicherläufe mit Blech garniert, darüber ein Klangcollagen-Teppich von Morris, und schon sieht man über die kleinen Anleihen hinweg. Letztlich hören wir einen stylischen Unterwasser-Score mit Personalstil der geschickt im Science Fiction Genre wildert. Je öfter man den Soundtrack hört, umso mehr rückt man davon ab, Hans Zimmer habe etwas damit zu tun! Übrigens: Wer Jablonskys DEEPWATER HORIZON mochte, der findet mit Morris´ Musik zu „Hunter Killer“ eine tolle Steigerung.

Was sind nun die Schwächen des Scores aus der Sicht eines Filmmusik-Liebhabers? Themen habe ich keine entdeckt, zumindest nicht bei den ersten Durchläufen. Erst als ich das Tracklisting durchsehe, weißt mich Morris darauf hin, dass die Tracks sieben und acht sowas wie Themen beinhalten. Ich finde beide kaum eingängig; wobei „Submerge the Ship (USS Arkansas Theme)“ ein kleines Beispiel für die vorhin beschriebenen Daft Punk – Schlenker abgibt.

Wirklich melodisch geht es nicht zu – eher genau das Gegenteil. Morris liefert einen nervösen und bisweilen resoluten Suspense-Score ab, um dem Film Tempo und Stimmung zu verleihen. Wer auf narratives Orchesterscoring steht, der dürfte schwerlich Zugang finden. Tatsächlich sollte man der Musik Zeit lassen bis sie ihre Stärken ausspielen kann. Je mehr man sich mit Musik und Filmerei auskennt, umso eher macht einem diese Arbeit Spaß. Als reines Höralbum daher nur bedingt zu empfehlen.

Zwei Tipps für alle Neugierigen: Zuerst den Film anschauen und dann gegebenenfalls den Score mit dem analytischen Kopfhörer durchhören. Wenn‘s funkt: viel Spaß damit!

Oliver, 10.6.2019

HUNTER KILLER

Trevor Morris

Lakeshore Records

95 Min.
17 Tracks