Bill & Ted Face the Music

Nachdem die Pläne um einen weiteren Bill & Ted – Film konkret wurden, waren meine Erwartungen nicht besonders hoch. Als Regisseur wurde zwar Dean Parisot (GALAXY QUEST, 1999) eingekauft, aber trotzdem war es für mich unvorstellbar, dass ein Sequel an den kultigen ersten Teil heranreicht. Und so war ich auch nicht enttäuscht, als ich mich durch die ersten dreißig Minuten durchkämpfen musste, um im weiteren Verlauf einigermaßen unterhalten zu werden. Gegen Ende wartet noch ein schönes Finale auf den Zuschauer, was für den zähen Anfang etwas entschädigt. Soweit in aller Kürze zum Film – der – wie erwartet, natürlich nicht an den ersten Teil herankommt.

Wie nun ist Mark Ishams Komposition ausgefallen? Der Auftakt „Welcome to the Future“ zeigt, wohin die Reise geht. Klimpermotivik die an eine Harfe erinnern soll, viel Hall und vokales Stimmengemurmel aus dem Synthi. Zusammen klingt das – jawohl – nach Kitsch. Und dies zieht sich wie ein klebriger Faden durch den gesamten Score. Hin und wieder erwacht die Musik, wie gegen Ende von „Taking it Ourselves“, um dann wieder einzuschlummern.

Actionlastig zeigt sich „Freeze! Preston-Logan“. Neunziger Jahre Staccato-Gestus, der unglaublich nichtssagend seinem schnellen Ende entgegen schrammelt. Ähnlich fällt auch „Dennis Caleb McCoy“ aus, weiß aber dank moderner Samples in einigen Momenten zu gefallen. „Put It All Together“ und „You Must Earn The Right To Rock“ sind fast identisch – zumindest was den Grad an Einfallslosigkeit angeht.

Was fehlt, ist Kohärenz und eine tragende schöne Melodie. Solches hat im Score zum ersten Teil ebenfalls gefehlt. Für Stimmung und Identifikation waren dort allerdings ein Dutzend Metal- und Rocksongs zuständig. Diese hatten echte Ohrwurm-Qualität, wobei jeder Song ein szenischer Anker war. Nur blöde: Das Songalbum zu FACE THE MUSIC ist ebenfalls ein Reinfall. Unpassende Songs, kaum Ohrwürmer und oft nervig (wie zum Beispiel „Rufus Lives“), oder zu poppig („Big Red Baloon“). Somit ist die musikalische Ausstattung zu BILL & TED FACE THE MUSIC insgesamt gescheitert. Tia, und so sind wir schon am Ende der Besprechung angelangt. Fünfzig Sekunden Gitarren-Geschnetzeltes von Leroy Miller runden das Album nach unten ab („One Last Shred“), und dienen als Füllstoff.

Fazit: Isham hätte noch etliche Schippen drauflegen müssen. Weniger auf- und abschwellende  Vokalisen, dafür mehr emotionale Klarheit. Mit soliden Songs und besserem Scoring wäre der Film erfolgreicher geworden. Ishams 2020er BILL & TED FACE THE MUSIC gehört zu den  blasseren Scores des Musikers. Tipp: Einfach wieder das Songalbum des ersten Teils rauskramen und abfeiern. Mahlzeit!

Oliver, 3.2.21

 

BILL & TED FACE THE MUSIC

Mark Isham

Label: Lakeshore

34:04 Min.
17 Tracks