Yellowbeard

1983 kam es mit Yellowbeard zum grossen transatlantischen Comedy-Joint-Venture zwischen Schauspielern aus Mel Brooks‘ Stammensemble (u. a. der unvergleichliche, während der Dreharbeiten verstorbene Marty Feldman), Cheech & Chong und der halben Monty-Python-Truppe. Ein Traumcast also, und zusammen mit dem von Graham Chapman mitgeschriebenen Drehbuch ein sicherer Wert, zumindest auf dem Papier. Leider ging dem ziemlich rustikalen Humor jedoch praktisch jegliche Python-Genialität ab, und die Resonanz auf den Film fiel ‒ höflich ausgedrückt ‒ entsprechend verhalten aus.

Glücklicher zog sich da Brooks‘ Kapellmeister John Morris aus der Affäre, der mit seiner Musik vornehmlich auf bewährte Tradition setzt, wie man unschwer an der mitreissenden Overture erkennt. Mit Blechfanfaren bewaffnet und einerseits Korngold zur Ehre gereichend, anderseits ein wenig der englischen Blasmusikkultur verpflichtet, erklingt herzhaft das Yellowbeard-Thema sowie ‒ vertrauten Segelschiff-Klangmustern folgend ‒ das Thema für die «Lady Edith».

Zu diesen beiden, den verschiedensten Stimmungen angepassten Hauptthemen gesellen sich zeitgenössischere, teils sehr passable, teils etwas formelhafte Actionpiecen und Dramatik. Für ein wenig Periodenfeeling dank Cembalo sind Tracks wie Court of Queen Anne, Captain Dan sowie das menuettartige Portsmouth besorgt. Love and Torture bringt mit schmachtender Solovioline eine Prise Romantik ins Spiel, in The Island herrschen heitere, in The Jungle/The Ambushdüstere Tropenklänge.

Dieser Score ist ein gutes Beispiel für den wirkungsvollen Einsatz ernsthafter Musik in Komödien, wenngleich er nicht ganz gefeit ist vor mickey mousing oder Klamauk, wie im Fall von Blind Pew mit schelmischem Fagott und einer Trompete, die kakofonisch Chopins Trauermarsch rezitiert. Da Solches aber sehr dosiert zum Einsatz kommt, dürften auch Hörer, die Comedymusik ansonsten meiden wie der Teufel das Weihwasser, diesem sympathischen und kompetent gemachten Werk wohlgesonnen sein.

Laut Produzent hält sich das Interesse an dieser CD in Grenzen, obwohl eigentlich durchaus Positives zu vermelden ist: einerseits bietet Yellowbeard die gute Gelegenheit, einen interessanten Komponisten, der bezüglich Tonträger bislang ein Schattendasein fristete, etwas besser kennen zu lernen, anderseits wird das Produkt vom rührigen spanischen Label «Quartet Records» hübsch präsentiert. Als kleiner Kritikpunkt ist zu vermerken, dass die gedruckten Trackzeiten nicht immer ganz präzise sind, The Island gar als fast doppelt so lang angegeben wird, als er effektiv läuft.

Andi, 5.12.2010

 

YELLOWBEARD

John Morris

Quartet Records

52:14 Min. / 31 Tracks

Limitiert auf 1000 Stk.

 

 

 

 

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