X-Men: Apocalypse

Und wieder müssen die X-Men-Mutanten die Welt retten. Mit X-Men: Apocalypse (2016) kommt bereits der neunte Film mit den Mutanten im Fokus ins Kino. Dieses Mal kriegen es Dr. X und Co. mit Bösewicht Apocalypse zu tun. Und bereits zum dritten Mal steuert Komponist John Ottman eine Filmmusik bei. Während seine Arbeiten zu X2 (2003) und X-Men: Days of Future Past (2014) bemühende, anonyme Actionvehikel waren, liefert er mit X-Men: Apocalypsenicht nur seine (bis dato) beste X-Men-Musik ab, sondern auch die kurzweiligste Musik dieser Franchise seit John Powells X-Men: The Last Stand (2006). Dies gelingt ihm mit dem stimmigen Einsatz markanter Themen, tollen Chor- und Orgel-Momenten, einer guten Balance zwischen epischer Action und ruhigerer, dunkler Dramatik und gut eingearbeitetem Heroismus mit ausgereifter Orchestrierung seines X-Men-Themas.

Die wichtigste Neuerung liefert das jüngste X-Men-Abenteuer mit dem Bösewicht Apocalypse. Entsprechend macht es Sinn, dass dieser Figur auch in Sachen Filmmusik grosse Aufmerksamkeit zukommt. Das Album eröffnet denn auch mit der Präsentation seines Themas und der bombastischen Erzählung seiner Vorgeschichte, bevor im dritten Stück, während der Titelsequenz, John Ottmans X-Men-Hauptthema erklingt. Weil Ottman während den ersten drei Stücken auf das neue Apocalypse-Thema fokussiert, wird dem Hörer ermöglicht, dass er sich mit diesem neuen Thema gut vertraut machen kann, womit die musikalische Orientierung während den folgenden Hörminuten erleichtert wird. Das Thema von Apocalypse kommt passend (ja fast gezwungener Massen) überwiegend wuchtig daher, mit viel Blech, harter Perkussion und tollen Choreinsätzen (besonders The Transference sticht mit rhythmischem, lateinischem Chorgesang heraus, der mehr bietet als das etwas abgegriffene, wortlose Ohh- und Ahh-Standard-Repertoire; die Akzente und die Rhythmik sorgen für erfrischenden Wind). Zu diesem neuen Bösewicht-Thema gesellt sich das Thema für Jean Grey (zum ersten Mal in Just A Dream zu hören), welches jedoch zurückhaltend und neben all dem Bombast eher unscheinbar ist, bis es im Rahmen des hervorragenden Finales mit den fünf letzten Stücken (zusammen rund 16 Minuten) ebenfalls einige vollorchestrale, wuchtige Statements und damit mehr Eingängigkeit erhält. Mit diesen drei Themen webt John Ottman ein stimmiges, kurzweiliges Gesamtbild. Wäre zu diesen tragenden Melodien noch eine stärkere Präsenz des sehr schönen Wiegenlieds, Rest Young Child, dazugekommen, hätte das Ergebnis noch eindrücklicher ausfallen können.

Fazit: John Ottman gelang mit X-Men: Apocalyps eine wuchtige, atmosphärische Filmmusik, welche besonders während des Finales mit einer topp balancierten Mischung aus Dramatik, Melancholie, Mysterium und Heroik besticht. Toll.

Basil, 16.6.2016

 

X-MEN: APOCALYPSE

John Ottman

Sony Music

76:09 Min. / 25 Tracks

 

 

 

 

 

Kommentar hinterlassen

Schreib einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*