Wyatt Earp (La-La Land)

Jeder Musiker, jede Band, jeder Komponist, hat sein magnum opus, den Hit, das grosse Werk – das „Nonplusultra“. Bei James Newton Howard ist das, so wage ich zu behaupten, Wyatt Earp. Wie der Komponist selber im Booklet zu lesen gibt, war es eine Gelegenheit, die er nicht hat sausen lassen können – und damit seine Freundschaft mit Joel Schumacher aus Spiel gesetzt, für den er damals hätte The Client (den schliesslich Howard Shore musikalisch unterlegt hat) vertonen sollen und eigentlich bereits fest engagiert war. Doch Wyatt Earp erschien Howard als musikalisches und filmisches, einmaliges Ereignis, bei dem er einfach dabei sein musste. Nur gut, dass Howard mit Kasdan zuvor bei Grand Canyon zusammen gearbeitet hat. Wer weiss ob er ohne diesen auch zum Handkuss gekommen wäre – erinnern wir uns an Kasdans ersten Western, Silverado mit Bruce Broughton am Dirigentenpult, der schliesslich den 6 Monate vor Wyatt Earp startenden Tombstone vertonte?

Wyatt Earp ist die „Erwachsenenversion“ der Earp Geschichte während Tombstone die Haudrauf O.K. Corral Variante darstellt – die aber durchaus auch Spass macht, eben nicht zu letzt auch des famosen Bruce Broughton Scores wegen. Doch Kasdans Story, die ihm von Kevin Costner zugetragen wurde (der nebst Hauptdarsteller auch als Produzent amtete), erzählt Earps Geschichte von Jugendbeinen an. Der Film ist biografischer, hat mehr Raum und Platz, ist dank Owen Roizmans Kamerarbeit (The Exorcist, Tootsie) wundervoll in Szene gesetzt und legt viel Energie in die Familienbande der Earps.

James Newton Howard bedient uns mit einer Vielzahl an Themen und Motiven. Da ist das wundervolle Hauptthema (das laut Booklet zunächst gar nicht also solches geplant war), von Howard in vielen diversen Schattierungen verwendet. Dann ein herrliches Liebesthema (vielleicht das schönste, das Howard je schrieb?). Das Americana seines Dodge City Themas. Ein weiteres, wichtiges Thema ist in „Nicholas Springs Wyatt“ zu hören oder in einer spannenden Version in „The Shootout“. Ein kleineres Motiv deckt die Beziehung Earps zu seiner zweiten Frau Mattie ab, eine Beziehung, der er nie die Hingabe geben konnte oder wollte, anders als zu seiner ersten Frau Urilla, die an Typhus starb („The Wedding“) oder seiner offensichtlichen Liebe zur Schauspielerin Josie („Wyatt meets Josie“), in deren Sequenzen Howard das oben angesprochene Liebesthema verwendet.

Für noch mehr Abwechslung des von einem massiven Orchesters (über 100 Frau und Mann) gespielten und auch sonst nicht langfädigen Scores, sorgen zusätzlich die Folk-Stücke, geschrieben für Gitarre, Klavier, Akkordeon und andere „folksige“ Instrumente und in „The Railroad“, „Skinning Buffalos“ oder „Boys Go to Town“ zu vernehmen.

Wyatt Earp ist eine wundervolle, durchaus romantisierende Wild West Musik, geprägt von Howards damals bevorzugtem melodischen Stil und hier als Triple-CD auf jeden Fall, ohne Umschweife, ganz sicher und oberüberdefinitiv für den JNH Fan der damaligen Phase, für Fans des wundervollen Films und für Liebhaber thematischer Filmmusiken wie ein Geschenk des Himmels. Sicher wird es auch hier wieder den ein oder anderen Sammler geben, dem 125 Minuten wunderbarste Filmmusik zu viel sind (was ich im Falle Wyatt Earp nicht nachvollziehen kann) und die mit dem alten Album bestens zurecht kommen (so insgeheim täte mich bei den sounddesign Fans von Batman Begins & Co. schon der Hafer stechen, wie sie auf Wyatt Earp reagieren) – im Falle der Musik dieses Kalibers darf man aber sicherlich eine absolute Kaufempfehlung für dieses wunderbar gestaltete Album aussprechen! Etwas fragend stehe ich vor den mit § ausgestatteten Stücken. § bedeutet nach Legende „heard in the Expanded Edition“. Bloss, welche Expanded Edition? Die Laserdisc oder wie?
Ein Dank für die wundervolle Präsentation gilt freilich dem La-La Land Team. Da hat sich das Warten in der Tat gelohnt, dass laut La-la hinzog, weil Mr. Costner noch sein „Go“ zum Artwork abgeben musste.

Phil, 20.9.2013

 

WYATT EARP

James Newton Howard

La-La Land Records 1250

CD 1: 54:21/21 Tracks
CD 2: 71:33/22 Tracks
CD 3: 36:46/21 Tracks

Limitiert auf 3000 Stück

 

 

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