Wolfen (unused/Safan)

Als Craig Safan Wolfen 1981 vertonte, stand er, 33 jährig, am Anfang seiner Karriere. Und er versprach sich von diesem Projekt nicht nur musikalisch so einiges. Leider kam es wieder einmal anders. Der Film machte gegen Ende der Produktion eine wahre Achterbahnfahrt durch, Regisseur Michael Wadleigh wurde aus dem Schneideraum befördert, der Film gekürzt und es gab Nachdrehs. In diesem Tumult an typisch amerikanischer Unsicherheit wurde wie so oft auch die Musik zum Opfer. James Horner, selber gerade vor dem grossen Aufstieg, wurde engagiert (hier die Rezension). Safan also musste noch weitere Jahre warten, ehe er den Sprung zu den Filmen grosser Studios schaffte: The Last Starfighter (1984), Remo Williams (1985).

Jahre zuvor als gar nicht mal schlechtes Bootleg zu bekommen, ist es Intrada zu verdanken, dass Safans tolle Musik endlich offiziell zu hören ist. Sein Wolfen ist ein Erlebnis an Atonalität, 12-Ton Musik und packender Stimmung. Als minimalistischer Hauptanker gilt ein Dreitonmotiv, das Safan sehr oft einsetzt und welches selbst in den vielen Klangcollagen zu erkennen ist. Mit einem 100 Mann Orchester schafft Craig Safan eine unheimlich(e) faszinierende Welt an Klängen und Eindrücken ohne aber je die in ihrer eigenen Art zu verstehende Musikalität zu verlassen. Stimmungsvoll in „The Body“, actiongeladen in „Run to Church“, noch experimenteller in „The Morgue“ und spannend dramatisch in „Thinking of the Kill“. In „Wilson and Pearl“ ist das Dreinotenmotiv wiederholt zu hören, eingebettet in wuchtige perkussive Schläge.

Einer der Höhepunkt des Scores ist „Run from Church“, in dem Safan in fünfeinhalb Minuten eine wahrlich vereinehmende Stimmung produziert. Der Unterschied zu Horners Werk besteht im allgemeinen darin, dass Safan klar den experimentelleren, aber immer in orchestralen Bahnen bleibenden, Weg beschreitet und dem indianischen Element deutlich weniger bzw. verteckter Tribut zollt. Ausserdem ist selbst in „The Dream and Love Scene“ wenig „Normalität“ zu hören, während James Horner in dieser Szene deutlich traditioneller blieb, wenn man das so vereinfacht ausdrücken kann.

In all seiner Atonalität und mit den Klangexperimenten im Orchester ist Safans Wolfen ein ungemein spannend anzuhörender, ereignis- und kraftvoller, wenn auch nicht für jedermann geeigneter Score. Traditionalisten und Melodienanbeter sollten um die CD besser einen kleineren Bogen machen. Übrigens, was durchaus interessant ist, Safans Musik dauert 14 Minuten länger als diejenige von James Horner.

Das Booklet erzählt auf 16 Seiten vor allem die Produktionsgeschichte des Films. Fast vergessen geht dabei der Score, dem lediglich ein paar Sätze auf Seite 12 gegönnt werden. Top wäre sowieso gewesen, wenn Intrada ein bisschen zugewartet hätte die beiden Wolfen Musiken in einer Doppel-CD zusammengefasst hätte. Aber man kann nicht alles haben, sagt sich der längst ernüchterte Sammler.

Phil. 17.9.2012

 

WOLFEN (unused)

Craig Safan

Intrada Special Collection

60:42 Min. / 14 Tracks

 

 

 

 

 

 

 

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