War for the Planet of the Apes

Michael Giacchino hat mächtig zu tun. Nicht nur ist er derzeit im Marveluniversum so gut wie ein fester Bestandteil, sein zweiter Score für die Comicsreihe, SPIDER-MAN: HOMECOMING, erschien fast zeitgleich mit WAR FOR THE PLANET OF THE APES, er betätigt sich auch weiterhin im Blockbusterfeld. Bei all den Ansprüchen, die Giacchino selber an sich und seine Fangemeinde an den Komponisten haben, bleibt zu hoffen, dass er sein Pulver nicht allzu schnell verschiesst, so wie es manchem vor ihm geschehen ist.

Fast hätte er das nämlich mit dem erstaunlich schwachen, uninspirierten SPIDER-MAN Reboot (schon wieder eines? Ja, schon wieder…) getan. Zum Glück aber zeigt Giacchino mit WAR FOR THE PLANET OF THE APES, dass er in der Drucksituation im Gefilde von schweineteuren Filmen weiter bestehen kann. Was der Komponist hier liefert, ist eine verdammt gute Filmmusik. Schon mit DAWN OF THE PLANET OF THE APES wusste er seinen Vorgänger, Patrick Doyle, der den ersten Film der neuen Reihe betreute, locker zu übertrumpfen. Nun macht er selbiges gleich mit sich selber.

WAR ist eine manchmal erstaunlich ruhige Musik, die mit kleinen Ideen in bestimmten Instrumentengruppen auskommt (besonders faszinierend sind die perkussiven Teile – Track 1 oder „A Tide in the Affairs of Apes“ zB.) und in der Giacchino einzelne Fixpunkte setzt, um diese herum die wuchtigeren Momente spinnt. Seinem Actionthema (beispielsweise von den Posaunen und Hörnern in „The Bad Ape Bagatelle“ gespielt) stellt er ein ruhiges, nachdenklich stimmendes Klaviermotiv gegenüber („Don’t Luca Now“). Doch wie spannend gestaltet er die vielen Suspensemomente des Films, faszinierend intrumentiert, oft zurückhaltender als man erwartet hätte, nur um dann ein heroisches Moment oder ein pfeffriges fortissimo einfliessen zu lassen: „The Ecstasy of the Bold“. Aber gehen wir ganz kurz zurück zum Beginn des Scores, dem 10 minütigen „Apes‘ Past is Prologue“, mit dem Giacchino den Standard der nachfolgenden Minuten setzt. Bedrückend, düster, aussergewöhnlich still, ohne ständig zu Klotzen, stellt Giacchino hier seine später ausführlicher präsentierten Ideen vor, alles sich irgendwie um Caesar drehend. Um einen weiteren Einblick in Giacchinos Ideenreichtum zu erhalten, höre man sich auch das sieben minütige „Apes Strong Together“ an.

Mit Matt Reeves arbeitet Giacchino hier bereits zum vierten Mal zusammen. Alles begann mit CLOVERFIELD und der fantastischen Idee, den Film komplett ohne Musik zu belassen und erst mit dem Schlusstitel, dafür dann so richtig, durchzustarten. Danach folgten LET ME IN und der affige Vorgänger.

Kurz und bündig: Wenn Giacchino für jeden SPIDER-MAN einen WAR OF THE PLANET OF THE APES hinlegt, sind ich und sicher auch seine Hörerschaft vollauf zufrieden.

Phil, 28.8.2017

 

WAR FOR THE PLANET OF THE APES

Michael Giacchino

Sony Classical

74:55 Min. / 17 Tracks

 

 

 

 

 

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