The True Story of Jesse James / The Last Wagon

Zwei Westernscores der Ende 50er auf einer CD präsentiert uns Intrada hier in einer weiteren Auflage ihrer Special Collection Serie.

Die CD teilen sich Leigh Harline und Lionel Newman. Der erste Score ist Harlines The True Story of Jesse James (28:23 Min.) aus dem Jahr 1957. The Last Wagon (33:10 Min.) von 1956 wird wie der Harline ebenfalls aufgeteilt in vier längeren Stücken präsentiert. Man darf zweifellos behaupten, dass diese Art der Präsentation hier wirklich gelungen ist.

Der Beginn des Scores von The True Story of Jesse James von Nicholas Ray (Rebel without a Cause, Johnny Guitar) ist furios. Zuerst das majestätische Titelthema, für das Harline den populären Song „The Ballad of Jesse James“ verwendet. Dieses Thema führt in ein deftiges Actionstück in dem der Komponist das Balladen-Thema erneut gebraucht, gefolgt von einem kurzen Innehalten ehe Harline mit dem knackigen Spannungsmotiv (unterstützt von donnernder Perkussion) Prologue and Main Title beschliesst. Toll. Jesse ist ein in seinen fast 10 Minuten sehr gefühlvolles, melodisch fein geführtes Stück, in dem Harline den Streichern und Holzbläsern den Vortritt lässt und das traditionelle „Shall We Gather at the River“ weiterverwendet. Gegen Ende des Tracks sind kurze Eindrücke des Titelthemas (u.a. von den Hörnern intoniert) zu vernehmen. Doubts gibt danach einen zwielichtigeren Eindruck mit leise aufkommender Spannung und der aus Jesse kennengelernten feinfühligeren Seite. Headline: News and Finale beschliesst Harlines Score. Zuerst wird das Jesse-Thema vom Orchester angespielt ehe der Track mit der gesungenen Variante des Folksongs „The Ballad of Jesse James“ endet. Dirigiert wurde The True Story of Jesse James übrigens von Lionel Newman, der hier ein mittleres Ensemble von 50 Mann geleitet hat.

Wohl bekannter als The True Story of Jesse James dürfte der in unseren Breitengraden häufiger zu sehende The Last Wagon mit Richard Widmark in der Hauptrolle sein. Delmer Daves Film ist eine Art Antirassismus-Western in dem der Protagonist, ein von Komantschen aufgezogener Trapper, blutige Rache an den Mördern seiner Familie nimmt. Er wird daraufhin festgenommen und zu seiner Verhandlung transportiert. Doch der Trek wird von Apachen überfallen. Nur Widmark und eine Handvoll Siedler überleben, die er nun aus ihrer misslichen Lage führen soll.

Schon in den ersten Takten stellt Lionel Newman unmissverständlich die Natur des Filmes klar: Spannung, Kaltblütigkeit, Bedrohlichkeit. Selbst unter dem ausgedehnten, herrlichen Titelthema ist der knisternde Suspense deutlich zu vernehmen. Die stoisch betonten Rhythmen lassen das indianische Idiom stets präsent sein, sie schweben fast ohne Ausnahme immer unter den Themen. Selbst in einer stillen Akkordeon-Version des Hauptthemas in Canyon of Deathlässt Newman diese Verbindung nicht aus. Im Verlaufe der kurzen 33 Minuten nimmt dies vielleicht etwas viel Platz ein, trotzdem ist The Last Wagon ein toll gemachter Westernscore, direkter und härter als Harlines Jesse James, aber auch von eher traditionellerer Hollywood-Western Natur. Eine meiner Lieblingsstellen ist das bei ca. 8 Minuten in Track 5 beginnende Trompetensolo, das die dramaturgische Spannung von Red Rock Crossing in einer packenden Art und Weise zusätzlich steigert.

Schliesslich ist es aber Leigh Harlines Musik, die mit ihrer Mischung aus schönem Themenmaterial, dem Hin- und Hergerissen sein der Titelfigur, das Harline musikalisch gelungen anpackt und die deftigen Actionstücke, bei mir mehr Gefallen findet.

Leider bietet Intrada nur gerade 4 Seiten im Booklet um auf die beiden Filme, Beteiligte und die Scores einzugehen. Das ist einfach zu wenig und trübt die wirklich tolle Veröffentlichung. Die CD, auf 1200 Stk. limitiert, war leder im Nu ausverkauft. Glücklich kann sich schätzen wer ein Exemplar ergattern konnte, die Musik war die Mühe am Ball zu bleiben sicherlich wert. Dank an Andi Süess, der für mich die Bestellung tätigte während ich in den Ferien weilte. In diesen Zeiten braucht man Handy und SMS wirklich…!

Phil, 5.6.2009

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

THE TRUE STORY OF JESSE JAMES / THE LAST WAGON

Leigh Harline, Lionel Newman

Intrada Special Collection Volume 101

61:39 Min. / 8 Tracks

Limitiert auf 1200 Stk.

 

Kommentar hinterlassen

Schreib einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*