Triangle

Wirft man einen Blick auf das Cover, dürfte man bereits wissen oder zumindest erahnen, welche Art von Musik einen erwartet – doch ich möchte nicht vorgreifen. Alles der Reihe nach:
Der Film Triangle von Christopher Smith handelt von einer Gruppe, die einen Yachtausflug macht. Sie geraten in einen heftigen Sturm, kentern, können sich aber rechtzeitig auf ein altes Schiff retten. Dieses Schiff scheint verlassen; davon geht die Gruppe jedenfalls aus – bis zum ersten Gemetzel.

Christian Henson, dessen Score zu The Secret of Moonacre bereits von MovieScore Media veröffentlicht wurde, plaudert im Begleittext ein bisschen über seine Zusammenarbeit mit dem Regisseur und auch über seine Musik, die, seiner Ansicht nach, deutliche Merkmale seiner Vorbilder und Einflüsse offenbaren soll: Lalo Schifrin (studierte musique-concréte, komponierte in den 70er Jahren auch Avantgarde-Musiken), Massive Attack, Jerry Goldsmith, Steve Reich, Death In Vegas, John Adams. Eine ziemlich reichhaltige Mischung. Kann so etwas einen guten, zusammenhängenden Score ergeben?

Ja. Kann, muss aber nicht. Vorher sei noch erwähnt, dass Henson in der Aufzählung seiner Einflüsse Javier Navarrete vergessen zu haben scheint, denn das erste Stück auf vorliegendem Album klingt wie ein Klon des Wiegenliedes für Stimme und Klavier aus Pan’s Labyrinth. Die Sängerin Dot Allison summt schüchtern ein unruhiges Lullaby, ehe Streicher hinzutreten und dem Hörer mehr als deutlich symbolisieren: Hier ist nichts, wie es scheint und nichts so ungefährlich, wie es klingt.

Ist das erste Stück noch leicht verdaulich, gestalten sich die restlichen 45 Minuten deutlich anstrengender. Henson experimentiert ein wenig mit Streichern, indem er das col legno, lange Crescendi und Tremoli einsetzt, mischt dies mit Elektronik in Form von Synthesizerflächen, die oft die Streicher und Bläser überdecken und Beats, die das Tempo steigern sollen. Durch Dissonanzen und sich oft ändernder Rhythmik sind auch Avantgarde–Einflüsse deutlich herauszuhören. Nun könnte man sagen, durch Vermischung diverser Stile hat Christian Henson ein mehr oder weniger anspruchsvolles, hörenswertes Filmmusikalbum geschaffen. Vieles ist aber zu plakativ und abgenutzt, um noch wirklich schockieren oder Interesse wecken zu können. Plötzlich laut ertönende, unheimliche, wummernde Elektronikklänge, Streicherglissandi wissen kaum noch zu begeistern; hinzu kommt, dass hier kein Gleichgewicht herrscht, denn der elektronische Anteil ist deutlicher und öfter zu hören als der orchestrale. Störend sind auch die sphärischen und konzeptionell eher uninteressanten Suspensepassagen, die auf CD wenig Sinn machen und eher langweilen, während der andere Teil des Albums wiederum aus viel zu lautem Horrorfilmgewummere besteht.

Unterm Strich ist die Musik einfach auch, trotz der Stilvermischungen, zu abwechslungsarm und auf Dauer ermüdend. Triangle ist zwar „anspruchsvoller“ und interessanter als Musiken eines Tyler Bates, aber man muss ja nicht am unteren Ende der Skala beginnen um Vergleiche zu ziehen. So kann ich hier, trotz einiger netter Einfälle und halbwegs interessanter Passagen, keine Empfehlung aussprechen.

Stephan, 9.12.2009

 

TRIANGLE

Christian Henson

Moviescore Media 09023

38 Min. / 21 Tracks

 

 

 

 

 

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