Tomorrowland

Nach The Incredibles (2004), Ratatouille (2007) und Mission: Impossible – Ghost Protocol (2011) spannen Regisseur Brad Bird und Komponist Michael Giacchino für Tomorrowland (2015) nun bereits zum vierten Mal zusammen. Und wenn man deren bisherigen gemeinsamen „Lauf“ betrachtet (inkl. der etwas mauen Ghost Protocol-„Verschnaufpause“), dann darf man an Tomorrowlanddurchaus hohe Erwartungen haben. Während der Film einiges an Kritik erhielt – zu brutal für die Kids, zu kindisch für die Erwachsenen – so darf man bezüglich der Musik voll des Lobes sein. Michael Giacchino stellt dem Film eine Musik für Orchester und Chor zur Seite, die das ganze Spektrum abdeckt – Energie, Enthusiasmus, Aufregung, Verspieltheit, Action, Melodrama und eine erträgliche Portion Mickeymousing. Hier treffen Wärme und kindliche Neugierde aus Super 8(2011) und schwirrender Entdeckerdrang aus Star Wars auf die ungebremste Energie von Reboot aus Speed Racer (2008).

Das Album eröffnet mit dem gerade mal 50-sekündigen Stück A Story About the Future. In diesen kurzen Auftakt packt Giacchino sogleich zwei Schlüsselelemente seiner folgenden Musik: ein melancholisches Thema, vorgetragen auf Klavier, das in der Folge zum Motiv für den desillusionierten Charakter George Clooneys ausgebaut wird, und das mitreissende, funkelnde Hauptthema für das sagenhafte „Tomorrowland“, dessen nobles Blech von schnellem Klavier-, Streicher- und Perkussionspiel in luftige, glasklare Höhen getragen wird. Das Hauptthema erhält im Laufe des Albums zahlreiche Darbietungen, wobei die rasanten, heroischen Versionen in den Stücken You’ve Piqued My Pin-trist, Pin-ultimate Experience und End Credits zu den Highlights gehören. Knackige Actionmusik findet man in Edge of Tomorrowland, All House Assault und The Battle of Bridgeway, wobei die Action hier weniger in Form von Volumen und Schwere daherkommt (à la Epik in Jupiter Ascending (2015)), sondern als unberechenbar springende, leichtfüssige Dissonanzen und Überraschungsmomente, womit ihr ein unangenehm nervöser Charakter innewohnt. Auch hier findet man die Giacchino-typischen Flöten, die wiederum an den Stil von John Williams erinnern. Keine leichte Kost, doch in dieser Menge genau richtig.

Die Musik an sich ist ein Gewinner, doch kann auch die Albumzusammenstellung gelobt werden. Bis auf die rund 7-minütige Sequenz World’s Worst Shop Keepers, Just Get in the Car, Texting While Driving und Frank Frank – hier fehlt irgendwie eine nachvollziehbare musikalische Intention – vermag das Album stets zu unterhalten und zu begeistern. Und mit den drei letzten Stücken Electric Dreams, Pins of a Feather und den End Credits erhält der Hörer eine 15-minütige, fantastische Zusammenfassung von Giacchinos Tomorrowland-Musikuniversum.

Fazit: Tomorrowland steht Jupiter Ascending punkto musikalischer Qualität in nichts nach, punktet jedoch mit einer knackigeren Albumpräsentation und ist dank rassigeren Tempi und luftigerem Flair weniger schwerfällig. Zudem will noch betont sein, dass Disney Records mit Tomorrowland seit langem wieder einmal ein reines Score-Album physisch veröffentlicht, ganz ohne eine solche mit Hannah Montana/Justin Bieber-Popsong zu rechtfertigen glauben müssen. Bravo!

Basil, 27.5.2015

 

TOMORROWLAND

Michael Giacchino

Walt Disney Records

73:24 / 24 Tracks

 

 

 

 

 

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