The Touch

Nach dem Erfolg mit Crouching Tiger, Hidden Dragon versuchte Michelle Yeoh mit einem weiteren, dieses Mal englischsprachigen Film, das Kinopublikum zu beeindrucken und so kam es 2002 zu The Touch, den sie in Taiwan, Japan, Hong Kong und China co-produzierte. Nebst der Besetzung, die zum Teil westlicher Statur war, auch um in den USA Publikumszuspruch zu generieren, wurden auch Teile der verantwortlichen Crew aus bestandenen Handwerkern aus Hollywood bestückt. Editor Marshall Harvey schliesslich war es, der Basil Poledouris als Komponist ins Gespräch brachte. Poledouris freute sich auf das Projekt und darauf viele ethnische Elemente einbinden zu können. In China wurde das Orchester aufgenommen, was sich als nicht ganz einfach erwies. Da das Studio zu klein war, mussten die Sektionen separat aufgenommen werden. Nicht aber so wie Toningenieur Tim Boyle und Poledouris es planten, sondern so wie es die Chinesen wollten. Auch ein kurzes Stück bei den Celli, wie im Booklet beschrieben, das Poledouris als „improvisieren“ notierte, konnte erst aufgenommen werden, nachdem Poledouris den Musikern die Noten aufs Blatt schrieb 2002 war China eben noch ein etwas anderes China und so war es zweifellos ein kleineres Abenteuer für Basil Poledouris und sein Team.

The Touch ist durch und durch Poledouris mit tollen, einfachen Melodien, pfundiger Actionmusik, Rhythmen und Synthesizern, wie es Fans des Komponisten heute noch mögen. Der chinesische „Touch“, erschlossen mit asiatisch anmutenden Melodien und Klängen, einerseits „echt“ (Erhu, chinesische Laute etc.), andererseits durch Elektronik erreicht, passt wundervoll zu Poledouris‘ Stil, das zeigen schon die ersten Sekunden von Track 1 „Legend of the Touch“, der bald schon eine Wind-ähnliche Passage in Erinnerung ruft. Der Grossteil der verwendeten Perkussion ist elektronischer Natur. Sie dominiert in Tracks wie „The Monkey King Enthralls“ und actionorientierten Stücken wie „Trouble Under the Blue Skies“ (unverkennbar für Poledouris die ostinati der Blechbläser). Verspielte Passagen sind in „In the Heart of the Night“ zu hören, während Poledouris in „Glimpses Down the Path“ gänzlich auf elektronische Beigaben setzt (auch die Streicher), im Gegensatz dazu das dramatisch packende „A Light Dimmed“, das ohne jegliche Elektronika auskommt.

Das Hauptthema wiederum ist in „Memories of the Days Gone“ mit asiatischen Instrumenten prominent in Szene gesetzt. Auch im schönen, fast fünf minütigen „I’ll Never Leave You“ erhalten die Themen eine kraftvolle, emotionale Wiederbelebung. Gefühlvoll und leiser wird es mit einem der Nebenmotive in „Healing Hearts“, geschrieben für Solo-Piano und Streicher.

Gegen Ende des Scores steigert der Komponist die Intensität und Dramatik, die schliess in das magnum opus der CD, „Destiny Awaits“, mündend, das mit 12:49 Min. ein richtiger Brocken ist. Toll gemacht und scheinbar, wie im Booklet zu lesen war, eine richtige Knacknuss für Poledouris!

Abgeschlossen wird die CD mit einem von Kelly Chen, die insbesondere in Hongkong Berühmtheit erlangt hat, gesungenen Lied, „The Touch“, basierend auf einer traditionellen Melodie.

Dank Poledouris‘ epischem Stil ist The Touch auch ausserhalb der Poledouris Fangemeinde ein gesuchter Score geworden. Nun erschliesst diese CD endlich auch den amerikanischen Markt und offeriert gegenüber der damals nicht einfach zu bekommenden Go East Records Scheibe lediglich knappe zweieinhalb Minuten mehr Musik. Wer also im Besitz der in Hongkong produzierten Scheibe ist, braucht die neue CD nicht wirklich.

The Touch, eine der letzten Arbeiten von Basil Poledouris, der 2006 einem Krebsleiden erlag, ist gleichzeitig ein Höhepunkt im späten Schaffen des Komponisten. Nach diesem Score zeichnete er nur noch für die leider völlig misslungene TV-Version The Legend of Butch & Sundance verantwortlich, 2004 erschienen, nicht wie fälschlicherweise auf imdb.com beschrieben, 2006.

Phil, 27.3.2013

 

THE TOUCH

Basil Poledouris

BSX Records 8922

60:07 Min. / 20 Tracks

Limitiert auf 2000 Stück

 

 

 

 

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