The Sun also Rises

1957 kommt mit THE SUN ALSO RISES die Verfilmung des ersten bedeutenden Romans von Ernest Hemingway in die Kinos. In diesem Werk über die «verlorene Generation» verarbeitet er eigene Erlebnisse in Paris und Pamplona während der 1920er-Jahre. Produziert von 20th Century Fox, mit Henry King auf dem Regiestuhl und mit den in die Jahre gekommenen Haudegen Tyrone Power und Errol Flynn sowie Mel Ferrer, Eddie Albert und ‒ als weiblicher Anziehungspunkt ‒ Ava Gardner über ein beachtliches Ensemble verfügend, fällt der Film bei Hemingway trotzdem in Ungnade, weil oberflächliche Schauwerte überwiegen und die Pamplona-Szenen teilweise in Mexiko gedreht werden. Einzig für Errol Flynn findet er gute Worte.

Was der Autor von der Musik hielt, ist nicht überliefert und wäre für den potenziellen Käufer dieser CD auch nicht von Bedeutung. Vielmehr muss der wissen, dass sich Hugo Friedhofer den Platz mit viel Source-Musik teilt und der Underscore zu einem nicht zu knappen Teil aus der Adaption eines Cole-Porter-Songs besteht. Aber immerhin darf konstantiert werden, dass das eine wie das andere hervorragend gemacht ist und im Zusammenhang mit dem Film durchaus seine Berechtigung hat.

Im «Main Title» gelingt Friedhofer mit der Beschreibung eines Sonnenaufgangs eine sehr eindrückliche Komposition, was aber bedauerlicherweise nicht störungsfrei genossen werden kann, weil ein Off-Sprecher mit einem Bibelzitat (Prediger 1:4 und 1:5) darüber gelegt ist, das aber glücklicherweise relativ kurz ist. Dann befindet man sich mit den sanften Akkordeon-Klängen von «Lights Of Paris» auch schon in der Stadt der Liebe, wo Bistro-Beschallungen eine nicht unwesentliche Rolle spielen und Songs aus der Zeit wie «I Love You», «Swingin‘ Down The Lane» und «You Do Something To Me» von Jazz-Combos kredenzt werden. Bei «You Do Something To Me» handelt es sich um besagtes Cole-Porter-Stück, und Friedhofer verwendet es zwecks Ausdruck zurückhaltender und fragiler Romantik in streichergesättigten Bearbeitungen. Im emotional schwer aushaltbaren «Hospital Memories» vermischt es sich mit Düsternis und Qual.

Mit «The Fiesta Of San Fermin» wechselt die Szenerie nach Pamplona und den berühmten Sanfermines. Für diese sechsminütige Prozessionsmusik schrieb Friedhofer Marschmusik und fakte zusammen mit Alexander Courage ‒ da kein Exemplar aufzutreiben war ‒ den Klang des Txistu, eines traditionellen baskischen Doppel-Instruments, bestehend aus Trommel und Pfeife. Courage war ausserdem der Kopf hinter den nahtlosen Übergängen und sinnvollen Überblendungen der etlichen musikalischen Cues und Hintergrundgeräuschen wie Kirchenglocken, aus denen sich dieser Track sowie später «La Fiesta Brava» mit Stierkampfmusik und (dezentem) Publikumsgejohle zusammensetzt.

Damit die Authentizität des spanischen Teils gewährleistet ist, wurde Gitarrist Vicente Gómez verpflichtet, der mit seiner Eigenkompoistion «Romero» für ein wenig Besinnung zwischen den Festivitäten sorgt. Diese enden mit einer bitteren, ja fast schon depressiven Note im wieder gänzlich von Friedhofer stammenden «The Beach At Biarritz», Trost findet sich allenfalls im vom Off-Sprecher mitgestalteten «End Title».

Diese von Quartet veröffentlichte, limitierte CD enthält den vertrauten LP-Schnitt (die leicht missratene Cover-Gestaltung inklusive) und offeriert als Bonus noch den «Main Title» ohne Off-Stimme. THE SUN ALSO RISES ist zwar sicherlich für die wenigsten Friedhofer-Fans erste Wahl, aber an Kostproben seiner Fertigkeiten mangelt es auch hier nicht. Daher kann durchaus eine Kaufempfehlung ausgesprochen werden.

Andi, 26.8.2018

THE SUN ALSO RISES

Hugo Friedhofer

Quartet Records QR331

44:33 Min.
10 Tracks

Limitiert auf 1000 Stk.