The Rocketeer

Die Frage nach dem Lieblingsscore lässt sich nicht leicht beantworten. Natürlich fallen Einem sofort die Lieblingskomponisten ein, doch welchen Score soll man benennen? Je nach Tagesform schwangt man zwischen dem Einen oder dem Anderen. Ist es an einem Tag der sinfonische Score, so präferiert man am nächsten atmosphärische oder minimalistische Ansätze. Zum einen ist die Symbiose von Soundeffekten, Design und emotioneller Bandbreite perfekt in der elektronischen Musik von Vangelis im Blade Runner vollzogen worden, doch auf der anderen Seite finden sich auch sinfonische Raffinessen im SciFi Film Things to Come von Arthur Bliss. Genau wie Akira Ifukube, Jerry Goldsmith und James Horner zähle ich die Beiden zu meinen bevorzugten Komponisten. In etlichen Rezensionen und Beiträgen hat man zu ihrer Musik Stellung bezogen und Rezensionen geschrieben. Eine Neubewertung fällt schwer und daher habe ich mich für eine Musik entschieden, die mir über depressive Stimmungen und Problemen hinweg tröstet. Eine Musik mit einem starken Leitmotiv und perfektem Unterhaltungswert: James Horner The Rocketeer.

Nachdem James Horner 1995 bei der Oscar-Verleihung für Braveheart oder Apollo 13 einen sichergeglaubten Oscar verwehrt wurde, äußerte er sich resigniert und leicht enttäuscht. Für zukünftige Projekte hätte er verstanden, wie Filmmusik eingesetzt und verwendet werden solle. Seine Musik wurde im Folgenden „simpler“, die Orchestration einseitiger und Themen recycelt. Ab diesem Zeitpunkt bemüht er sich nur in wichtigen Momenten eines Films oder der Handlung aufwendigere Musik oder „Neues“ zu komponieren. Im Großen und Ganzen vereinfacht er seinen Stil und ähnlich wie John Barry auch, wird Eintönigkeit sein Markenzeichen. Die Reduzierung auf das Wesentliche ist jetzt das Hauptaugenmerk in seinen Kompositionen. Spannungsbögen innerhalb einer Handlung und Actionszenen werden von ihm immer nach dem gleichen Rezept vertont.

1991 hingegen ist die Welt noch in Ordnung. Für Joe Johntsons The Rocketeer schreibt Horner einen orchestralen Score mit einem heroischen Leitmotivgedanken. Hinzu kommt ein emotionales Love Thema für die weibliche Hauptdarstellerin. Für die in der Vorkriegszeit angesiedelte Geschichte findet Horner actionreiche Themen und setzt diese perfekt in Szene.

Im Jahr 1938 findet der linkische Pilot Cliff Secord zusammen mit seinem Mechaniker einen auf dem Rücken schnallbaren Raketenmotor, der das Fliegen ermöglicht. Auf diesen Gegenstand haben es neben dem FBI auch Gangster abgesehen. Mit einer selbstentworfenen Maskierung avanciert Secord in Kürze zu einem Helden – The Rocketeer – und hilft in Not geratene Menschen. Inzwischen wendet sich Cliffs Freundin Jenny von ihm ab und bandelt mit dem berühmten Hollywood Leinwandhelden Neville Sinclair an. Dieser ist ein Komplize vom Ganoven Eddie Valentine und zusammen haben sie es auf den Raketenantrieb abgesehen. Als Cliff vom FBI verhaftet wird, klärt sich die Herkunft des seltsamen Fluggerätes auf. Es handelt sich um ein gescheitertes Projekt des Millionärs Howard Hughes, hinter dem nun auch die Nazis her sind. Mit ihrem Spion wollen sie Patent und Exemplar in Besitz bekommen. Im fulminanten Finale an Bord eines Zeppelins kommt es zum Showdown zwischen Cliff und Sinclair.

Wie James Horner in einem Interview äußerte, wurde er schon sehr früh – 1 ½ Jahre vor Filmstart – in das Projekt von Joe Johnston eingebunden. Doch durch ständiges neu editieren und daraus resultierende Previews änderte sich der Film mehrfach, und daher musste Horner letztendlich in nur 2 ½ Wochen einen insgesamt 100 minütigen Score komponieren. Neben mitreisenden Themen, einem gefühlvollen Liebesthema, zünftiger Actionmusik kommen von Billy Mayorchestrierte Jazz-/Swing Musik zum Einsatz. Eine bewährte Zusammenarbeit, die man auch schon von Cocoon und Swing Kids her kennt.

Im Glanzstück des Scores The Flying Circus spürt man die Begeisterung Horners für Flugshows und dramatischen Flugeinlagen, die Jahre später in dem Konzertwerk The Horsemen gipfeln wird. Im ständigen Wechsel zwischen dem heroischen Haupthema und orchestraler Actionmusik entwickelt Horner eine mitreißende Musik. Sie ähnelt einer choreografierten Ballettmusik, in der Horner die Spannung ständig aufrechterhält. Erst mit der geglückten Rettung löst er die Spannung und begleitet den anschließenden Rocketeerflug von der Flugshow ins urbane amerikanische Landleben. Welches in der Orchestration mit der Maultrommel hinreißend untermalt wird.

Der Orchesterklang kommt ohne aufgeblähten elektronischen Schnickschnack daher und verleiht dem Score dadurch einen warmen fast süffigen Klang. Die musikalischen Themen für Action und emotionelle Beziehungen sind typisch für Horner. In einem grandiosen Schlußtrack verbindet Horner seine Themen in eine wundervolle Suite, das schon fast als eigenständiges Orchesterwerk durchgehen könnte. Mit nur 55 Minuten Laufzeit bietet die CD Veröffentlichung die wichtigsten Themen und ergeben einen wohltuenden Hörgenuss. Zieht man die 10 Minuten für die von Billy May orchestrierten Songs noch einmal ab, bleiben 45 Minuten Horner Score übrig. Absolut ausreichend!

Schade, dass es nach Jumanji 1995 zu keiner weiteren Zusammenarbeit zwischen Joe Johnston und James Horner gekommen ist. Mit Captain America2011 hätte sich ein ähnliche Chance wie mit The Rocketeer ergeben.

Bernd, 2015

 

THE ROCKETEER

James Horner

Hollywood Records HR 61117-2

56:29 / 10 Tracks

 

 

 

 

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