The Rocketeer (Intrada)

Am 27. Juni 2016 war es soweit: Intrada veröffentlichte die vielgepriesene Filmmusik zu The Rocketeer (1991) von James Horner in der Complete-Score-Version. Damit wurde ein oft geäusserter Wunsche der Filmmusik-Community endlich erfüllt. Der Fan-Favorit liegt damit auf 2 CDs in topp Klangqualität und mit gut 20 Minuten zusätzlicher Musik vor, wobei das Original-Album von 1991 auf der zweiten CD ebenfalls nochmals vorzufinden ist. Die Musik zu The Rocketeer ist ein wahres Juwel. Mit ungestümer Energie lässt James Horner das fantastische Hauptthema für den Helden auf den Zuhörer los – klangschön, mitreissend und wortwörtlich „hochfliegend“ mit den kraftvollen Bläsern. Dazu kommt ein berührendes Liebesthema und als dritte Komponente ein unheimliches Bösewicht-Thema für tiefes Blech als „Gegenspieler“. Diese drei markanten Komponente verwebte Horner schulmeisterlich zu einer aufregenden, orchestralen Tour-de-Force, welcher es an nichts mangelt. Hiervon nun eine Neuauflage in Händen halten und durch die Boxen wirbeln lassen zu können, ist ein wahrer Genuss, auch wenn das Originalalbum von 1991 alle wichtigen Highlights bereits präsentierte.

Die Neuauflage von Intrada bietet rund 24 Minuten bisher auf offiziellen Kanälen unveröffentlichte Musik. Diese Erweiterung birgt zwar keine neuen Themen, doch erweitert sie das Hörerlebnis mit einer zusätzlichen Portion Schalk und Verspieltheit. Die Stücke Finding the Rocket und Testing the Rocket präsentieren weitere Statements des Heldenthemas, wobei sich dem Hörer damit schön erschliesst, wie das Selbstbewusstsein des Helden und damit auch die Kraft seines Themas im Laufe der Erzählung stetig anwachsen. Sowie der Held mit seiner Raketentechnologie zu Beginn noch unsicher und stellenweise gar etwas flapsig ist, so erklingt auch das Thema in diesen Stücken während der ersten Albumhälfte noch eher etwas unsicher und unvollständig. Daraus gewinnt das Hörerlebnis an zusätzlicher Narratologie. Das Highlight der unveröffentlichten Stücke ist hingegen das kraftvolle, wenn auch kurze Stück The Laughing Bandit – herrlich ungestüm und aufmüpfig (bisschen Zorro-Energie, die da hervorlugt). Die weiteren Spielminuten mit Musik für den Bösewicht Neville (bspw. Neville and Eddie und Neville Eavesdrops) vermögen weniger Prägnanz hinzuzufügen, entschleunigen den Hörspass aufgrund der Spieldauer jedoch auch nicht wirklich – nette Dreingaben für uns Fans.

Spannend ist ein Vergleich der Tracks der Albumpräsentation von 1991 mit den Stücken des nun vorliegenden Complete-Soundtracks. Für das Album von 1991 haben James Horner und sein Music Scoring Mixer, Shawn Murphy, nachdem die Musik für den Film aufgenommen wurde, einzelne Aufnahmen miteinander kombiniert um für das Album eine optimale Präsentation der Musik zu erhalten. Auch sind die Tracks in der 1991er-Version leicht anders in der Abfolge, als in der Complete-Score-Version, welche die Stücke so präsentiert, wie sie letztlich im Film platziert wurden. Der Vergleich ist dahingehend interessant, weil die Stücke bis auf wenige Ausnahmen fast gleichlang sind. Sprich, auch die langen Stücke wurden von Horner so aufgenommen und nicht nachträglich zusammengeschnitten – The Flying Circus, Neville Sinclair’s House, Rendezvous at Observatory, The Zeppelin und End Title/End Credits. Diese Stücke begeistern mit dichter Orchestration, unzähligen Themenstatements, Tempi-Wechsel und geballter Energie – und alles passt synchron zum Film. Horner at his best!

Bei beiden Versionen identisch, wenn in anderer Abfolge eingereiht, sind die Big-Band-Stücke Begin The Beguine und When Your Lovers Has Gone, arrangiert von Billy May und gesungen von Melora Hardin. Diese passen gut ins musikalische Geschehen, auch wenn sie mit der Orchestermusik von Horner nicht viel gemein haben. In der Complete-Score-Version gibt es hingegen noch das Stück A Hero is Born / Bye Bye Bigelow. Hier leitet Horner von zurückhaltenden Hauptthema-Statements über in ein kurzes Big-Band-Arrangement. Damit sind die beiden genannten Songs definitiv noch stimmiger an den Score angebunden.

Fazit: An James Horners The Rocketeer darf und muss man einfach Freude haben. Energie, Schalk, Romantik und Action sind in diesem kurzweiligen Hörerlebnis perfekt balanciert. Ob in der 1991er Version oder nun in der erweiterten Version von Intrada – auch wenn das 1991er-Album wunderbar produziert war, ist in diesem Falle mehr einfach mehr, und daher noch besser! Ein unumstössliches, nicht zu ausreichend zu empfehlendes Highlight im facettenreichen Schaffen des Komponisten.

Basil, 10.10.2016

 

THE ROCKETEER

James Horner

Intrada Special Collcetion

2CDs: 139:18 Min. / 33 Tracks

 

 

 

 

 

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