The Prisoner of Zenda (La-La Land)

Anthony Hopes mehrfach verfilmter Abenteuerroman, der am Hofe des fiktiven, mitteleuropäischen Runtanien spielt, wo der rechtmässige Thronfolger durch einen Doppelgänger an der Machtübernahme gehindert werden soll, für einmal als Komödie, bei der allerdings trotz Genre-Spezialisten wie Richard Quine und Peter Sellers (in einer Dreifach-Rolle) weder bei Kritik noch Publikum der Funke übersprang.

Im Gegensatz dazu bekundet Henry Mancini keinerlei Mühe damit, seine Musik vor Funken derart sprühen zu lassen, dass der Hörer sogleich Feuer fängt. Für den Komponisten war es übrigens nicht die erste Begegnung mit dem Zenda-Plot, denn er bekam schon in THE GREAT RACE damit zu tun, wo die Thematik gehörig auf die Schippe genommen wird. Doch während er diese damals teilweise erstaunlich ernst und düster gestaltete, ging er bei THE PRISONER OF ZENDA heiterer und beschwingter zu Werke und schuf einen von gehobener Unterhaltung gekennzeichneten Score, der selten seine Noblesse verliert und ‒ wie von Mancini auch kaum anders zu erwarten ‒ mit Themen aufwartet, die nicht bloss im Kurzzeitgedächtnis hängen bleiben.

Eines der wesentlichen Merkmale sind die immer wiederkehrenden Fanfaren, die nicht nur das Hauptthema schmücken, sondern etwa auch dem feierlichen «The Coronation» Glanz verleihen. Hier wie auch anderweitig wirken übrigens sehr alpin wirkende Waldhörner mit. Einigen Raum gewährt Mancini auch Tanzmusik diversen Charakters. Tritt diese in «Cafe Royal» und «Behind the Red Door» in Form von Kaffeehausmusik in Erscheinung, darf sie sich im aufgestellten und fröhlichen «Royal Gallop» und dem diesbezüglichen Höhepunkt, dem eleganten «Coronation Waltz», in grösserem Rahmen entfalten.

Das Fagott spielt nebst weiteren tiefen Holzbläsern eine tragende Rolle in der konspirativen, sich selbst jedoch nicht allzu ernst nehmenden «Herumschleich»-Musik. Während diese nebst festlichen und tänzerischen Klängen zunächst das Bild des Scores prägt, findet allmählich eine Gewichtsverlagerung hin zu mehr Romantik und Dramatik statt. Für die traute Zweisamkeit hat Mancini immer etwas Besonderes parat; das ist auch hier nicht anders, und ein entsprechendes, natürlich hauptsächlich den Streichern anvertrautes Thema erobert in Tracks wie «The Passionate Count» und «Farewell, Princess Flavia» im Nu das Herz des Hörers. Aber auch die Action macht eine sehr gute Falle, wenn etwa in «The Windmill Siege» und «Showdown at the Castle» der abenteuerlichen Komponente der Story in guter, alter Swashbuckler-Tradition Genüge getan wird.

Ein Meister alter Schule wie Henry Mancini weiss natürlich genau, welche Zutaten und welche Menge davon jeweils erforderlich sind, damit eine Musik nicht nur ihrem Film gerecht wird, sondern auch ausserhalb davon äusserst gut mundet. Exakt das ist ihm auch bei THE PRISONER OF ZENDA derart exzellent gelungen, dass man sich nur wundern kann, weshalb es beinahe vierzig Jahre gedauert hat, bis es ‒ sieht man mal von drei neu aufgenommenen Tracks auf einem Mancini-Sampler ab ‒ zu einer Veröffentlichung kam. Aber auch hier passt der Spruch «Lieber spät als nie».

Andi, 30.9.2018

THE PRISONER OF ZENDA

Henry Mancini

La-La Land Records LLLCD 1468

74:41 Min.
28 Tracks

Limitiert auf 3000 Stk.