The Kentuckian / Williamsburg

Es ist erstaunlich was sich William Stromberg und John Morgan immer wieder einfallen lassen. Hier ist es ein etwas weniger populäres Herrmann-Double, das die beiden mit den Moskauern neu eingespielt haben und dem Liebhaber nicht nur in ganz toller Qualität sondern auch in Komplettheit präsentieren. Nachdem sie sich mit Tribute Film Classics eine neues Label geschaffen haben, kommen die beiden „Filmmusikrestauratoren“ immer mehr in Fahrt, das macht Lust auf mehr.

In The Kentuckian und Williamsburg: The Story of a Patriot konnte Herrmann seinem musikalischen Steckenpferd fröhnen, das er in seinen früheren Jahren mit Bekanntschaften wie Charles Ives vertiefte oder als er mit einer Komponistengruppe Konzerte mit Amerikanischer Musik organisierte.

Herrmann eröffnet den Score zu Burt Lancasters Regiedebüt mit einer deftigen „Prelude“, in der wir eines von zahlreichen Hauptthemen und ein kleiners, zweites Thema, das den gutmütigen Big Eli Wakenfield einführt, hören. Das Americana von Herrmann zeigt hier hübsche Sprenksel à la Jerome Moross (ein guter Freund Herrmanns). Viele Momente in The Kentuckian sind geprägt von einer optimistischen und manchmal ausladenden Stimmung, fast wie es sich für einen US-„Heimatfilm“ gehört. Herrmann fängt das mit viel Schwung und wirklich ohrgerecht portioniert ein. So zum Beispiel auch das herrliche Stück „The Steamboat/Welcome Aboard“. Natürlich sind auch, insbesondere im letzten Drittel der Komposition, unverkennbare Passagen, die man sofort mit dem Komponisten assoziieren kann, zu hören. Aber bitte, das heisst nicht, dass The Kentuckian bekanntes Herrmann-Gebiet beschreitet. Alles andere als das: Schwungvolles Americana, eine schöne Themen- und Motivvielfalt, verspielt und ungemein abwechslungsreich.

Einen komplett anderen Weg geht Herrmann mit Williamsburg: The Story of a Patriot, einem 34 minütigen Kurzfilm für die Colonial Wiliamsburg Foundation. Hier lässt die schwungvolle Overtüre bereits erahenen wohin sich die Komposition bewegt, ihr wird ein barocker, 18. Jahrhundert Anstrick verpasst. Für kleines Orchester geschrieben, führt uns Herrmanns Musik durch die Stadt Williamsburg und seine Geschichte zur Zeit, als England noch über ihre Kolonien herrschte – mit kürzeren und längeren, eingebauten Arrangements von Amerikanischem wie den „Yankee Doodle“ oder SolostückeN für Orgel geht Herrmann mehr auf Zeit als auf Dramaturgie ein. Thematisch passt Williamsburg an sich gut mit The Kentuckian auf die CD, musikalisch sie jedoch so gut wie nichts damit zu tun. Es wird denn auch der Teil sein, der bei mir weniger oft den Weg in den Player findet.

Insbesondere The Kentuckian ist eine wunderbare Einspielung, die mit einem präsenten, sehr gut aufgelegten Orchester und einer hervorragenden Klangqualität besticht. Wer also ein Ohr offen haben möchte für einen etwas anderen Filmkomponisten Bernard Herrmann, dem sei diese Aufnahme ans Herz gelegt. Man sollte sich keinewegs von der Anzahl und den auf dem Backcover kurz getimten Tracktitel abhalten lassen. Viele dieser kurzen Stücke werden von keiner Pause unterbrochen und fliessen wie in einer Suite inneneinander über. Erstaunlich wie gut das musikalisch oft funktioniert.

Wie immer liegt einer Stromberg/Morgan Produktion ein dickes, sehr informatives Booklet bei. Hier erfährt man einiges über den Film, über Herrmanns Liebe zur Amerikanischen Musik und wie immer wird im Detail auf die einzelnen Stücke eingegangen.

Phil, 2.2.2009

 

THE KENTUCKIAN & WILLIAMSBURG

Bernard Herrmann

Moscow Symphony Orchestra, William Stromberg cond.

Tribute TFC 1004

73:19 Min. / 72 Tracks

 

 

 

 

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