The Empire Strikes Back

35 Jahre ist es her, seit der damals zweite Teil der Star Wars Saga in die Kinos kam. VHS war immer noch weit entfernt und der Begriff Download figurierte noch für Jahrzehnte nicht im allgemeinen Spachgebrauch. Man ging ins Kino und der Besuch im Filmtheater hielt die Erinnerung an den Film lange wach. Für mich war als Kind jeder Kinobesuch ein Riesenereignis, ganz besonders wenn es sich um Science Fiction drehte und noch „besonderer“ wenn Star Wars gezeigt wurde. Meist stand ich ungeduldige 45 Minuten vor Türöffnung vor dem Kino, schaute mir die Aushänge und Plakate immer und immer wieder an und konnte es kaum mehr erwarten. Die Werbung vor dem Film kam einem unendlich lang vor, die Vorschaufilme nicht weniger, doch dann erklang endlich, endlich John Williams‘ Titelmusik und der Filmtraum begann. Luke wurde vom bösen Wampa halb totgeschlagen, es folgte die fantastische Schlacht auf Hoth und Yodas Versuch Luke auf Dagobah zu unterrichten und dessen Gegenüberstellung mit Lord Vader, der zu einem der grössten Schocks in meiner persönlichen Filmgeschichte werden sollte; oder als Han Solo tiefgefroren an diesen mysteriösen Kopfgeldjäger Boba Fett übergeben wurde. Danach schwebte man in anderen Sphären, wenigstens bis zur nächsten Prüfung in der Schule. Meine Güte, welch ein Ende. Wie grossartige müsste da Return of the Jedi werden? Wurde er nicht!

Zum Filmereignis erschien eine Doppel-LP, die zu einer meiner ersten Filmmusiken im noch sehr dünn ausgestatteten Musikrega wurdel. Nach wie vor sind Film als auch Musik ganz weit oben in meiner Allzeitfavoriten-Liste. Änderungen sind kaum absehbar…

Nach dem fantastischen und unerwarteten Erfolg mit Star Wars – A New Hope(fand ich damals merkwürdig, einen Film im Anfangstitelroller mit Episode IV zu beginnen) überliess Lucas den Regiestuhl wohlwissend dem Veteranen Irvin Kershner; Leigh Brackett und ein junger Lawrence Kasdan schrieben das Drehbuch zu einem der dunkelsten und für die meisten Fans besten Kapitel der Star Wars Reihe. Neue fantastische Welten wurden ersponnen (Hoth, Bespin, Dagobah), das Krieg der Sterne Imperium um eine eindrucksvolle Maschinerie (AT-ATs, TIE-Bomber) und geheimnisvolle Charaktere (Yoda, Boba Fett, Lando Calrissian) und ausserirdische Monströsitäten (Tauntaun, Wampa – im Original nur ganz kurz zu sehen – oder die fiesen Ugnaughts und Ewoks!!!) erweitert.ss

Keine Frage, dass John Williams wieder aufs Podium treten würde und er schafft es sogar glänzend das Original zu toppen. Wir bekommen ein herrlich eingängiges Liebesthema zu hören („Han Solo and the Princess“). Jedimeister Yoda erhält sein Thema („Yodas‘ Theme“), bei dem natürlicherweise auch das Force-Motiv Einfluss hat. Darth Vader kriegt einen der prägnantesten Märsche, die je für einen Bösewicht geschrieben wurden („The Imperial March“, zuerst zu hören in einer aggressiver orchestrierten Fassung in „Aboard the Executor“). Die rasante Jagd durch das Asteroidenfeld wird unvergesslich furios untermalt („The Asteroid Field“) – klanglich und stilistisch vorweggenommen in „Snowspeeders Take Flight“ – und die Schlacht auf Hoth bekommt ein grandioses 15 minütiges Musikstück serviert, das düster und schwerwiegend die bevorstehende Niederlage der Rebellen begleitet.

Geschmackssache welches Album man sich lieber anhört, aber kann man zu viel Star Wars und im speziellen The Empire Strikes Back hören wollen? Ich meine nein!

Wieder kehrte Williams nach London zurück um seiner Komposition den passenden Klangkörper mit Hilfe des London Symphony Orchestra einzuverleiben. Musikalisch etwas vom Feinsten was die Londoner hier bitten, eingefangen am Mischpult von Eric Tomlinson, der bereits bei Star Wars und anderen Williams-Musiken wie Superman-The Movie und später Raiders of the Lost Ark und Return of the Jedi an den Reglern sass.

Fünf Veröffentlichungen (ausgenommen die unzähligen Re-recordings) zu Empire Strikes Back gab es: Eine Einzel-LP mit 42 Minuten Laufzeit, das bekannte Original Fold Out 2LP Album, die BMG Classics Doppel-CD, die RCA Doppel-CD und eine Multichannel Doppelausgabe von Sony, dazu wie erwähnt noch eine Vielzahl von Neueinspielungen (wovon jene mit Charles Gerhardt realisiert von Varèse die beste sein dürfte). „The Imperial March“ hat sich bei vielen Filmmusikkonzerten als Standart etabliert.

Und somit: Ja, The Empire Strikes Back war es, der bei mir endgültig den Funken für Filme und Filmmusik zu zünden vermochte. Lange Zeit hechtete ich fast allem nach wo John Williams drauf stand (so es denn bei uns zu kriegen war, aber das ist eine andere Geschichte) und auf die Musik zu Star Wars No. 7 bin ich sehr gespannt und hoffe auf mehr Inspiration als bei den misslungenen Prequels, die George Lucas eigenhändig in den Sand von Tatooine setzte.

Phil, 24.8.2015

 

THE EMPIRE STRIKES BACK

John Williams

RCA Victor 09026-68747-2

2 CDs: 124:12 Min. / 23 Tracks

 

 

 

 

Unsere Autoren stellten zum feuchtfröhlichen Anstossen (500 CD Reviews) ihre Lieblingsfilmmusik oder ein Werk, das ihnen besonders am Herzen liegt, vor. Prost!

 

 

 

 

Kommentar hinterlassen

Schreib einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.