The Dead Pool

Als Lalo Schifrin 1998 seine Dirty Harry Anthology (Aleph Records 003) veröffentlichte, war The Dead Pool darauf nicht vertreten, und wenn man diesen Score nun erstmals zu Gehör bekommt, kann man irgendwie auch verstehen, warum. Der Argentinier geht zwar gewohnt routiniert zu Werk, aber es fehlen ihm zündende Ideen, und die Musik wirkt durch viele kurze Cues – auch wenn diese des besseren Hörflusses wegen zu einzelnen Tracks zusammengefasst wurden –recht unausgegoren.

Nicht, dass es nicht auch Positives zu vermelden gäbe, aber bleiben wir vorerst beim zum Negativen Tendierenden. Da wären beispielsweise elektronische Spielereien, die in den 1980er-Jahren irgendwie einfach Pflicht waren. Zwar führen die teilweise zu durchaus effektvollen Resultaten, geraten aber oft zu penetrant, was dann – insbesondere gerade in The Car, dem dramaturgischen Herzstück des Scores – eher nervtötend denn nervenaufreibend wirkt.

Im dramatischen Bereich hapert es generell an Originalität. Schifrin bleibt im Grossen und Ganzen in altbekannten Mustern hängen; zwar gibt es ein paar nette fernöstliche Einsprengsel, aber ihre kurzen Auftritte in High and Dry und Kidnap and Rescue bleiben zu rudimentär, um die Musik in eine Richtung zu lenken, die sie vermutlich aufgewertet hätte.

Wenn wir uns nun den positiven Seiten zuwenden wollen, dann ist da zunächst einmal das gute alte und immer wieder gern gehörte «Callahan-Theme», das in San Francisco Night und The Pier, the Bridge and the City den Score einklammert. Anhand der dann und wann nicht ganz sauber spielenden Trompeten und der identischen Laufzeiten glaube ich, dass wir es hier zweimal mit dem gleichen Cue zu tun haben. Den Gesamteindruck aufzupolieren vermögen des weiteren Something in Return, ein ausdrucksvolles Jazzstück für kleines Ensemble, sowie The Rules mit romantischen Saxophon- und Klaviersoli.

The Dead Pool ist wohl vor allem etwas für Sammler, die schon alle vorgängigen Dirty Harrys im Regal stehen haben und die Reihe komplettieren wollen, ansonsten ist dieser Score allenfalls noch von Bedeutung, weil er die bis dato letzte Zusammenarbeit von Schifrin und Eastwood markiert, eine Zusammenarbeit, die während 20 Jahren immerhin acht, zum Teil für beide Künstler wichtige Filme umfasste. Bei manchem könnte da also noch der Wehmutsfaktor eine Rolle für den Kauf spielen.

Andi, 1.2.2009

 

THE DEAD POOL

Lalo Schifrin

Aleph Records 042

40:11 Min. / 12 Tracks

 

 

 

 

 

 

 

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