The Bounty

Vangelis

BSX Records BSXCD 8881

20 Tracks / 68:03 Min.

Limitiert auf 2000 Stk.

Eine längst überfällige Veröffentlichung, als BSX Records Ende November eine limitierte CD mit der bisher unveröffentlichten Vangelis-Musik zu The Bounty ankündigt. Wie im Beipackzettel zu Medikamenten überliest man schnell das Kleingedruckte und so entgeht, dass es sich hierbei um keine Originaleinspielung handelt. Dominik Hauser rekonstruierte die Vangelis-Musik und spielte sie neu ein. Eine fragwürdige Entscheidung, da gerade synthetische Musiken eine kurze Halbwertzeit haben und ihrer Entstehungszeit deutlich zugeordnet werden können. Gerade bei Vangelis ist die Verwendung bestimmter Keyboards, Synthies und Drum Machines deutlich der entsprechenden musikalischen Phase zuzuordnen.

Vangelis komponierte die 1984er Filmmusik zu Roger Donaldson The Bounty in der Entstehungsphase zweier experimenteller Konzeptalben: Soil Festivities und Invisible Connections. Umso überraschender, dass sich kaum experimentelle Klangmuster in der Filmmusik widerspiegeln.

Die Filmmusik setzt sich aus synthetischen Klangmustern und traditioneller Musik für Violine und Sopran  zusammen. Vangelis komponierte zwei herausragende Einzeltracks – Main und End Title -, die ihre Zeit überdauert und bis heute in diversen Folgen unterschiedlicher ZDF-Dokumentationen Einzug gehalten haben. Darüber hinaus beinhaltet die Filmmusik typische Vangelis-Stilismen und Vorgehensweisen. In einzelnen Szenen (siehe Track 5 Cape Horn) improvisiert Vangelis frei zum Bild und die Musik wird so übernommen. Nur bestimmte Passagen werden auskomponiert und entsprechend aufwendig produziert. Vangelis komponiert seine Musik direkt an den Synthies, es gibt keine Notenblätter oder Konzepte.

Im Gegensatz zu 1492 verzichtet Vangelis fast durchgehend auf ethnische Klangmuster. Seine Musik spiegelt die emotionale Auseinandersetzung zwischen Captain Bligh und Fletcher Christian wider. Die Trostlosigkeit und Warterei auf hoher See werden mit monotonen, fast minimalistischen Soundmustern untermalt.

Dominik Hauser gelingt es, den typischen Vangelis Sound einzufangen. Mit heutigen Synthies hält er sich eng am Vangelis-Klang und schafft eine hörenswerte Soundtrackveröffentlichung. Zwar gibt es auch hörbare Unterschiede, doch sind diese zu verzeihen und fallen nur im direkten Vergleich mit der originalen Vangelis Musik auf.  Angereichert wird die CD mit Suiten zu bisher unveröffentlichten Vangelis-Filmmusik (Bitter Moon, Francesco und The Plague). Insgesamt eine runde Sache!

Bernd, 3.1.2011

 

 

 

 

 

 

 

 

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