The Big Bus

David Shire

FSM Vol. 14, No. 1

55:27 Min.
21 Tracks

Limitiert auf 2000 Stk.

Der Katastrophenfilm hat seine Blütezeit bereits hinter sich, als 1976 mit The Big Bus die erste Parodie auf dieses kassenklingende Genre erscheint. Hauptattraktion des Filmes ist indes nicht der teilweise mässige Humor, sondern ein voll funktionsfähiger und verschwenderisch ausgestatteter, gigantischer Bus ‒ sozusagen ein Flugzeug für Highways ‒ dessen Konstruktion allein eine satte dreiviertel Million Dollar verschlingt.

David Shire, der kurz zuvor The Hindenburg vertont hatte, bekommt innert Jahresfrist die Gelegenheit, sowohl die seriöse wie auch die komische Seite des Desasterfilms auszuleuchten. Für The Big Busmacht er jedoch keine musikalische Kehrtwende, sondern komponiert einen dramatischen, wenn auch satirisch überspitzten Score, wie dies ein paar Jahre später auch Elmer Bernstein für die weitaus populäreren Airplane-Filme tun wird.

Vornehmliche Aufgabe der Musik ist es, dem atomgetriebenen Superbus ordentlich Schub zu verpassen. Dafür ist in erster Linie das zeitweise mit halsbrecherischem Tempo ‒ man beachte hierbei vor allem die wieselflinken Läufe der Bläser ‒ dargebotene Hauptthema verantwortlich, welches Geschwindigkeit und das aufregende Gefühl mondänen Reisens exquisit kombiniert, und zwar im angesagten Discosound, den Shire nicht bewusst wählte, sondern weil das etwas war, das seiner Ansicht nach damals einfach in der Luft lag.

Das Hauptthema glänzt in mitreissenden Tracks wie Breaking Wind Montage mit kurzen Swing- und Salsa-Einlagen, sowie in Harbinger Curve, wo die Musik in chaotischen Jazzimprovationen zeitweilig kaum zu bändigen ist. Das Hauptthema untermalt aber auch in dunklen und suspensevollen Variationen die meist erfolglosen Sabotageversuche dunkler Buben aus der Ölindustrie.

Für das Liebesthema des Hauptdarstellerpaares Kitty und Dan verwendet Shire eine melancholische Solotrompete im Film-Noir-Stil, für weitere romantische Intermezzi sorgen amouröse Verwicklungen unter den Passagieren in Bush & Camille & Bush & Claude sowie Claude & Sybil. Für den mitreisenden Priester schreibt Shire in Faith Musik im Stil von Miklós Rózsa’s Ben Hur. Der Score enthält auch ein paar Zitate wie das «Dies Irae» oder «There’s No Place Like Home» und zudem die eigens eingespielte, jedoch etwas dumpf klingende Eröffnungsfanfare aus Also Sprach Zarathustra.

Im Bonusteil findet man nebst ein paar unverwendeten Klassik-Stücken auch die Beiträge des singenden Lounge-Bar-Pianisten Murphy Dunne, der im Film trotz des um ihn herum herrschenden Chaos in aller Seelenruhe und humorvoll seine Standards zum Besten gibt.

Auf CD wirkt Shires Score noch besser als im Film, weil die ausgeklügelte thematische Verarbeitung und die vorzüglichen Orchestrationen im Prinzip nur ungestört in all ihren unzähligen Details aufgenommen werden können. So offenbart sich eine Musik von hoher Selbstständigkeit und mit viel Eigenleben, und damit ist The Big Busmehr als bloss eine nette Erweiterung der Shire-Sammlung.

Andi, 14.3.2011

 

 

 

 

 

 

 

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