Superman: The Music (FSM Box)

Richard Donners SUPERMAN-THE MOVIE wurde 1978 zu einem Phänomen. Der sympathische, vortrefflich besetzte Film traf genau den Zeitgeist, der mit Filmen wie STAR WARS oder CLOSE ENCOUNTERS OF THE THIRD KIND entstanden ist und weiter geführt wurde. Die Nachwehen des Vietnamkriegs und der Watergate Affäre wirkten immer noch, nun war es an der Zeit sich mit Science Fiction Filmen wieder aufzumuntern. Und SUPERMAN gehörte damals noch in dieses Genre, der Superheldenfilm war noch nicht geboren im Gegensatz zur Gegenwart mit ihren 5 Comicsverfilmungen pro Jahr. Mindestens. Der weltweite Erfolg von Donners Film, der auch heute noch wunderbar anzuschauen und zu geniessen ist, zog eine Reihe von Sequels nach sich.

SUPERMAN II wurde zum Teil bereits während der Produktion zum ersten Film gedreht, doch die Salkinds und Produzent Pierre Spengler fanden es sei nun genug mit Donner, dessen für sie langsame = kostspielige Art zu Drehen sie nicht goutierten und also entliessen ihn, zum Entsetzen von Besetzung und Crew. Richard Lester wurde engagierte, der bereits beim ersten Film immer mal wieder am Set „rumlungerte“. Mit Lester konnten es die Produzenten besser, sie kannten ihn bereits aus den beiden THREE MUSKETEERS Filmen. So entstand ein Film, der zu rund 60% aus Lester-Material und zu 40% die bereits gefertigten Aufnahmen Donners beinhaltete. Jahrzehnte später ermöglichte es Warner Donner gar seinen geplanten SUPERMAN II doch noch fertigzustellen und brachten diesen als „The Richard Donner Cut“ auf DVD heraus – wirklich eine Besonderheit.

Danach nahm für SUPERMAN III wiederum Lester auf dem Regiestuhl Platz, doch der Film mit Richard Pryor, zu viel Komödie und zu wenig Superman, floppte und für einige Zeit war das Thema gegessen. Bis die Salkinds die Rechte zu Superman an das Golan/Globus Imperium veräusserten. Diese wollten mit SUPERMAN IV: THE QUEST FOR PEACE einen 40 Millionen Dollar Film produzieren doch eine Reihe von Flops zwangen die Macher des vierten Teils dazu, sich mit weniger als der Hälfte des eingeplanten Budgets zu begnügen. Und so folgte das mit Abstand ärgste und ärgerlichste der vier Superman Abenteuer mit billigen Spezialeffekten, einer zwar gut gemeinten Story, in der aber von Dialogen bis unausgegorenen Ideen (teilweise von Christopher Reeve stammend, der sich durch das mehr als halbierte Budget unversehens mit einer völlig veränderten Ausgangslage konfrontiert sah) kaum etwas funktionierte. Es war der Abschied von Superman aus den Kinosälen für lange Zeit.

Das einzige was nebst Christoper Reeve und Margot Kidder alle vier Filme mit sich brachten, waren die Themen von John Williams. Obwohl er eigentlich auch für SUPERMAN II vorgesehen war, soll Williams damals nach dem Spotting des Films gesagt haben, er könne mit Lester nicht arbeiten. Und wenn ein besonnener, ruhiger Mann wie Williams das von sich gibt, muss einiges schief gelaufen sein. Fakt ist, Williams war damals sehr gefragt und nebst Filmen wie 1941 und THE EMPIRE STRIKES BACK übernahm er zu dieser Zeit auch die Leitung des Boston Pops Orchestras.

Nun aber Vorhang auf für die fantastische SUPERMAN: THE MUSIC Box, die 2007 bei Film Score Monthly erschienen und noch heute erhältlich ist. Diese mit viel Hingabe gefertigte 8-CD-Box mit den kompletten Musiken zu allen vier Filmen plus Ron Jones‘ Kompositionen zur 1988er Animated Series ist insbesondere auch ein Muss für Fans des Scores zum ersten Film. Zum ersten Mal erhalten wir hier eine Gesamtausgabe der Musik zu SUPERMAN-THE MOVIE, über deren Gehalt man eigentlich nicht weiter diskutieren muss, kurzum: Meisterwerk (ist es nicht erstaunlich zu wie vielen Kompositionen von Williams aus jener Ära unsereins glatt aus dem Kopf das Hauptthema summen kann?). Williams erschuf wieder einen unvergesslichen (und unvergleichbaren) Titelmarsch, das Actionthema für Supie, Lex Luthors Motiv, ein Liebesthema für Lois und Superman, die Krypton und Fortress of Solitude Themen, das warme Americana für die Szenen der Jugendzeit eines jungen Clark Kent. 120 Minuten Filmmusik auf 2 CDs, dazu interessante, nicht verwendete Variationen. Ein Fan kommt an dieser Ausgabe wirklich nicht vorbei.

Aber auch Sequel 1 und 2, betreut von Ken Thorne, präsentiert FSM in dieser Box wie angetönt vollständig. Speziell bei SUPERMAN II war Thorne darauf bedacht Williams‘ Themen und Motive zu benützen (bei Teil 3 kam mehr Material aus Thornes eigener Feder dazu), während bei SUPERMAN IV Alexander Courage mit der Adaption des Materials betreut wurde. Diese 2 CDs zu Teil 4 sind insofern besonders, weil sie die Musik zum einst über 2 Stunden dauernden, ersten Schnitt beinhalten und weil Williams hierzu neue Themen komponierte – der Film wurde nach desaströsen Testscreenings auf unter 90 Minuten gekürzt. Das war vielen Fans bis zum Erscheinen der FSM Box nicht bekannt, denn im Film selber wurde mit dem Score nicht gerade freundlich umgegangen, grosse Teile entfernt und so manches dort eingesetzt wo es nie geplant war. Die von Williams gefertigten Themen liess Courage in QUEST FOR PEACE einfliessen, eines davon ist lustigerweise sofort mit HOOK in Verbindung zu bringen – Williams arbeitet damals mit Leslie Bricusse an der Musik für ein damals noch als Musical geplantes Peter Pan Abenteuer von Steven Spielberg, aus dem schliesslich das Fantasyspektakel mit Robin Williams und Dustin Hoffman wurde, ohne Musicalaspirationen allerdings. SUPERMAN IV ist die grosse Überraschung in einer an vielen, vielen tollen Momenten reichen Box.

Dem einem Buch gleich kommenden, hervorragend geschriebenen Booklet ist zu entnehmen, dass man für SUPERMAN IV: THE QUEST FOR PEACE in München mit dem Graunke Orchester aufnahm, doch die Musiker hatten grosse Mühe, wie später bei Goldsmiths TOTAL RECALL, fordernde, schnellere Passagen sauber hinzubekommen und so „flüchteten“ Courage und der Tross nach London wo die Aufnahmen im Nu‘ gelangen. Das Booklet gibt in den Track-by-Track Notizen preis wo welches Stück eingespielt wurde.
Aber auch Ken Thorne musste Abstriche machen. Anstatt wie einst Williams mit dem famosen Klangkörpers eines zahlenmässig gross besetzten London Symphony Orchestras fand er sich in einem kleineren Studio wieder, in dem rund 50 Musiker Platz hatten, einige davon spielten bereits die Musik zum ersten Film ein. Seine Musiken zu Teil 2 und 3 sind äusserst gut gelungen und unterhaltsam. SUPERMAN III wurde zwar einst auf einer Warner LP veröffentlicht, doch musste sich Thorne dort mit fünf Tracks begnügen, während Giorgio Moroder. Zuständig für Songs und Synthiearrangements, die restlichen Stücke erhielt, dem Trend zu Songs in jeder Art Filmen gerecht werdend. SUPERMAN III ist somit beinahe eine Premiere auf Tonträger, definitiv aber SUPERMAN IV, dessen geplantes Album auf Grund des katastrophalen Kinoeinspiels nie erschienen ist. Courages Arbeit ist ein erneuter Beweis wie gut Filmmusik auch zu einem richtig schlechten Film sein kann.

Auch Ron Jones‘ Musik (CD 7) für die kurzlebige 1988er Ruby Spears Zeichentrickserie erfuhr hier ihre Weltpremiere abseits der Bilder. Jones war damals voll mit STAR TREK: THE NEXT GENERATION beschäftigt, wo er sich jeweils mit Dennis McCarthy abwechselte und quetschte SUPERMAN: THE ANIMATED SERIES irgendwie dazwischen. Mit einem 35 Mann Orchester nahm er den Score zum Pilotfilm auf, ausserdem komponierte er ein neues Lex Luthor Thema und einige „Library Cues“ zur weiteren Verwendung in der Serie. Die Macher konnten sich nur 30 Sekunden von Williams‘ Titelthema leisten. Jones schrieb die Musik in Williams‘ Stil, seine typisch kantige Musik, wie sie in den actionbetonten Folgen von ST: TNG, allen voran den Borg-Episoden, ist aber eindeutig herauszuhören, ebenso seine Einbindung elektronischer Instrumente.

Für 120 Dollar erhält man mit der blauen FSM Box (Auflage 2) viele Stunden Filmmusik, die bei weitem für das entschädigt was nach John Ottmans gelungenem Score zu SUPERMAN RETURNS musikalisch, man verzeihe mir den Ausdruck, „verbockt“ wurde. Zwei CDs zu SUPERMAN THE MOVIE, je eine CD SUPERMAN II und III, zwei CDs zu SUPERMAN IV, eine zur Animated Series und eine weitere mit spannendem Bonusmaterial! Insgesamt 8 CDs und ein wirklich fantastisches Booklet. Was will man mehr?

Zu SUPERMAN-THE MOVIE haben Jo und ich übrigens letztes Jahr einen ausgiebigen Podcast bei FADING LIGHTS gemacht.

Phil, 24.6.2018

SUPERMAN: THE MUSIC

John Williams, Ken Thorne, Alexander Courage, Ron Jones

Film Score Monthly Box 02

CD 1: 78 Min. / 18 Tracks
(Superman-The Movie)

CD 2: 67 Min. / 19 Tracks
(Superman-The Movie + Alternates)

CD 3: 79 Min. / 28 Tracks
(Superman II)

CD 4: 64 Min. / 24 Tracks
(Superman III)

CD 5: 76 Min. / 22 Tracks
(Superman IV)

CD 6: 75 Min. / 19 Tracks
(Superman IV + Source music)

CD 7: 79 Min. / 35 Tracks 
Superman 1988 Animated Series)

CD 8: 68 Min. / 24 Tracks (Extras)