The Strange Love of Martha Ivers

Mit einer echten Überraschung wartet Bruce Kimmel mit seinem ersten Rózsa-Score für Kritzerland auf. Von The Strange Love Of Martha Ivers gab es bislang ‒ zumindest offiziell ‒ nur eine kurze, von Elmer Bernstein eingespielte Suite. 1946, mitten in der Noir-Phase des ungarischen Maestros entstanden, unterlegt diese Musik einen Film von Lewis Milestone, wo Barbara Stanwyck einmal mehr als Femme Fatale agiert. In der erlesenen Besetzung finden sich ausserdem Van Heflin, Lizabeth Scott, Judith Anderson und ein Debütant namens Kirk Douglas.

Der Score verfügt über ein einprägsames, unverblümt romantisches Hauptthema, das sowohl als Liebesthema dient, aber auch die unlauteren Motive der Titelfigur offenbart. Ein Schicksalsmotiv (im Prelude ahnungsvoll dem Hauptthema vorangestellt) sowie auf- und absteigende Gefahrenmotive bilden gemeinsam mit dem schicksalhaften Sirenengesang der hohen Streicher (und ab und zu mal der Holzbläser) einen steten Herd der Spannung.

Es gibt aber auch Momente, die einen das Damoklesschwert, das fast permanent über der Musik hängt, vergessen lassen. Sei es in Accidentmit seinen spöttisch anmutenden Holzbläsern, bei der kurzen Celesta-Einlage in Memories und beim pastoralen Passion. Gerne verleiht sich das Hauptthema durch eine Solo-Violine Ausdruck, und diese hat denn auch in Love ausgiebig Zeit, sich mit ihrem einfühlsamen und innigen Spiel in Szene zu setzen. Aber letztlich sind idyllische Augenblicke wie dieser illusorisch, werden die Filmfiguren am Ende im vorwiegend elegischen Unmasked/Conflict/Retribution ihrer nicht allzu erfreulichen Bestimmung zugeführt.

Wenn auch vielleicht nicht ganz auf dem Niveau von vergleichbaren Werken wie Double Indemnity, The Lost Weekend oder Spellbound, ist The Stange Love Of Martha Ivers doch ein weiteres eindrückliches Zeugnis für Rózsas Meisterschaft im Bereich des Film Noir. Der nahezu komplette Score wurde von Acetaten aus dem Paramount-Archiv gezogen. Abgesehen von ein paar wenigen, minimalen Unsauberkeiten, kann man angesichts des Alters beim Klang keinesfalls die Nase rümpfen. Deshalb sollte sich niemand, der von Miklós Rózsa angetan ist, diese Scheibe entgehen lassen.

Andi, 2.9.2012

 

THE STRANGE LOVE OF MARTHA IVERS

Miklos Rozsa

Kritzerland KR 20022-9

48:34 Min. / 11 Tracks

Limitiert auf 1000 Stk.

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