Stories with Jerry (8)

Teil 8

mit Phil, Andi, Basil und Mani

Natürlich gab es in den um die 40 Jahren «Goldsmith auf dem Plattenteller» einige Erlebnisse mit und um den Komponisten, die ich hier für einmal Preis gebe. Als Abrundung der «A week with Jerry» soll Teil 8 mit einer kurzen Biografie eingeleitet werden. Damit ist auch diese kleine Pflichtaufgabe abgehackt. Ausserdem sind auch Mani, Basil und Andi mit von der Partie!

Biografisches

von Phil Blumenthal

Geboren wurde der spätere Komponist am 10. Februar 1929 als Jerrald Goldsmith in Los Angeles, Kalifornien. Schon früh erkannten Mutter und Vater Tessa und Morris Goldsmith, dass ihr Sohn über besondere Fähigkeiten verfügte. Morris unterstützte ihn in dessen musikalischem Bestreben, verlangte jedoch bedingungslosen Einsatz. Im Alter von 12 Jahren begann Jerry bei Jakob Gimpel mit Klavierunterricht, entschied sich aber später, statt Konzertpianist lieber Komponist zu werden und begann unter Mario Castelnuovo-Tedesco Musiktheorie und Kontrapunktion zu studieren.

Ein einschneidendes Erlebnis hatte der 16jährige Jerry, als er sich im Kino SPELLBOUND anschaute. Er war so beeindruckt von der Musik von Miklós Rózsa, dass künftig zwei gewichtige Veränderungen sein Leben beeinflussen sollten: Zuerst wollte er Ingrid Bergman heiraten, dann Musik für Filme schreiben. Wie wir wissen, ist der erste Wunsch nicht in Erfüllung gegangen. Zum Glück, denn wer weiss wo es den jungen Jerry hingeschlagen hätte. Er studierte an der University of Southern California Filmmusik unter seinem grossen Vorbild Miklós Rózsa und fuhr mit seinen privaten Lektionen fort. Er stieg aus dem Universitätsleben frühzeitig aus, um an einem Programm des Los Angeles City College teilzunehmen, das aus einer Mischung aus Musik, Radio und Theaterkunst bestand. Er war unter anderem in der Tanzabteilung als Pianist tätig, gab Gesangsunterricht, dirigierte und konnte viel praktische Erfahrung sammeln. Auch die erstmalige Betreuung von Radiosendungen ging auf diese Zeit zurück.

Mit 23 erhielt er seinen ersten Job bei CBS, eigentlich wurde er als «Typse» eingestellt, es war die einzige offizielle Möglichkeit beim Sender unterzukommen und Sendungen auch musikalisch betreuen zu können. 1955 schliesslich bekam er einen Vertrag beim Fernsehen von CBS und versorgte fortan sogenanntes «dramatic televison» wie CLIMAX! Und PLAYHOUSE 90 mit Livemusik, wie es zu jener Zeit üblich war. Mit kleinstem Ensemble sass der Komponist in einem Studio, während sich das Filmset und die Darsteller in einem anderen Raum befanden. Mit Kopfhörer und Monitor konnte er verfolgen wie die Sendung ablief und inständig hoffte, die Akteure mögen möglichst im gleichen Tempo sprechen wie in den Proben, was, wie er später erzählte, eigentlich nie geschah.

Allen H. Miner wurde auf Grund eines Radioprogramms, zu welchem Goldsmith Musik für ein 26-Mann Orchester schrieb (sein grösstes Ensemble bis dahin) auf ihn aufmerksam und engagierte ihn für den Western BLACK PATCH, Goldsmiths erstem Kinofilm aus dem Jahr 1957. Es war der Beginn einer Karriere, die bis ins Jahr 2003 andauern und eine Vielzahl von Filmen und TV-Arbeiten einschliessen würde. Viel Zeit für anderes wie seine fünf Konzertwerke blieb ihm nicht. Goldsmith gewann einen Oscar (für THE OMEN), wurde 17 mal nominiert, ebenso 8 mal für den Golden Globe und holte sich fünf Emmys (unter anderem für QB VII, MASADA und STAR TREK: VOYAGER). Witzigerweise wurde er auch für 3 Razzies nominiert, zweimal für «worst song» (CONGO und FIRST BLOOD PART II) und einmal für «worst score» (KING SOLOMON’S MINES). Na, immerhin gewann er 1993 unseren Swiss Film Music Society Award für BASIC INSTINCT. 2017 ehrte in Hollywood mit einem Stern auf dem Walk of Fame. Nach seinem Tod 2004 wurde immer wieder eine Biografie seiner Tochter Ellen angekündigt. Leider ist es bis heute nur beim Vorhaben geblieben. In der Buchabteilung findet sich lediglich «Jerry Goldsmith: Music Scoring for American Movies» von DMG Edizioni mit 170 Seiten, was angesichts des Schaffens Goldsmiths erstaunlich wenig umfangreich ist.

Der Schwarm

von Phil Blumenthal

Auch wenn mich das anfänglich vorgenommene Konzept mit «wo und wann ich den Film gesehen habe» irgendwann zwischen Synthesizern und 7/8 Takt verlassen hat, vielleicht als Abschluss einige Reminiszenzen um den Komponisten. Als ich im Juli 2004 vom Tod von Jerry Goldsmith erfuhr, war es für ein, zwei Wochen durchaus ähnlich wie diese Zeit im Lockdown. Ich habe damals viele Goldsmith Musiken gehört, neuere, ältere, aber mit ganz anderen Emotionen. Damals starb ein Komponist, der für mich zeitlebens zu den versatilsten und genialsten Filmkomponisten gehörte. Seine Musiken, seine Themen, wie er aus einem Hauptthema diverse Motive ableiten konnte und seine Instrumentationen haben mich angezogen, wenn es auch mit den zugehörigen Filmen nicht immer geklappt hat. Goldsmith hatte Filme wie MOM AND DAD TO SAVE THE WORLD oder MATINEE nicht nötig, aber er war ein Schaffer, ein Arbeiter, er liebte seinen Beruf und war mit einigen Filmemachern, mit denen er wiederholt tätig war, gut befreundet. Anstatt ein Projekt auszulassen, nahm er lieber gleich zwei neue an, insbesondere wenn es ein Film eines Menschen war, mit dem er gerne zusammenarbeitete.

Als ich damals STAR TREK – THE MOTION PICTURE im Kino sah, konnte ich die musikalische Gefühlswelt, die mich umgab, nicht in Worte fassen, dazu war ich noch zu jung. Aber die Musik wusste mich zu packen, irgendwo zündete sie ein Lämpchen an, legte einen Schalter um, der mich (nicht zuletzt auch dank THE EMPIRE STRIKES BACK von John Williams, das sei hier gestattet zu erwähnen) für nun um die 40 Jahre träumen liess, wenn Raumschiffe, Verfolgungsjagden zu Fuss, in der Luft, auf der Strasse, zu Wasser oder hoch zu Pferd, Soldaten und Generäle, Monster und diabolische Mitwesen, Feen und Einhörner, Killer, Cops und Rachelüsterne, Dinosaurier und Affen, Liebe und Liebende musikalisch begleitet wurden. Einen ganz grossen Anteil daran hatte und hat nach wie vor Jerry Goldsmith. Seine Discografie nimmt immer nach wie vor den meisten Platz in meinen Regalen ein und auch wenn ich mal die ein oder andere CD nicht mehr finde: Einen Goldsmith habe ich noch nie verloren – auch wenn mir das CRIMINAL LAW Erlebnis (siehe Teil 6) eingefahren ist!

Mein erster Goldsmith

von Andi Süess

Als Phil mich bat, über meinen ersten Goldsmith zu berichten, machte ich mir sofort Gedanken über THE BLUE MAX. Aber dann kam ich ins Grübeln. War das wirklich mein erster Goldsmith, oder trügt mich nach so langer Zeit die Erinnerung? Ich meine, ich hatte immerhin Kaliber wie ALIEN oder STAR TREK: THE MOTION PICTURE im Kino gesehen. Aber laut meinen Unterlagen, die ich damals über meine Kinobesuche führte, kann deren Musik keinen wesentlichen Eindruck auf mich gemacht haben, ansonsten hätte ich es vermerkt. Und meine Gewohnheit, auf den Innenhüllen der LPs das Datum des Kaufs oder Erhaltens zu notieren, hilft mir hier auch nicht weiter, denn ausgerechnet bei ALIEN und ST: TMP fehlt diese Info.

Also doch THE BLUE MAX. Und hier ist das Datum denn auch festgehalten: So, 26. Juli 1981. Warum denn Sonntag, wird sich nun manch einer verwundert fragen. Nun, ich kam an jenem Sonntag von einer Mofa-Tour ins Tessin zurück, die ich mit einem Freund unternommen hatte, und das war halt einfach der Tag, an dem ich die LP erstmals in den Händen hielt. Grund für die Anschaffung des Albums war damals aber nicht der Komponist, sondern die Thematik des Films, und solches geht nicht immer gut. Ich tat mich mit der Musik zunächst unheimlich schwer. Aber was einem nicht sofort zugänglich ist, dem fühlt man sich später umso verbundener. THE BLUE MAX befindet sich heute nicht nur bezüglich Goldsmith sehr weit oben auf meiner Favoritenliste.

Aber auch ohne THE BLUE MAX hätte ich Jerry Goldsmith früher oder später wohl unweigerlich entdeckt, denn man kann seinem Schicksal letztlich nicht entfliehen. Heute gehört er zu meinen Top-3-Filmkomponisten, und frei nach Loriot darf ich ‒ gerne etwas übertrieben ‒ von mir behaupten: ein Leben ohne Goldsmith ist möglich, aber sinnlos.

Eispickelzeit

von Phil Blumenthal

Von Oulu und den beiden Konzerten dort habe ich im letzten Teil (6) kurz erzählt, nicht aber die kurze Begebenheit in der Garderobe des Maestros, der Jonathan, einem einstigen Mitglied der Goldsmith Society und der mir seither zu einem guten Freund geworden ist, seinen Dirigentenstab des letzten Konzertabends vermachte und ich bekam «bloss» eine Unterschrift in Rot auf mein orangenes UNDER FIRE Cover. Wie immer fragte Jerry, woher ich den kommen würde.

«Switzerland!»
«Oh I have been there before, gorgeous country. But I have only been to Geneva. Where exactly do you live?»
«In a smaller town near the capital Bern. It’s called Solothurn» (und versuchte dabei irgendwie das «th» zu stemmen)
«You really traveled a long way. Just to hear my music? Thank you so much!»
«Yours was a bit longer.»
«I’m used to it.»
«So how did you like the orchestra’s performance?»
«They certainly tried, we tried hard…»

Und dann wurden wir leider vom Orchestermanager unterbrochen, der mich beim Einlass, weil ich die Tickets an die kleine Mitreisendengruppe verteilte, als Schwarzhändler verdächtigte.

Dial J for Composer

von Phil Blumenthal

Es geschah einst, dass ich mit Lois Carruth, Jerry Goldsmiths langjähriger Assistentin, tatsächlich einen Termin für ein Telefoninterview verabreden konnte. Eigentlich wollte ich gar nicht, denn mit seinem Lieblingskomponisten ein Interview zu führen, das fühlt sich irgendwie komisch an. Einerseits ist da das «Fan sein», andererseits fehlt die Distanz und man hat Angst das falsche zu sagen. Lois erzählte mir, er habe eben DEEP RISING beendet, arbeitete bereits an einem neuen Film und würde mich verbinden sobald er eine Pause macht. Klar, geht ja auf meine Kosten. Facetime? Vergiss es. Das gute alte Telefon mit Schnur und viel Gewicht. Irgendwann war es denn soweit, ich ahnte nicht, dass es das schlechteste und kürzeste Interview meiner «Filmmusik-Journalisten» Tätigkeit werden würde.

Jerry schien gut gelaunt:
«Hey Phil, how are you?»
«Thanks, all’s well, how about you?»
«Pretty good. Working. So where do you live exactly?» (oh not again…)
«Small village, it’s called Langendorf, in the German speaking part but pretty close to the part where they speak French already.»
«French? Oh I was in Geneva once…»
«I rememeber.»
«So do live in a town or on the countryside?»
«Ah well, it’s more of a suburb but still quite country-like, I see a big hill called the Jura when I watch out of my window (…und denke dabei gerade darüber nach ob ich Tschura Englisch richtig formuliert habe).»
«Nice!»
«So, would you like the begin?»
«Sure, if you wish so…»
«Okay, let me see… first question. Do you think a score like THE OMEN still could be made under the circumstances and state of film music today?»
«Yes!»
Lange Pause.

Ich fühlte ein Unbehagen und sofort schoss es mir in den Kopf, oi nein, wieso musste ich bloss intellektuell sein? Was danach folgte war ein Gestammel meinerseits mit Kurzantworten seinerseits (unter anderem zu seinen Filmmusikkonzerten, Alex North, einer Neueinspielung zu PATTON und TORA! TORA! TORA!), das seither ganz tief in der hintersten Ecke im Garten irgendwo als «Mein Interview mit Jerry» begraben wurde.
Und die Moral der Geschichte? Mach keine Interviews mit Deinen «Lieblingen» und wenn, dann bitte einfach, simpel und schon gar nicht «the state of film music today» Zeugs. Oh well, ich habe es in den Sand gesetzt.

Rambo-Melodien, LPs und Youtube

von Manfred Schreiber

Kassettenliebe: Über VHS-zu-MC-Tape-Kopier-Action erreichten auch Jerry Goldsmiths Rambo-Melodien das Dörfchen Borstel, Kreis Segeberg (haarig, Mitte 1980er überhaupt wohlgesonnenes Videorecorder-Personal zu finden). Die Anderen vom Spielplatz hörten Nena, Falco und Geiersturzflug. Wegen SUPERMAN, RAIDERS und TEMPLE OF DOOM war ich instrumental vorbelastet – und zu John Williams gesellte sich ein „frischer Kollege“.

Seit dem ersten „Rambo-Film“ (an unserer Schule sprach niemand vom Originaltitel) gab es für mich Neues zu hören: Die Verschmelzung Orchester / Synthes bahnte sich fulminant ihren Weg, speziell, eingängig, irgendwie magic mixed, wunderbar gemünzt auf Bilder – Goldsmith Touch. „Rambo Teil 2“ (Welcome to the Schleswig-Holsteiner Provinz!) – es ging weiter, musikalisch sowieso: Dirty, polternd, elektrisch. Ein Klassenkamerad war es irgendwann auch leid – zu lange hatte ich ihn wöchentlich bekniet, mir doch seine LPs FIRST BLOOD und RAMBO FIRST BLOOD PART II zu überlassen. Der Kontakt brach ab. Die LPs bewahren die Geschichte. TWILIGHT ZONE klimperte, GREMLINS schwelgte, MEDICINE MAN beflügelte, FIRST KNIGHT berauschte. TOTAL RECALL – ein Jammer, dass man Audios nicht auch per Fax sandte. Schelmisch belud ich 1997 meinen Anrufbeantworter mit wuchtigen AIR FORCE ONE-Häppchen (komisch, Wolfgang Petersen bat nie um Rückruf).

Brutal, märchenhaft oder suspense – Passion versprüht jede Nuance: Goldsmiths Werke stehen als Charaktere, sie agieren keinesfalls nur als bloße „Hintergrundmusik“. Der verdiente Score-Arbeiter mit Zopf, Kopfhörer, Taktstock und Blick auf das Orchester – zahlreiche Youtube-Clips sind zu bestaunen, Oldschool-DVD-Sammlungen sowieso. Bandmaschinen gibt es kaum mehr. Seit 2004 muss ein Soundtrack ohne Jerry Goldsmiths‘ Drive auskommen. Es geht – aber, es klingt anders. Dieser INNERSPACE-Track ist Begleiter – seit Jahrzehnten: „Let’s get small“.

Ein schlechtes Omen

von Phil Blumenthal

Es war der 16. September 1995 in einem Hotel in Nottingham, Jürg Zbinden, ich und weitere mitgereiste Schweizer fanden zum Frühstück zusammen. Jürg und ich hatten vor danach nach Leeds zu fahren, dort gab es einen Filmmusikhändler, bei dem wir auch schon bestellt hatten und der einige Trouvaillen, wenn auch teure, im Verkauf hatte. Jonathan Axworthy, ein Engländer wie er im Buche steht, und das ist nur positiv gemeint, fand die Idee weniger gut, wünschte uns aber eine gute Fahrt. Wir bestiegen den Zug, fuhren die gefühlten drei Stunden nach Leeds und waren sogleich verloren. Es dauerte seine Zeit bis wir das verflixte Geschäft fanden und dann kamen wir jeder mit einer LP raus. Nicht gerade der Erdachte Grosseinkauf. Flugs zurück zum Bahnhof, den wir dieses Mal immerhin gleich fanden. Aber wo bleibt bloss der Zug? Warten, warten. Endlich, nach diversen Verköstigungen, kam er an, wir stiegen ein und waren frohen Mutes vor Beginn des Konzerts wieder in Nottingham zu sein. Irgendwo mitten in der englischen Pampa blieb der Zug stehen, nichts passierte mehr. Die Minuten verflossen… bis die Meldung kam, es würde sich um eine Sicherheitsmassnahme handeln und könne noch dauern. Spätestens als es eindunkelte wussten wir, ui, das wird knapp. Die Bahn stand nach wie vor an Ort und Stelle. Immerhin war die Bahngesellschaft so nett und spendierte Getränke. Jürg wollte einen Whisky.

«Only soft drinks are offered», schallte es in gewohnt britischer Distanziertheit.
«I don’t care. I pay for it!»

Spätestens jetzt wusste ich, was Jürg wusste: Wir würden es nicht mehr rechtzeitig schaffen. Doch da, es ruckelte, dieses wohlige Gefühl, wenn sich die Eisenbahn in Bewegung versetzt. Unbarmherzig tickte die Zeit. Endlich in Nottingham angekommen, rannten wir zum Taxi mit der Bitte uns so schnell wie möglich zum Hotel zu fahren – natürlich lagen die Tickets für das Konzert auf dem Zimmer. Es reichte immerhin noch zu Part II nach der Pause. Die war gerade fertig als wir bei der Konzerthalle vorfuhren und reinrauschten. Leider, leider waren die grossen Höhepunkte, RUDY und THE OMEN mit Chor für Teil 1 programmiert. Sch… ande!
Nach dem Konzert konnten wir Jerry immerhin noch betreffend «Score of the Year Award» sprechen, für BASIC INSTINCT notabene. Er hatte sichtlich Freude, bedankte sich herzlichst und wurde von der Menge, die vor dem Nebeneingang wartete, fast erdrückt. Erst Jonathans herzhaftes Eingreifen liess den Mann zur bereitstehenden Limousine gelangen.
Ich vergesse nie Jonathans trockene Frage: «Phil, was it worth it» (to go to Leeds)? Er wusste es genau, nein, war es nicht. Blöde englische Nah- und Fernverkehrsmittel.

Sein lassen oder nicht sein lassen

von Phil Blumenthal

Hier vor Ort gab es Mitte der 80er Jahre einst einen Musikalienhändler, der auch Tonträger mit einer kleinen Filmmusikabteilung zu zwei Boxen mit LPs führte, zumeist bestückt mit den bekannten Musiken à la C’ERA UNA VOLTA IL VEST, THE GODFATHER, die kurze GREMLINS oder dem was man auch sonst überall sah, Songdinger wie FLASHDANCE und Co., CATS (die ich am liebsten jeweils rausgenommen und woanders platziert hätte), ja und sogar den ein und anderen Georges Delerue (ich erstand da A LITTLE ROMANCE) und die Doppel-LP SUPERMAN-THE MOVIE holte ich mir einst in diesem Geschäft. Da war aber auch diese LP zu SUPERGIRL mit dem toll gemachten Cover von Matthew Peak. Weil ich damals aber so entsetzt über den Film war, machte ich um diesen Goldsmith lange (nicht zeitlich gemeint, eher die vielen Anläufe, die ich nahm um den Laden zu besuchen) einen Bogen, ich konnte mich irgendwie nicht überwinden mir diese LP zu kaufen.

Selbstverständlich blieb der Soundtrack einige Zeit im Regal, denn ausser mir scharwenzelte kaum jemand um das Filmmusikregal und wer in Solothurn wollte SUPERGIRL mit sich nach Hause nehmen? Trotz besseren Wissens also pilgerte ich immer wieder in diesen Laden, man weiss ja nie, vielleicht findet sich mal ein Williams oder so. Pustekuchen, der Bestand blieb immer der gleiche. Inklusive SUPERGIRL. Ich gestehe aber, dort einst auch Harold Faltermeyers BEVERLY HILLS COP gekauft zu haben, dafür schäme ich mich heute noch. Irgendwann hatte ich die 20.- Franken im Sack, radelte los und wollte mir SUPERGIRL holen. Und prompt war die LP weg. Es bleibt ein Rätsel wer sich das Stück unter den Nagel gerissen hat. Ein Tourist? Oder doch ein Goldsmith-Fan ganz in meiner Nähe? Da die LP aus dem Hause Colosseum stammte, war es zum Glück ein leichtes und der Musikalienhändler bestellte mir die Platte. So fand SUPERGIRL schliesslich bei mir ein Zuhause.

Mein erster Goldsmith

von Basil Böhni

Der Musik von Jerry Goldsmith bin ich erst in den späten 1990er Jahren verfallen – mit THE MUMMY (1999) und THE 13TH WARRIOR (1999). Meine erste Goldsmith-CD erwarb ich indes unwissentlich ein Jahr davor mit dem Soundtack-Album zu Disney’s MULAN (1998). Als Kind und junger Teenager begeisterten mich die alljährlichen Disney-Zeichentrickfilme – nicht zuletzt auch wegen den Songs – und im Nachgang des Kinobesuchs musste ich mir jeweils auch die CD kaufen. Im Falle von MULAN waren es jedoch weniger die Songs als die Musik ab der Filmmitte mit der dramatischen Sequenz rund um das niedergebrannte Dorf («The Burned-Out Village»), die mich zum CD-Kauf verleitete. Den Namen des Komponisten hatte ich damals zugegebenermassen noch nicht aktiv registriert. Mit meinem später erwachten Interesse an den Arbeiten von Goldsmith wurde mir bewusst, dass meine Goldsmith-Sammlung bereits vor THE MUMMY ihren Ursprung in MULAN fand. Es wäre fantastisch, von MULAN eine offizielle Neuveröffentlichung mit mehr Goldsmith-Musik drauf zu erhalten. Auch wenn ich andere Arbeiten von Goldsmith häufiger höre, so finde ich seine Musikthemen für MULAN auch heute noch sehr gelungen und die Musik klingt jedes Mal für längere Zeit nach.

Andere über Jerry Goldsmith

«The happiest phase of picture making comes with the blending of the music and dramatic content.  In my opinion, Jerry has no peer in the understanding and pursuance of both.  He is an artist who meets all the demands upon the composer in film.  His music stands by itself as a musical entity. »
Franklin J. Schaffner – (Quote from the aborted Carrie Goldsmith biography)

«What I love more than anything is Jerry Goldsmith’s 80’s music and Bernard Herrmann’s genre music from the 50’s and 60’s.»
Bear McGreary

«I don’t know anyone, regardless of genre, with Goldsmith’s stylistic versatility.»
Esa-Pekka Salonen

«A composer like Jerry Goldsmith, ‘sketches’ his cues, every creative detail is provided in these sketches – instrumental groupings, dynamics, and indications for all the notes. It is just written in a kind of compressed ‘shorthand’, perhaps with some occasional verbal instructions.»
Arthur Morton

«If I were a producer or director and I was looking for someone to score a film, my first choice would be Jerry Goldsmith.  Jerry is uncompromising in his drive for excellence, uncompromising in his bravery to experiment with other media.  He is the kind of composer that makes a film.»
Elmer Bernstein – (Quote from the aborted Carrie Goldsmith biography)

«I thought CHINATOWN was exquisite, I like a lot of Goldsmith’s stuff!»
Thomas Newman

«The catalog of work he did was enormous—and it’s not just film but television as well. And of course they’re very well-known pieces. I just wondered when he had time to do it all; this was in the days when composers did things by themselves, this was not in the days of assembly-line film scores. The man was a very busy guy!»
Philip Glass

«Brilliant work, I admired his freshness and versatility.»
John Williams

«The whole process stands out for me – his brilliance, his encyclopaedic musical knowledge, his comprehensive understanding of how music works with picture, and the generosity of his collaboration. Also, watching the total awe and respect the musicians hold him in. It was all a sheer delight.»
Phil Alden Robinson zu THE SUM OF ALL FEARS

«PATTON is one of my favorite scores, I think he is one of the best composers in Hollywood!»
Leonard Rosenman

«His scores were extremely varied, tailored to perfectly suit, support and enhance the films they were created for from Patton, Hoosiers, Under Fire and Chinatown (ingenious work). So Jerry was the obvious choice for me and I was really thrilled when he agreed to work with me. Since then we have had a most fruitful and fulfilling association.»
Fred Schepisi

«One of the first “R” rated movies I got to see was THE OMEN, and the music scared the (insert biological term) out of me. The same year came LOGAN’S RUN, which also made an impression and I can remember seeing PLANET OF THE APES on the 4:30 movie in New York around the same time. His scores were very direct and prominent.»
Mike Matessino (jerrygoldsmithonline)

«I met Jerry on several occasions, but the most important to me was when my agent, Richard Kraft, reintroduced us again much later in his life. I had already been working as a film composer for some time. Jerry and his wife Carol were so warm and friendly to me and to my wife Krys. Jerry and I became very good friends, frequently socializing. I never met a more down to earth person. This is a very unusual quality in someone who has such a prodigious gift. I know that Jerry was very grateful to my father for helping him early on in his career. I think he wanted to „pass that along“ and we had genuine affection for one another.»
David Newman

von Yavar Moradi

Das erste Stück von Jerry Goldsmith, das ich hörte, war wahrscheinlich seine Titelmusik zu STAR TREK: THE MOTION PICTURE. Doch es war nicht in jenem Film; ich hörte ein Arrangement für ein kleineres Ensemble von Dennis McCarthy für das Titelstück der TV-Serie STAR TREK: THE NEXT GENERATION. Im Alter von sechs oder sieben Jahre schaute ich die Serie mit meinem Grossvater. Woche für Woche kurbelte Jerrys Theme meine Fantasie an, obwohl er in dieses Arrangement gar nicht involviert war. Später begann ich damit die Star Trek Filme zu schauen, angefangen mit STAR TREK: GENERATIONS, komponiert von McCarthy und nicht Goldsmith. Doch als ich Goldsmiths majestätisches Thema für STAR TREK: THE FIRST CONTACT hörte, war es wieder da, dieses Gefühl, diese Fantasie, die von dem Stück befeuert wurde. Es war die erste Filmmusik, von der ich ein Album besass; und es war ein Geburtstagsgeschenk meines Grossonkels, dem jüngeren Bruder meines Grossvaters.

Obwohl STAR TREK mein erster Zugang zu Goldsmith war, dauerte es einige Zeit bis er zu meinem Lieblingskomponisten wurde. Seither hat sich mein Geschmack weiterentwickelt und ich habe mehr und mehr seines obskureren Schaffens erkundet, doch Trek wird immer einen speziellen Platz in meinem Herzen haben. Aber ich habe neue Favoriten entdeckt: THE ARTIST WHO DID NOT WANT TO PAINT, LONELY ARE THE BRAVE (einer meiner Lieblingsfilme mit einem Goldsmith Score) und QB VII, welcher – falls überhaupt ein Score sich so nennen darf – als Goldsmiths Magnum Opus betrachtet werden kann, umfasst er doch eine derartige  Breite seines Könnens und seiner stilistischen Fähigkeiten.

Yavar Moradi betreut den regelmässig erscheinenden Podcast zu Jerry Goldsmith: The Goldsmith Odyssey (goldsmithodyssey.buzzsprout.com)

Top of the World

Eine Liste mit Phils Lieblings-Goldsmithen zu machen ist wahrhaftig keine einfache Sache. Der Versuch einer Top 20:

  • ALIEN
  • THE BLUE MAX
  • CAPRICORN ONE
  • FIRST BLOOD
  • GREMLINS
  • HOOSIERS
  • HOUR OF THE GUN
  • LEGEND
  • THE OMEN
  • OUTLAND
  • PATTON
  • POLTERGEIST
  • PLANET OF THE APES
  • RIO CONCHOS
  • THE RUSSIA HOUSE
  • THE SAND PEBBLES
  • STAR TREK-THE MOTION PICTURE
  • TWILIGHT ZONE-THE MOVIE
  • TOTAL RECALL
  • UNDER FIRE

1.5.2020

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