Star Wars: The Last Jedi – Eine Filmkritik

Als vor zwei Jahren THE FORCE AWAKENS in unsere Kinos kam, hatte so manch ein Fan nach dem Dilemma (Debakel…) mit den Prequel-Filmen beinah zittrige Knie. Doch schon die ersten Filmbilder, die Schauspieler, ein richtig fieser, neuer Bösewicht und der Zugang von J.J. Abrams wieder mehr „Echtes“ als ein Dauerfeuer von CGI zu verwenden, zeigten die wohlige Wendung, die manch einer Disney nicht zugetraut hätten. „They did it! Sie haben es tatsächlich geschafft!“ Ja, THE FORCE AWAKENS war vielleicht nicht durchgehend brillant. Ja, es gibt ein, zwei Baustellen. Doch unter dem Strich war der Film eine richtig feine ober-starwarsige Sache, insbesondere für Fans der Original-Trilogie (also 4, 5 und 6) und diejenigen, die mit diesen Filmen aufgewachsen sind.

Und Disney lieferte mit ROGUE ONE-A STAR WARS STORY sogar nach, produzierte eines der besten Krieg der Sterne Abenteuer überhaupt, und das, erstaunlicherweise, in einem einzigen Film und nach so manchen Problemen beim Dreh! Wer hätte das gedacht? Doch die Dichte der Story, die Verquickungen und Verwindungen, das düstere, aussichtslose Element, die Schauspieler und die Idee – Vorsicht Spoiler – direkt an die Geschehnisse von A NEW HOPE voran zuknüpfen, war genial. Was also sollte mit THE LAST JEDI schief gehen, jetzt da wir zum Schluss von THE FORCE AWAKENS doch den guten Luke Skywalker wieder zu sehen bekamen?

Und so sind wir längst in einer Kritik über einen Film, der ungeahnte Rückfälle in die „Prequelerie“ (die Krankheit, die die Episoden I, II und III befiel) zeigt und was mit FORCE AWAKENS aufgebaut wurde, beinahe wie ein Kartenhaus zusammenstürzen lässt. Was also ging da bloss schief? Wie konnte es schief gehen? Waren sich die Macher nach den ersten Erfolgen und fast überwiegend positiven Reaktionen zu sicher?

Die Struktur ist wohlbekannt, parallel wird von mehreren Geschehnissen erzählt, das ist nicht neu für STAR WARS und daran liegt es nicht. Auch nicht an den an sich guten Darstellern, die zum natürlich vom Vorgänger übernommen wurden. Ein weiteres Mal, Vorsicht Spoiler: Wir kommen dem Geheimnis Kylo Rens und Rey näher und fast… aber eben nur fast. Wir lernen vom Versagen Luke Skywalkers, der sich seither isoliert hat und eigentlich nur noch auf seinen Tod wartet. Mit Rey und dem, was er in ihr sieht, will er schon gar nichts zu tun haben, Jedis ausbilden, das war einmal. Poe Dameron hat es nicht leicht in THE LAST JEDI. Die beginnende Raumschlacht hat auch ihren Reiz und eine weitere beenden die Schergen des First Orders gleich im Hangar des Rebellenkreuzers. Kylo Ren ist und bleibt ein faszinierender Bösewicht, Adam Driver trägt viel zum Gelingen bei.

Was lief hier also falsch? Nun, zum einen war die Wahl Rian Johnsons als Regisseur plus Storyschreiber möglicherweise nicht die richtige? Johnson kann mit dem guten LOOPER aufwarten, mit ein paar Episoden der Kultserie BREAKING BAD, aber es scheint als ob er STAR WARS nur gelernt aber nicht richtig verinnerlicht hat. Das jedenfalls vermittelt der Film an einigen Stellen. Wie sonst kann man Finn, bei FORCE AWAKENS bereits einer der Schwachpunkte, mit einer Rebellenmechanikerin, Rose, zusammentun und sie mit einer wichtigen Aufgabe betreuen, die sie notabene in das schwächste Szenario im Star Wars Universum seit langen befördert? Die Casinoszenerie ist völlig missraten, die Nebengeschichte mit den Riesenrennlämmern erinnert an einen Tiefpunkt wie Anakins Reitstunde in Episode II. Trief, trief tut er hier tröpfeln, der Kitsch. Wieso konnte niemand Johnson diese Sequenz ausreden? Sah man bei Disney schon die Verkaufszahlen von Spielzeug-Rennlämmern in die Höhe schnellen? Eine Sequenz auf Canto Bight ist sinnbildlich: Die Sprungschafe richten im Casino ein Chaos ei, springen durch eine Fensterwand. Später folgt eine ähnliche Einstellung, wieder wird fröhlich „hindurch gesprungen“ und wer es jetzt immer noch nicht geschnallt hat, ja, es passiert auch noch ein weiteres Mal. Sinnlos, dramaturgisch absolut unnötig und vom Effekt her schon beim zweiten Mal ein leichtes Kopfschütteln hinterlassend, jegliche Überraschung ist seit dem ersten Lämmerstunt längst passé. Was ist ums Himmels Willen bloss in die Macher gefahren?

Und wieso – Achtung, nochmals Spoiler – konnte Carrie Fisher/Leia nicht zum perfekten Zeitpunkt und mit einem emotionalen Knall von uns gehen, meine Güte, die Möglichkeit wäre doch da gewesen? Jetzt überlässt man, die Macht sei mit der guten Carrie, General Leia nach ihrem völlig missratenen Weltraumstunt weitere Screenzeit, die ihr nicht wirklich gut steht. Die frische, freche Mimik, das gewisse Etwas, das Leia immer ausmachte, kann Fisher ihrer Rolle nicht mehr geben. Müde wirkt sie, ausgelaugt, unnahbar, kalt. Das war schon in FORCE AWAKENS so.

Bleibt die Frage ob J.J. Abrams, den ich nur allzu gerne auch bei LAST JEDI auf dem Regiestuhl gesehen hätte, den Film in die richtige Bahnen hätte lenken können, Porgs und kristalline Salzfüchse weggelassen hätte und sich auf das besonnen, was er bei FORCE AWAKENS schaffte: Dem STAR WARS Fan der 70er und 80er Jahre das geben, was der Fan sehen möchte und die Erinnerungen auflebend, als er dereinst im Kino erleben durfte, wie ein Film eine ganze Generation beeinflusste. Natürlich steht ausser Frage, dass THE FORCE AWAKENS kein A NEW HOPE und sicherlich kein THE EMPIRE STRIKES BACK ist. Aber er ist eben so viel mehr, als es die Prequels waren.

Und nun? Nun bleibt ein leider überlanges Science Fiction „Spektakel“ (wie gesagt: man streiche die Casino-Sequenz, straffe den Film und umgehe einige Peinlichkeiten) mit ein paar netten Gags, durchaus auch dem ein und anderen starken Moment, zu denen die düstere Seite der Reihe zählt, so wie es für einen guten zweiten Teil sein sollte. Jetzt gerät man aber wieder auf die Schiene „alles zeigen was wir können“. Anstatt echten Menschen, „echten Masken“ verfällt man wieder in massenhaft CGI. Ein Fehler, der George Lucas mit seinen Prequels machte, wo kaum jemand auf die Bremse trat und ein „sorry, George, aber das ist Blödsinn“ auszusprechen wagte. Wie schade für eine hervorragende Ausgangslage, die mit FORCE AWAKENS geschaffen wurde. Die Schuld Disney alleine zu geben scheint mir aber zu weit hergeholt. Vielmehr mangelte es wahrscheinlich an zwei, drei ganz starken Persönlichkeit hinter der Kamera, etwas was ein Abenteuer wie STAR WARS braucht. Das hat damals, lange ist es her, schon RETURN OF THE JEDI ein wenig vermissen lassen, der schwächste Film der Originaltrilogie.

Es bleibt somit wahrhaftig eine Enttäuschung zurück, eine Leere, ein Vakuum, beim Fan, der ich mich als wahrhaftigen Liebhaber von STAR WARS bezeichnen möchte. So völlig anderes als nach THE FORCE AWAKENS oder seinerzeit, als man mit jenen grossen Augen und dem offenstehenden Mund einst den Kinosaal nach THE EMPIRE STRIKES BACK verliess. Vielleicht, wer weiss, vermag der zweite Kinobesuch daran was zu ändern? Eine weitere Chance werde ich THE LAST JEDI sicher geben. Ansonsten muss J.J. Abrams mit Episode IX die Kohlen abermals aus dem Feuer holen. May the force be with you, J.J.!

Bis dahin geben wir uns der Musik von John Williams hin, die als reines Hörerlebnis einige grosse Momente hat. Eine Rezi folgt demnächst.

Phil, 23.12.2017

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