Star Trek

2002 kam mit Star Trek: Nemesis der letzte Film der Reihe in die Kinos und es war, obwohl der Film nicht mal so schlecht und zweifellos besser war als jener misslungene fünfte Teil, der Star Trek Film mit dem schlechtesten Einspielergebnis an den Kinokassen. Das Publikum war Captain Picard und seiner Next Generation Crew scheinbar überdrüssig geworden, die spin-offs wie Deep Space Nine und Star Trek: Voyager zollten ihren Tribut. Es wurde alles langsam aber sicher zuviel des Guten.

7 Jahre später schickt man nun die alte Mannschaft um Kirk, Pille (im Original Bones genannt) und Spock erneut auf die Leinwand, allerdings in ihrer verjüngten Form als Kadetten der Sternenflotte. Ein marketingtechnisch ohne Zweifel sehr geschickter Schachzug, denn wer, der ein wenig mit Star Trek in Berührung gekommen ist, wollte nicht schon immer die Vorgeschichte des agilen Captain Kirks miterleben. Neu im Enterprise-Universum ist der Komponist, Michael Giacchino, der für Regisseur J.J. Abrams erfolgreich die TV-Serie Lostvertonte. Wie würde Giacchino ein Erbe, das Jerry Goldsmith mit fünf Scores und einer ganz famosen Titelfanfare hinterlassen hatte, vertreten?

Erster Höreindruck: Zunächst kann man seinen Score, nach dem fast leisen Intro mit dem Stück „Star Trek“ zu Star Trek, wie das elfte Filmabeneuer schlicht betitelt wurde, eingangs mit einem Wort zusammenfassen: Action. Giacchino beschwört in den frühen Tracks der CD ein wahres furioso an geballter Orchesterkraft herauf. Sein 6-Noten Hauptmotiv, das durchaus an Alexander Courages TV-Thema angelehnt ist – später sollen wir auch erfahren weshalb -, setzt er dabei sehr sparsam und vielleicht ein wenig zu verhalten ein. Man ist versucht zu sagen, wieder lässt ein grosser Hollywoodscore die Möglichkeit aus mit einem Thema wirklich zu arbeiten. Wer im Titelstück „Star Trek“ also einen deftigen Weltraummarsch oder ein klares Themenstatement erwartete, dürfte enttäuscht werden, wer burschikose und durchaus virtuose Action erwartet, dürfte hier schon mal gut entschädigt werden.

Das pfeffrige Chorstück „Nero Death Experience“ ist nicht schlecht gestaltet, das muss man Giacchino lassen (der nette Ausklang mit dem ultrakurzen TV-Themen-Zitat lässt auch ein kurz zufriedenes Trekkerlächeln übers Gesicht huschen), wenn auch die Frage auftaucht ob seit John Williams und Return of the Jedi jeder grossangelegte Weltraumfilm mit Chormusik ausgestattet werden muss. Man hört hie und da, dass Shores grosswuchtiger Choreinsatz aus Lord of the Rings ein bisschen Pate gestanden hat (und sicher Jedis „The Final Duel“, Siths „Anakin vs. Obi-Wan“), das Gefühl kommt irgendwie auch im esotherisch angehauchten „That New Car Smell“ kurzzeitig auf, auch sind ganz kurze, aber gut versteckte Momente von „Ilia’s Theme“ aus The Motion Picture (Ohren gespitzt) und ein Trompetensolo-Hinweis auf das „Enterprise“-Thema aus dem selben Film zu vernehmen.

Schliesslich und endlich werden wir in „To Boldly Go“ und den ersten Minuten der langen „End Credits“ auch mit Courages TV-Thema verwöhnt, endlich, endlich, endlich. Das macht, auch in der Form, in der es Giacchino arrangiert hat, einfach einen Heidenspass und ich hätte in der Tat mehr davon hören können. Die „End Credits“ sind, wie ich finde, wirklich mal wieder ein richtig deftiges Abschlussstück mit gekonnter Aufarbeitung des vorher Gehörten, eben in jener gut zusammengefassten Form, Art und Weise, die einfach Spass macht zum Zuhören. Giacchino könnte es eigentlich… aber das hat er mit dem deftigen Cloverfield Schlusstück, dem einzigen Stück Originalmusik in diesem Film, ja auch gezeigt!

Mit knappen 45 Minuten ist die CD für einen grossen Blockbuster für einmal sogar nicht mal überprogrammiert, obwohl ich mich schon frage, wann vielleicht wieder eine „more music from“ Scheibe auf den Markt geworfen wird?
Es ist nicht der grosse Wurf à la The Motion Picture oder Star Trek II – The Wrath of Khan und sicher fehlt ihm auch ein feines Thema à la Star Trek: Insurrection, aber Star Trek ist doch ein kleines, positives Blockbuster-Signal – ein Tröpfchen auf den heissen Stein wohl.

Phil, 20.5.2009

 

STAR TREK

Michael Giacchino

Colosseum CST-6966.2

44:58 Min. / 15 Tracks

 

 

 

 

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