The Spiral Road

Und wieder veröffentlicht der Varése-Club einen jahrzehntelang von Universal unter Verschluss gehaltenen, frühen Goldsmith-Score. Zwar dürften viele Fans mit The Spiral Road dank einer Schwarzpressung schon längst vertraut sein, aber auch jenen ist dieses klanglich vorzügliche und im Gegensatz zum suitenförmigen Bootleg in Einzeltracks aufgeteilte Album wärmstens zu empfehlen.

Der auf Java spielende Film um den karrieregeilen Doktor Anton Draeger (Rock Hudson), dessen rücksichtsloses Verhalten beim Tropenarzt Brits Jansen (Burl Ives) auf wenig Verständnis stösst, ist Goldsmiths erster cineastischer Ausflug nach Fernost; eine Destination, die ihm liegt, wird er sie doch auch künftig regelmässig mit grosser Inspiration wieder aufsuchen.

Für The Spiral Road setzt sich der Komponist mit Gamelan, der traditionellen Volksmusik Javas, auseinander. Obwohl ihm bei der UCLA eine ganze Sammlung authentischer Instrumente zur Verfügung stünde, ist Universal die Leihgebühr zu hoch, daher sieht sich Goldsmith gezwungen, deren Klang so echt wie möglich zu imitieren, was ihm seiner (und auch meiner laienhaften) Meinung nach sehr gut gelingt. Dabei setzt er die Gamelanmusik nicht nur volkstümlich ein, sondern nutzt sie ‒ etwa in Burning Village ‒ schon mal für dramaturgische Zwecke.

Asiatischer Natur ist auch das sanft wogende Liebesthema, das mich in Tracks wie Worth Waiting For und Interrupted Idyll zuweilen mehr dem Golden- als dem Silver-Age verhaftet scheint; etwas, das bei Goldsmith doch eher Seltenheitswert hat. Mit feinem Humor durchsetzt ist das forsche Thema für Jansen, durch Tuba und Bariton schwerfällig (eine Anspielung auf Burl Ives‘ Leibesfülle?) und behände zugleich.

Vor allem im letzten Drittel kommt praktisch durchgehend bereits Goldsmiths feines Händchen für markante Action und die tiefgründige Dramatik, die in den folgenden Jahren zu seinen Markenzeichen werden, zum Vorschein. Unermüdliche Bläserattaken und effektvolle Schlaginstrumente wie Pfannen (unter den 11 Perkussionisten befindet sich übrigens John Williams Senior) sorgen für ein furioses Spektakel, das sich hinter späteren, viel gepriesenen Werken des Komponisten nicht zu verstecken braucht.

The Spiral Road mag in Goldsmiths Schaffen nicht so bedeutend und wegweisend sein wie die im selben Jahr entstandenen Lonely Are The Brave und Freud und deshalb nicht deren Stellenwert geniessen, nichts desto trotz handelt es sich um einen sehr farbenfrohen, abwechslungsreichen und gehaltvollen Score, der jeder Filmmusik-Sammlung gut ansteht. Und bitte noch etwas Platz im Regal frei lassen, denn die nächsten Universal-Goldsmiths kommen bestimmt.

Andi, 18.5.2010

 

THE SPIRAL ROAD

Jerry Goldsmith

Varése Sarabande VCL 0310-1105

65:04 Min. / 34 Tracks 

Limitiert auf 3000 Stück

 

 

 

 

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