Spider-Man: Homecoming

Michael Giacchino

Sony Music

68:18 Min. / 22 Tracks

Mit SPIDER-MAN: HOMECOMING (2017) ist Regisseur Jon Watts ein beachtliches Mainstream-Debüt gelungen. Der Film sprüht vor jugendlicher Energie und charmantem Witz. Die Filmmusik komponierte Michael Giacchino und so quirlig, selbstbewusst und vorwitzig sich der Teenager Peter Parker bzw. Spider-Man durch das Filmvergnügen schwingt und spinnt, so quietschlebendig ist auch Giacchinos musikalisches Portrait ausgefallen.

Das Album eröffnet mit einer kurzen aber knalligen Neuinterpretation des legendären Titelthemas der TV-Serien, komponiert von J. Robert Harris und Paul Francis Webster. Im weiteren Verlauf spielt das TV-Thema jedoch auf keinem Ton mehr. Dafür folgt mit dem zweiten Stück ein erstes kurzes Zitat aus Alan Silvestris Titelthema zu THE AVENGERS (2012; merkwürdigerweise im Booklet mit keinem Wort erwähnt), da Spidey mit seinen Aktionen nicht zuletzt auch das Interesse dieser Helden-Truppe weckt und es im Verlaufe des Films mehrmals zu thematischen Berührungspunkten kommt. Nach diesen Zitaten bereits bekannter Themen führt Giacchino seine eigenen Ideen ins Feld. Dabei gelingt es auch ihm, ein fantastisches Thema für den Titelhelden in den Reigen bereits starker Spidey-Themen von Danny Elfman, James Horner und Hans Zimmer einzubringen. Während das erste Themenstatement im Stück «Academic Decommitment» sogleich das mitreissendste geworden ist, bleibt das Thema auch während den weiteren Stücken stets präsent und durchläuft zahlreiche, schön ausbalancierte Variationen – lässig-cool, verspielt, rasant und melancholisch. Dieses Thema verzwirnt Giacchino immer wieder in knackige Action-Stücke, die mächtig Gas geben, dabei jedoch agil bleiben und nicht zu bedeutungsschwangerer, bleierner Schwere verkommen. In Sachen Action-Musik gehören «Monumental Meltdown», «Bussed a Move» und «Fly-By-Night Operation» zu den Highlights. Das Bösewicht-Thema ist weniger inspiriert und ähnelt Schurken-Motiven aus früheren Arbeiten wie STAR TREK (2009). Daher vermag es kaum einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. In «No Vault of his Own» und in der abschliessenden «Spider-Man: Homecoming Suite» präsentiert Giacchino noch ein feines Liebesthema. Die Romantik erhält in dieser Musik jedoch nicht annährend so viel Platz wie beispielsweise bei Horners THE AMAZING SPIDER-MAN (2012), weshalb dieses Thema letztlich eher am Rande verbleibt. Auch Melancholie konzentriert sich primär auf «A Stark Contrast» (hier erklingt dann übrigens auch ein weiteres Statement von Silvestris Thema), doch die Leichtfüssigkeit des Titelthemas lässt die Musik trotz überwiegender Action nicht zu einem ermüdenden Trommelfeuer verkommen.

Nach DOCTOR STRANGE (2016) setzt Michael Giacchino seine Arbeit für Marvel fort (in Bezug auf abendfüllende Filme; zwischen diesen beiden Filmen hat er auch noch die neue Marvel-Fanfare komponiert). Dabei ist ihm mit SPIDER-MAN: HOMECOMING eine noch bessere, da selbstironischere und verspieltere Musik mit mehr Abwechslung gelungen. Der jugendliche Übermut der Hauptfigur gibt der Musik mehr Pfiff, womit HOMECOMING einfach nur für gute Laune sorgt. HOMECOMING ist der kurzweiligste Giacchino-Score seit TOMORROWLAND (2015) geworden.

Odd and Oddities zum Schluss: Neben den üblichen humoristischen Track Titles hat Michael Giacchino ganz am Schluss des Albums (noch zur «Suite» zählend) eine kurze Chorkomposition und eine Art Ausschnitt aus dem Alltag im Aufnahmestudio mit einer holprigen Bläser-Tonleiter (zum Einspielen?) auf die CD gepackt. Wieso, bleibt unklar. Diese knapp 50 Sekunden hätte man jedoch definitiv besser weggelassen und damit die tolle «Suite» nicht «verwässert».

Basil, 27.07.2017

 

 

 

 

 

 

 

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