Sinister

„Sinister“ kann mit „böse“ und „unheimlich“ übersetzt werden. Damit ist der Titel des neuen Films von Scott Derrickson zumindest in Bezug auf die dazugehörige Filmmusik von Christopher Young Programm. Die Filmmusik zu Sinister (2012) ist so experimentell und unheimlich, dass sie als reines Hörerlebnis zur totalen Tortur geworden ist.

Young hat sich besonders als Horrorfilmmusik-Komponist einen Namen gemacht, weil seine Kompositionen für dieses Genre nicht nur aus einer Aneinanderreihung unerträglicher Dissonanzen und Schock-Effekten bestanden, sondern meistens auch sehr harmonische Musikmomente mit sich brachten. Man könnte meinen, dass er sich mit Sinister erneut auf für ihn wohlvertrautes Parkett begibt und entsprechend erneut eine Mischung aus orchestraler Grusel-Horror-Musik und klangschönen Passagen abliefert. Doch das ist hier nicht der Fall. Über weiteste Strecken experimentiert Young mit Elektro- und Sound-Effekten. So setzen sich denn auch viele der Stücke aus klickenden, flüsternden, sprechenden, hauchenden, zerbrechenden, kreischenden und knirschenden Geräuschen zusammen. Das ist in der Tat extrem gruselig anzuhören und sehr unangenehm. Damit erinnert Sinister weniger an frühere Arbeiten von Young als an die Musikzusammenstellung für Martin Scorseses Horror-Thriller-Hommage Shutter Island (2010).

In diese Grusel-Sound-Tapete mischt sich ab und an („Never Go In Dad’s Office“, „My Sick Piano“, „Pollock Type Pain“ und „Sinister“) zwar ein simples, lediglich auf Klavier vorgetragenes Motiv, doch dieses ist nicht annähernd ausreichend melodisch, um als Thema nach dem Hören in Erinnerung zu bleiben. Es gibt den genannten Stücken lediglich eine fragil-mysteriöse Note, die ohne den Bildkontext leider nicht wirklich eingeordnet werden kann.

Den Album-Abschluss machen eine Score-Suite, „Sin Sister Sweet“, und ein Remix. Auch hier regiert die Effekt-Hascherei und die Disco-Beats im letzten Track wirken, wie so oft, deplatziert.

Fazit: Sinister von Christopher Young mag zu den Filmbildern passen und auf konzeptioneller Ebene eventuell intelligent ausgefallen sein, doch als Hörerlebnis ist diese Arbeit schlicht eine Tortur. Im Booklet-Text schreibt Young folgendes: „Scott allowed me to finally abandon the orchestra for a genre film, giving birth to my first all synth/sound design-based score. This is something I’ve wanted to do for a very long time.” Bleibt zu hoffen, dass Young es bei diesem Synth/Sound-Design-Score belässt und sich künftig wieder dem Orchester bedient.

Basil, 10.11.2010

 

SINISTER

Christopher Young

Varèse Sarabande

60:46 Min. / 13 Tracks

 

 

 

 

 

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