Scream 4

Nach über 10jähriger Pause der erfolgreichen Serie schmiss Wes Craven Teil 4 auf den Markt, doch an die Erfolge der vorherigen drei Filme konnte Scream 4 bei weitem nicht anknüpfen, im Gegenteil, in heimischen Kinos war der Horrorstreifen sogar ein unerwarteter Flop. Doch „traditionellere“ Genrefilme haben es in der Masse an blutrünstigen und teilweise überbrutalen Splatterfilmen im Moment ganz schön schwer. Ausserdem war die Serie wohl mit Teil 3 schon ausgelutscht (zweifellos auch der schwächste des bisherigen Trios). Das Augenzwinkernde und die Frische des Originals, die Reminiszenzen an die 80er Horrorwelle, konnte keines der Sequels mehr erreichen.

Mit ins Boot nebst dem einen oder anderen Darsteller kam auch wieder Marco Beltrami, der alle Scream Teile vertont hat. Scream-Atmosphäre taucht denn auch sofort in Track 1, You’re Not Real, auf mit Beltramis Standardbewaffnung aus dem Horrorabteil. Furiose Streicher, brutale Bläserattacken, Perkussion, Effekte – eine ganze Handvoll recht gut gemachter Grusel- und Schockermusik bietet die CD, allen voran der erwähnte Eröffnungstrack, Which Closet, The After Party oder kurz und heftig, Gail and Ghostface.

Alte Bekannte aus den vorhergehenden Scores sind natürlich Deweys Thema, gespielt von der bekannten E-Gitarre (Dewey in the Morning) und Sidneys Motiv für Synthies und Samplechor (When You Let Someone Go) oder als Klavierarrangement mit Streichern in I Know How You Feel. Dass Dewey im gesamten Score allerdings mit nur knapp 30 Sekunden auskommen muss, hat mich (ohne den Film gesehen zu haben) schon ein wenig erstaunt.

Scream 4 ist ein kraftvoller und streckenweise überraschend gut gelungener Abschluss (?) der Reihe. Einige tolle Horrorstücke wechseln sich mit erstaunlich kurzweiligem Suspensematerial ab. Ich muss gestehen, dass ich weniger von Beltramis vierten Teil erwartet habe, aber der inzwischen 44jährige Komponist zieht hier, zumindest teilweise, einige seiner besten Register. Wer den Scream-Sound mag, der dürfte ob dieser CD erfreut sein. Wer weniger damit anfangen kann, dem werden die 58 Minuten wohl zu viel des Guten sein, denn eine musikalische Entwicklung findet nie statt. In-your-face Musik und bekannte Muster dominieren, aber Beltrami weiss wenigstens damit umzugehen. Horrorfans der etwas moderneren Stunde sei der Score jedenfalls mit gutem Gewissen empfohlen.

Phil, 4.8.2011

 

SCREAM 4

Marco Beltrami

Varèse Sarabande

57:34 Min. / 21 Tracks

 

 

 

 

 

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