Prophecy

Prophecy war einer jener Filme, der damals, in der Hohezeit des Videofilmbooms, in der Horror-Ecke der örtlichen Videothek lag und den man sich alleine des Regisseurs wegen schon mal ansehen wollte. Frankenheimer und Grusel à la Jaws plus Umweltproblematik? Der Film ist ein allerdings ziemlicher Reinfall und bleibt auch als solcher in Erinnerung. Man lese dazu nur mal die Taglines auf dem Filmposter rückseitig des Booklets: Wenn soviel Text gebraucht wird um einen Film anzupreisen, dann stimmt meistens etwas nicht.

In einem grossen Waldgebiet in Maine werden durch die Abwasser einer Papierfabrik Krankheiten bei den heimischen Indianern und merwkürdige Veränderungen bei Tieren festgestellt, darunter ein grausig deformierter Bär, der in den Wäldern sein tödliches Unwesen treibt und zehn kleine Negerlein spielt.

Leonard Rosenman in Verbindung mit einem Horrorfilm zu sehen hat durchaus was – eine Kombination, die interessant sein könnte. Also flugs die CD bestellt, denn eine Nachwirkung der Musik, aus den 80ern zurückbleibend, war längst verflogen.

Rosenman hat eine währschafte Horromusik für Orchester und interessante Beigaben wie dem Blaster Beam, der ja mit Jerry Goldsmiths Star Trek: The Motion Picture kurz darauf filmmusikalische Berühmtheit erlang, geschrieben. Auf grosse melodische Spielereien muss man folglich verzichten, auch wenn Rosenman da und dort und speziell im ersten Drittel noch für etwas Wärme und Ausgeglichenheit sorgt. Doch je länger der Score (und der Film) dauert, desto mehr legt er Wert auf Spannung und Schrecken, bis hin zum Finale mit einem netten Twist.

Prophecy beginnt zünftig mit The Search Party, einem tempo- und ereignisreichen Stück für ganzes Orchester mit Betonung auf kräftigem Blech und arbeitsamen Violinen. Zum ersten Mal verschnaufen kann man mit dem triumphierenden Reisetrack Flight to Maine, der in den ähnlich gelagerten Road Block, mit seinen kristallklaren Violinen, übergeht. Ein letztes optimistisch klingendes Stück ist Water Journey, das gleich im Anschluss an Forest Fight folgt. Im Booklet wird die hier geschaffene Stimmung treffend als „warm nature material“ beschrieben.

Es folgen eine Reihe suspenselastiger Stücke durchbrochen von einzelnen Schreckmomenten (Attack on the Family), ehe Rosenman mit Stück 12, The Monster Attack endgültig die Schwelle zu mehr Aktion und Grusel „überschreitet“, uns auf eine rechte tour de force mitnimmt und nur noch bruchstückweise wärmere Momente erklingen lässt. Im eben erwähnten Track ist zum ersten Mal auch der Blaster Beam zu hören, der folgend immer wieder mal eingesetzt wird.

Prophecy ist ein, man verzeihe mir die Routinebemerkung, handwerklich toll gemachter Gruselscore, der zum Glück nicht mit langweiliger Effekthascherei sondern mit teilweise gelungenen Actionmomenten und ausgefeilten Orchestrationen glänzt. Freilich gibt es auch hier die typischen Horrormomente mit Clustern, atonal schrillen, aushaltenden Holzbläsernoten, prägnanten Attacken von tiefem Blech. Wer aber auf recht nett gemachte Horrorfilmmusik steht, wird mit Prophecy sicher gut bedient. Ist man nicht so ganz in Stimmung dazu, kann die unablässige Folge von atonal gehaltenen Stücken wie Monster Mash, Blub, Blub, Instant Skylight und End Credits allerdings schon Mal ermüdend wirken.

Phil, 9.4.2010

 

PROPHECY

Leonard Rosenman

Film Score Monthly
Silver Age Classics FSM Vol.13 No.1

42:44 Min. / 20 Tracks

 

 

 

 

 

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