Pirates of the Caribbean: Dead Men Tell No Tales

Geoff Zanelli

Walt Disney Records

71:42 Min.
17 Tracks

Mit Dead Men Tell No Tales (2017) steigt die Pirates of the Caribbean-Franchise in die fünfte Runde. Bereits anfangs September 2014 wurde auf einschlägigen Foren und auf Fan-Websites bestätigt, dass Komponist Geoff Zanelli für die Musik verantwortlich zeichnen werde – notabene 2.5 Jahre vor dem Kinostart. Das ist aussergewöhnlich. Diese Neuigkeit wurde dann zwar konsequent wieder gelöscht, was Spekulationen anfeuerte, doch nun segeln Captain Jack Sparrow und seine Crew wieder über die Weltmeere und die Musik stammt tatsächlich aus Zanellis Feder. Wieso die Meldung von 2014 wieder vom Netz genommen wurde, bleibt unklar, kann jedoch wohl einfach in die Schublade „Kuriositäten dieses Business“ gesteckt werden. Zanelli erfindet das Rad sinnigerweise nicht neu, doch das tut dem Unterhaltungswert des Ergebnisses keinen Abbruch und Walt Disney Records muss gedankt werden für eine gelungene Albumpräsentation gänzlich ohne desolate Techno-Remixes und sonstige Deluxe-Download-Only-Veröffentlichungswirren.

Geoff Zanelli hat schon etliche Filme im Alleingang vertont und als getreuer «additional composer» mischte er bis dato bereits bei etlichen Filmmusiken von Hans Zimmer mit – darunter auch jede Pirates-Filmmusik seit der ersten Stunde und mit seinem mitreissenden, wuchtigen Finale-Track von The Lone Ranger(2013; Zimmer als Hauptkomponist genannt) profilierte er sich weiter. Mit Pirates of the Caribbean: Dead Men Tell No Tales erscheint indessen zweifelsohne sein bisher prestigeträchtigstes Solo-Projekt. Mit seiner Mitarbeit an den bisherigen Pirates-Musiken aus der Feder von Hans Zimmer (und Klaus Badelt im Falle vom ersten Teil der Reihe) war er mit dem inzwischen bestens bekannten Pirates-Sound durch und durch vertraut. So ist es wenig überraschend, dass sich seine Musik zum fünften Teil nahtlos in die bisherigen Arbeiten einreiht – entsprechend wird er Kritiker der ersten Stunde nicht umzustimmen vermögen, stösst aber auch keine Fans der Musik zu den Teilen eins bis vier vor den Kopf. Sowie die Geschichten um Jack und Co. weitererzählt werden, etliche bekannte Charakteren aus früheren Filmen wieder mitmischen und sich neu mit Bösewicht Salazar anlegen, so finden sich in Zanellis Musik all die bekannten Themen von Zimmer wieder, neben neuen Themen von Zanelli selbst für Salazar, Carina Smyth und den Dreizack von Poseidon. Im Ergebnis entpuppt sich damit Dead Men Tell No Tales für heutige Filmmusikverhältnisse zu einer regelrechten Themenorgie, an der Kenner wie Neulinge dieser Franchise ihre Freude haben dürfen.

Die neuen Themen von Zanelli ringen mit viel Präsenz um einen «Platz an der Sonne», doch kommen sie an das Marry Me-Thema, die inzwischen weltberühmten Themen um die Figur Jack Sparrow und die Piratenhymne „Hoist the Colours“ nicht heran. Salazars Thema mäandert zu sehr in dumpfen Gefilden etlicher anderer Bösewichter-Themen herum. Das Thema von Carina ist schön anzuhören, fällt in der Musik jedoch weniger mit einer auffälligen Tonabfolge auf, sondern eher durch das häufige Spiel auf einem tiefen Blasinstrument (Duduk, Bassklarinette?). Ein gefälliges Thema, das zwar kaum im Ohr hängen bleibt, aber im Stück „The Brightest Star in the North“ eine willkommene und berührende Verschnaufpause vor dem grossen Finale bietet. Das Dreizack-Thema erklingt bereits im vierten Stück, „You Speak of the Trident“, zum ersten Mal, entfaltet aber erst in „Treasure“ einen epischen Charakter. Diese neuen Themen fügen sich perfekt in die bisherigen Themen aus Zimmers Feder ein, erreichen jedoch zu keinem Zeitpunkt eine vergleichbare Ohrwurmqualität. Mit „I’ve Come With the Butcher’s Bill“ startet Geoff Zanelli in ein furioses, rund 25-minütiges Finale. Während diesen letzten fünf Stücken – „I’ve Come with the Butcher’s Bill“, „The Power of the Sea“, „Treasure, My Name is Barbossa“ und „Beyond My Beloved Horizon“ – lässt er nochmals alle bekannten Themen der bisherigen und der aktuell vorliegenden Filmmusik miteinander aufspielen. Das Ergebnis ist nach bereits gut 40-minütiger Albumspielzeit zwar etwas zu überwältigend mit dem konstanten epischen Ausmass, aber „freigestellt“ für sich betrachtet/programmiert sind diese Stücke ein schöner Leckerbissen für alle, welche an der bisherigen Pirates-Musik Gefallen fanden – eine „Rundschau“ durch alle fünf bisherigen Soundtracks, quasi.

Fazit: Geoff Zanelli hat für Pirates of the Caribbean: Dead Men Tell No Tales eine Franchise-treue Filmmusik komponiert. Wie er die bisherigen Themen alle miteinander verwebt, ist kurzweilig und im Falle der letzten fünf Stücke wirklich beeindruckend. Wären nun seine neuen Themen ebenso stark ausgefallen wie beispielsweise „Hoist the Colours“ oder das „Marry Me“-Thema, beide aus Pirates of the Caribbean: At World’s End, hätte er dieser bisher besten Musik der Franchise das Wasser reichen können. So wie sich das Ergebnis nun jedoch auf dem vorliegenden Album präsentiert, ist Zanelli eine sehr unterhaltsame Sommer-Blockbuster-Musik mit viel Kraft und Spass gelungen. Entsprechend wäre es definitiv erfreulich, wenn es mit Zanelli auch für künftige Pirates-Abenteuer ein Wiederhören gäben würde.

Basil, 22.6.2017

 

 

 

 

 

 

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