Patton (Intrada)

Mit Patton gelang es Franklin J. Schaffner eine umstrittene, unverwechselbare und bemerkenswerte Figur des 2. Weltkriegs mit Hilfe eines fantastischen George C. Scott und eines auf Fakten beruhenden Drehbuchs auf die Leinwand zu bannen – und damit einen grossartigen „Lebensabschnitts-„ und eindrücklichen Kriegsfilm zu schaffen.
Patton war ein Militär der alten Schule, eine Primadonna und ein ausgefuchster Taktiker. Aber auch ein Anführer, der von seinen Soldaten absoluten Gehorsam und Disziplin forderte und sich nicht scheute, seine Doktrin über den Verlust an Menschenleben zu stellen. Ich kann den Film immer wieder sehen und bin fasziniert von der Umsetzung und dem packenden Spiel eines höchst charismatischen Scotts. Und last but not least natürlich auch wegen der Musik.

Jerry Goldsmith hat, wenn er den Nerv des Film getroffen hat (und das war bekanntlicherweise nicht selten der Fall) einen innigen Bezug zum Stoff und den Hauptprotagonisten auf seine Notenblätter gekritzelt. Dabei spielte gerade in seinen Werken aus den 60ern und 70ern eine wichtige Rolle einen Film nicht mit Musik vollzukleistern, sondern gezielt und intelligent die Stellen auszusuchen, so dass das Herz des Films immer auch in der Musik zu finden war.

Hier ist es der General, dem die musikalische Aufmerksamkeit gilt. Drei wichtige Bestandteile im Leben des eigenwilligen Generals fasst Goldsmith in seiner Musik zusammen: Reinkarnation, an die Patton unumstösslich glaubte (wiedergegeben in den Echoplex-Trompeten). Sein Glaube, ein etwas abgenutzter Begriff bei den Amis, aber für Patton ein eminenter Bestandteil (zB. Holzbläser in The Battleground, The Prayer). Krieg und Militär, schliesslich und schlussendlich Pattons Lebensader (mit dem eloquenten Patton-Marsch für die noblere Seite des Soldaten umgesetzt).

Diese drei Hauptteile entsprechen also der Titelfigur und fügen sich bestens zusammen. Ein weiteres Motiv ist jenes für Pattons Feind, die Deutschen, reserviert. Dieses taucht im Film nicht allzu oft auf (German Advance, An Eloquent Man), hinterlässt aber dort ebenso wie auf CD mit seiner markigen Art einen starken Eindruck.

Es ist bemerkenswert wie viel Goldsmith mit so wenig Musik herausgeholt hat und wie ein Score mit einem Filmstoff verschmelzen kann, selbst wenn nur die CD läuft. Hier hat einfach alles gepasst: Regisseur, Stoff, Darsteller (Karl Malden sei nicht vergessen mit einer ganz feinen Darbietung als General Omar Bradley), Kamera und eben der Komponist.

Ja, das hier ist die x-te Veröffentlichung von Patton und ganz klar, wer sich die bisherigen zugelegt hat, braucht diese Intrada Doppel-CD nicht wirklich – ausser man ist auf den Patton-Bugle scharf…
Ansonsten entspricht CD 1 der FSM-CD (ohne die Echoplex-Aufnahemsessions). Und da CD 2 schlicht und ergreifend die Einspielung präsentiert, die Goldsmith in England mit dem National Philharmonic für die Soundtrack-LP aufnahm, dürften die meisten wohl eh über alles verfügen, was Patton musikalisch auszeichnet.
Wie ich andernorts schon mal geschrieben habe, unterscheidet sich die Originalaufnahme zu Patton dadurch, dass sie kantiger, roher klingt als die Soundtrack-Einspielung, für die Goldsmith ausserdem Tracks zusammengefügt und anders sequenziert hat sowie mit Winter Marcheine ungemein attraktive Version des Materials für die Deutschen zugefügt hat. Aber alleine das Weglassen von im Film so wichtigem Material wie The Cemetery und The Prayer sowie der im Orginal zu vernehmende, dramaturgische Aufbau, führen mich immer zur Originalaufnahme zurück – ausserdem kann ich auf die beiden Stücke mit Pattons Ansprache durchaus verzichten.

Und siehe da, Julie Krigo wurde hier für einmal etwas mehr Platz eingeräumt um ihre Liner Notes zu schreiben, trotzdem greife ich hierfür lieber auf das FSM-Booklet zurück.

Ein filmmusikalisches Meisterwerk ohne Wenn und Aber.

Phil, 10.12.2010

 

PATTON

Jerry Goldsmith

Intrada  MAF 7110

CD 1: 17 Tracks / 42:43
CD 2: 14 Tracks / 35:02

 

 

 

 

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