Outland (FSM)

Ja, der Goldsmith-Fan kommt einfach nicht zur Ruhe. Was da in den letzten Monaten alles auf den Markt geschmissen wurde, durfte sich zum grossen Teil sehen lassen – solange man uns nicht einen verlängerten Mr. Baseball vorsetzt (gut, Rent-a-Cop war schon dran…), wollen wir nicht klagen. Über eine „Filmversion“ von OUTLAND wurde schon seit längerem gemunkelt, da rieb ich mir die Händchen also seit einiger Zeit, auf dass sie fast schon wundgerubbelt waren.

In der Art von ALIEN und The Wind and the Lion präsentiert (dieses Mal allerdings) FSM die Musik auf zwei CDs, die erste Scheibe mit dem knapp 64 minütigen Filmscore und 7 Bonustracks, die zweite mit dem bekannten Albumschnitt.

OUTLAND ist ein Science Fiction Actioner in High Noon Manier, inszeniert von Peter Hyams mit Sean Connery (nebst seinen 007 Auftritten selten so gut besetzt wie hier) in der Rolle des Marshalls, der in einer Minienkolonie auf dem Jupitermond Io zum Rechten schauen soll, sich aber einem abgekarterten Spiel gegenübersieht, in dem der Manager der Firma den Arbeitern zur Leistungssteigerung und um von der Eintönigkeit in einem gefährlichen, öden Ambiente abzulenken, den Drogenhandel florieren lässt. Marshall O’Neil, verlassen von Frau und Sohn, die zurück auf die Erde wollen, nimmt den Kampf auf, in dem er sich gegen eine Truppe angeheuerter Profikiller zur Wehr setzen muss.

Nach Alien begibt sich Goldsmith hier also wieder in eine kalte, menschenfeindliche Umgebung im All und arbeitet nach Capricorn One zum zweiten (aber auch letzten) Mal mit Peter Hyams zusammen. Goldsmith war ob der Zusammenarbeit hier nicht sonderlich erfreut, auch hatte er nach eigenen Angaben Mühe, sich in die Story, in das Drama, einzufinden. Wie Scott meinte auch Hyams einige Eingriffe in die fertige Musik vorzunehmen, etwas das dem Komponisten sicherlich auch auf den Magen geschlagen haben dürfte. Details zu diesen Änderungen sind in den tollen Liner Notes von Jeff Bond und Lukas Kendall nachzulesen.

Auch wenn OUTLAND manchmal irgendwie sowas wie der kleine Filmmusikbruder von Alien zu sein scheint, so ist die hier vorliegende Musik doch vom Score zu Scotts Film zu unterscheiden. Schon storymässig geht OUTLAND mehr ins Actionfach und musikalischerseits tut sie das in teilweise fulminanter Art und Weise, mit cleverer, dichter Instrumentierung (wiederum mit einer gelungenen Melange von Orchester und elektronischen Effekten und Klängen) und einer Kompaktheit, wie man sie von Goldsmith in dieser Zeitspanne desöfteren vernehmen durfte.

Wie in Alien aber weiss Goldsmith hier die Kälte, die Einsamkeit im All musikalisch aufzuführen, das ist gleich im ersten Track (bzw. zweiten, Stück 1 ist ja das Ladd Company Thema von John Williams) deutlich zu vernehmen. Goldsmiths angedachte Streicher, wie in Track 28, der „original version“ zu hören, wurden hier interessanterweise aber nicht verwendet.
Die angesprochene kühle Atmosphäre ist denn auch in The Mine zu vernehmen, ein ungutes, bedrohlich-brodelndes Gefühl hinterlassend. Es ist eines der Musikstücke, das auch im Film einen ersten, starken Eindruck hinterlässt. Später in Hot Wire und in After Hours/The LoadingBay/Hidden Weapons nimmt er das Minen-Motiv wiederum auf, gipfelnd im vollmundigen Early Arrival (nicht im Film zu hören).

Actionbetontes Material, und ganz starkes noch dazu, ist vor allem in den Cues „Spiders“, „The Airlock“, das phänomenale „Hot Water“ präsent. Knallhart, ohne Kompromisse. Goldsmiths Musik für das Finale (Bonus Tracks: Released) wurde durch ein von Morton Stevens „adaptiertes“ Stück, „The Last Battle (Broken Hose)“ ersetzt, weil der Komponist für eine Neubearbeitung keine Zeit mehr fand – er war zu jener Zeit bereits mit Inchon beschäftigt.

Nur ganz selten kehrt in OUTLAND mal Ruhe ein. Das ist dann der Fall, wenn Marshall O’Neils Thema erklingt, so in The Message und in spürbar erhebenderer Weise in Final Message. Goldsmith benutzt aber Teile davon immer mal wieder in anders gewichteten Stücken.

OUTLAND ist ein unterkühlter, harscher und mit viel Suspense gefüllter Score, der in der auf CD 1 präsentierten Fassung all jene anspricht, die gerne einer düster-komplexen Musik lauschen (wobei lauschen hier wirklich etwas untertrieben ist) und dabei das Geniessen wollen, was Goldsmith sich für den Film gedacht hat. Die 60 Minuten Score sind ein tolles Hörerlebnis, ein Eintauchen in eine garstige, unmenschliche und von kriminellen Energien gesteuerte Welt mit einigen fantastischen Actionmomenten und feinen Spannungssequenzen.

Komplettiert wird das Album wie eingangs erwähnt mit der Fassung, die Goldsmith für die damalige LP produzierte, in der bekannten Art und Weise, wie er es desöfteren tat. Hier ein wenig aufgemöbelt, musikalisch ergänzt, mit Sequenzen anderer Tracks zusätzlich aufgefüllt und so ein höchst hörenswertes Album ergebend. Wer diese Version also bis jetzt (unverständlicherweise!) noch nicht sein Eigen nennen konnte, wird also auch damit ausgestattet.

Phil, 31.7.2010

 

OUTLAND

Jerry Goldsmith

Film Score Monthly Silver Age

Vol. 13 No. 8

CD 1: 76:39 / 27 Tracks
CD 2: 39:08 / 10 Tracks

 

 

 

 

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