Outbreak (Varèse Club)

In einer Welt, die immer mehr zusammenwächst, ist das Thema dieses Films aktueller denn je: ein kleiner Affe schleppt ein heimtückisches Virus von Afrika in die USA, worauf eine ganze Kleinstadt in Quarantäne gestellt werden muss. Die tödliche, schnell um sich greifende Krankheit hält sowohl die Ärzte als auch das Militär auf Trab, wenn auch aus unterschiedlichen Motiven.

Der kompetent gemachte, 1995 gedrehte Film von Wolfgang Petersen wartet mit einer sehenswerten Darstellerriege auf, die zum Teil unkonventionell besetzt ist (Dustin Hoffmann), zum Teil auf Typecasting vertraut (Donald Sutherland). Der deutsche Regisseur, der in seiner Heimat oft mit Klaus Doldinger zusammenarbeitete, hat, seit er in Hollywood wirkt, keinen eigentlichen Hauskomponisten, kriegte aber seit jeher die Besten des Faches. Zu diesen gehört spätestens seit The Fugitive ‒ zwei Jahre vor Outbreak entstanden ‒ auch James Newton Howard, und hier haben wir ein gutes Beispiel dafür, warum das so ist.

Wer sich seinerzeit den Score zu Outbreak zulegte, wurde mit einem der damals für (nicht nur, aber insbesondere) Varèse so typischen 30-Minuten-Alben abgespeist, bei dem es sich um kaum mehr als einen groben Querschnitt handelt, der zwar viele Höhepunkte enthält, aber längst nicht alle. So vermisst man etwa den Action-Leckerbissen Helicopter Chase oder die toll konzipierten End Credits,die das Geschehene im Schnelldurchlauf nochmals rekapitulieren.

Diese beiden Stücke sind natürlich nun mit drauf auf Varèses Deluxe Edition, aber das ist nur ein kleiner Teil der neuen Erfahrung, die man mit Outbreak in dieser Präsentation macht, was an sich nicht wundern sollte wenn man bedenkt, dass die Laufzeit nun dreimal länger ist als bisher. Länger heisst zwar nicht zwangsläufig immer besser, aber dieser aus Orchester, Elektronik und gezielt eingesetztem Chor bestehende Score weist so viele Facetten auf, die im Kurzprogramm bestenfalls angedeutet wurden, und die zu entdecken sich lohnt. Das ist nicht immer leichte oder eingängige Kost, aber auf jeden Fall stets interessant und faszinierend.

Zunächst einmal kriegt man mehr von den blechbestückten Actionmotiven, mehr vom zwar eher simplen, aber nichtsdestotrotz sehr berührenden Liebesthema, mehr ethnische Klänge (meist in Form von afrikanischen Trommeln), mehr Militärisches (immer wieder an den Snare Drums erkennbar) aber vor allem kriegt man eine grosse Portion bisher unveröffentlichten Materials insbesondere des ersten Teils, der sich zunächst mit dem Auftauchen und Verbreiten des Virus beschäftigt.

Hier experimentiert Howard mit zum Teil recht komplexen Klängen, die ungemein wirkungsvoll Gefühle von Bedrohung, Schrecken und Paranoia erwecken und auch ein wenig Science-Fiction-Gefielde streifen. Am eindringlichsten manifestiert sich die Gefahr in Cues wie Examining The Virus, Jimbo Gets Sick und Movie Theater.Letzterer ist Ausgangspunkt für die endgültige Ausbreitung der Seuche, und der Score wird fortan actionlastiger.

Diese Veröffentlichung ist für mich ein echter Volltreffer, denn Outbreak stand für mich so ziemlich zuoberst auf der Dringlichkeitsliste der alten, zu expandierenden Varèse-Dreissigminüter. Mit meisterhafter Hand versteht es Howard, Ängste zu schüren und Stimmungen zu kanalisieren. Das macht diesen Score zu einem meiner Favoriten des Komponisten. Und wer weiss, vielleicht lassen sich bisherige Skeptiker durch diese vortreffliche Doppel-CD bekehren.

Andi, 12.8.2015

 

OUTBREAK

James Newton Howard

Varèse Club VCL 0615 1157

CD1: 52:48/24 Tracks
CD2: 48:12/15 Tracks

Limitiert auf 3000 Stk.

 

 

 

 

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