Olympus Has Fallen

Filme und Serien mit heldenhaften Einzelkämpfern gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Die «… HAS FALLEN»-Spielfilm-Serie gehört zu den eher mittelmäßigen Produktionen. Die Geschichten sind arg konstruiert, die Schauspieler kaum Sympathieträger und der Verlauf ist leidlich vorhersehbar und selten einfallsreich.

Und so dreht sich die erste Geschichte um einen feindlichen Angriff auf das Weiße Haus. Terroristen wollen die Abschusscodes diverser Atomraketen in ihren Besitz bringen, um letztlich die Weltmacht an sich zu reißen. Allerdings haben die Gangster die Rechnung ohne Mike Banning gemacht. Dieser hält sich im Weißen Haus auf und versucht in bester John McClane-DIE HARD-Manier die Welt zu retten.

Klar, es geht um Patriotismus, und so eröffnet der Score mit einem oft gelobten patriotisch-heroischen Hauptthema. Am Anfang noch stimmig intonieren Blechbläser (0:17) plötzlich langweilig wie das Opening eines beliebigen Fernsehdramas. Da sind wir auch schon bei einem Problem der Vertonung: Die wenigen Momente, in denen Melodien zum Tragen kommen, sind verkümmert wenige. 

Wenn es um Action geht, haut Morris allerdings in die Tasten.  Hier wird die Musik aus dem Bauch heraus hingeschmettert. Der geneigte Filmmusik-Fan möchte mal eine Mischung aus James Horners ALIENS und Goldenthals ALIEN3 hören? Here we go: „Stage Coach Crashes“ ist so ein Symbiont, wie man ihn selten zu hören kriegt. In anderen Actioncues gesellt sich dann noch Brian Tylers Schlagwerk aus ALIENS VS. PREDATOR 2 dazu. Wer die ALIEN-Franchise kennt, könnte glauben, hier die Vertonung einer ALIEN-Fortsetzung zu hören.

Morris kennt seine Samples und hat Erfahrung. Bei „White House Air Attack“ murmelt zu Beginn ein künstliches Hubschraubermotiv. Sowas hat auch in HUNTER KILLER bestens funktioniert: Dort war es ein Sonar Geräusch das geschickt variiert für Stimmung gesorgt hat.

Und so kämpft sich die Musik durch den Film. Morris bedient sich bei seinen Kollegen, also Horner, Goldenthal, Goldsmith, Kamen, Tyler, Jablonsky, (hier bei Bedarf weitere ergänzen) und kombiniert deren Versatzstücke mit genug Stilsicherheit um es dem Hörer als etwas Neues zu verkaufen. Einfach funktioniert zumeist besser als krampfhaft originell sein zu wollen.  Unsicherheiten oder Zögern wie bei David Buckleys Musik zum dritten Teil (ANGEL HAS FALLEN) findet man nicht.  Soweit zur Besprechung des actionlastigen Anteils.

Schwach ist in dieser Komposition, wie am Anfang angedeutet, die thematische Ausarbeitung. Diese bleibt verstümmelt auf der Strecke der filmischen Verwüstung.  Würde sich Morris mehr Zeit lassen, um treffsicher Melodien zu zaubern, wäre OLYMPUS HAS FALLEN vielleicht erträglicher. Schön geworden ist übrigens das Sounddesign. Wenn die Mini-Kanonen das Feuer eröffnen muss man kurz Luft holen.

Fazit: Wer unverhohlen auf gut gemachte Action abfährt, muss den Score haben. Gewitzt und unterhaltsam ist er allemal.  Narrative Qualität darf man bei dieser Vertonung nicht erwarten. Aber das hat bei einem Actionfilm von Antoine Fuqua schon fast Tradition.

Oliver 2.8.2020

OLYMPUS HAS FALLEN

Trevor Morris

Relativity Music Group

68:56 Min.
23 Tracks