Old Boyfriends

David Shire war sehr glücklich mit seiner Musik zu Old Boyfriends und entsprechend erfreut darüber, dass der Score auf LP erscheinen sollte. Die Betonung liegt auf «sollte», denn nach einigen Testpressungen wurde zu seiner grossen Enttäuschung auf die Veröffentlichung verzichtet. Umso grösser dürfte die Genugtuung des Komponisten sein, dass Intrada diese wunderbare Filmmusik nach langen 36 Jahren nun doch noch zugänglich macht.

Produzent Edward Pressman bezeichnete Old Boyfriends als romantischen Thriller. Das Skript der Gebrüder Schrader (Paul und Leonard) wurde von der ansonsten hauptsächlich im TV tätigen Regisseurin Joan Tewkesbury realisiert und handelt von einer Psychologin (Talia Shire), die sich nach einer gescheiterten Ehe auf die Reise in die Vergangenheit macht und ihren wichtigsten, einstigen Liebhabern (Richard Jordan, Keith Carradine, John Belushi) wiederbegegnet.

Shires üppiger und lyrischer, teils dramatischer, teils romantischer, teils poppiger Score läuft zwar nur knappe 32 Minuten und bewegt sich damit am unteren akzeptablen Limit, was die Speicher-Belegung einer CD betrifft, aber dafür ist keine einzige Minute davon verschwendet, denn was sich da in Sachen eingängiger Themen und abwechslungsreicher instrumentaler Präsentation tut, ist derart bekömmlich, dass man am Ende schwerlich widerstehen kann, sogleich den Repeat-Button zu drücken.

Mit dem Main Title kommt ein aufregender Auftakt zu Gehör, sehr blechlastig, viel Bewegung, nervös wie Herrmann, aber doch ganz Shire. Love Scene: Dianna & Jeff präsentiert das erste Liebesthema, Shire gibt ihm mit sanften Klängen viel Luft zum Atmen, Streicher, Klavier und Klarinette heben sich hervor. In Love Scene: Dianne & Eric gibt’s das zweite, melancholische Liebesthema, es erscheint in Klavier, Saxophon und Streichern. Shire vergleicht das Stück mit bekanntem Klassik-Pop wie «Whiter Shade of Pale».

Das dritte Liebesthema (und zugleich «Theme from Old Boyfriends») glänzt insbesondere in Love Scene: Dianne & Wayne, wo es von einer gefühlsüberwältigten Bratsche dargebracht wird. Für Shire ist es eines der besten Stücke, die er je geschrieben hat, und es gehört zu seinem Konzert-Repertoire. Vielleicht hat die ganze Romantik des Scores im Allgemeinen und dieses Thema im Speziellen davon profitiert, dass Shire damals mit der Hauptdarstellerin verheiratet war, auch wenn die zehnjährige Ehe bei der Produktion des Filmes bereits ihrem Ende entgegen ging.

To Luddington enthält nicht nur ein auffälliges Waldhorn-Intro, sondern auch, zunächst in Flöten und Akkustikgitarre, danach in den Streichern ein weiteres romantisches Thema, das in seiner Beschaffenheit und Bearbeitung in manchen Momenten an Joe Hisaishi erinnert (oder ihn, chronologisch gesehen, vorweg nimmt).

In Jeff Returns kehrt nochmals das erste Liebesthema zurück, gefühlvoll, bevor es in Finale einen optimistischen Ton anschlägt (sehr schön das mit den hohen Streichern wetteifernde Waldhorn). Die positive Stimmung äussert sich auch in der locker-flockigen Bearbeitung des «Theme from Old Boyfriends» in End Title,was darauf schliessen lässt, dass dem Film (wer hat den schon je gesehen?) ein Happy End beschieden ist.

Wer sich wegen des Bekannheitsgrades des Films (gleich Null), dessen nichtssagendem Titel und/oder dem äusserst drögen Cover bisher davon abhalten liess, diese CD zu erwerben, dem sei geraten, zuzugreifen, denn sie ist eine absolut freudige Entdeckung. Und wann ziert schon mal die Gattin eines Filmkomponisten das Cover eines seiner Tonträger? Gut, dass ist jetzt natürlich kein Qualitätsmerkmal für die Musik, dafür bürgt jedoch der Name David Shire. Der Mann kann in meinen Ohren kaum etwas falsch machen.

Andi, 5.7.2015

 

OLD BOYFRIENDS

David Shire

Intrada Special Collection ISC 311

31:50 / 11 Tracks

 

 

 

 

 

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