November Man

Ohne grösseres Umschweifen darf man Marco Beltrami wohl zu den am meisten beschäftigten Filmkomponisten Hollywoods zählen. Bereits 2013 legte er mit Warm Bodies, A Good Day to Die Hard, World War Z, The Wolverine, Snowpiercer und Carrie sechs Filmmusiken zu grossen Hollywood-Produktionen und aufwändigen Indie-Filmen vor. Dass sämtliche Werke stets viel handwerkliches Geschick aufweisen – wenn auch der Unterhaltungswert abseits der Bilder nicht immer gegeben war –, ist beeindruckend. 2014 steht dem in nichts nach: The Homesman, The Giver, The November Man, The Drop, True Story und Seventh Son (wenn auch gemäss aktueller Listung erst 2015 im Kino zu sehen) erhalten eine Filmmusik aus Beltramis Feder, wobei The November Man nun das dritte Album ist, das 2014 erscheint (Snowpiercermachte 2014 zusammen mit dem internationalen Kino-Release des 2013-Films den Auftakt, gefolgt von The Giver). Im Falle von The November Man handelt es sich um einen Thriller mit ex-007-Star Pierce Brosnan. Dass man bei einem solchen Film sofort an eine John Powell’esque Bourne-Filmmusik denkt, ist wohl dem aktuellen Hollywood-Thriller-Sound geschuldet und im Falle von The November Man nicht gänzlich deplatziert. Marco Beltrami liefert eine funktionale, wenn auch über weite Strecken allzu anonyme Filmmusik ab, die eher dem momentanen Schema-F mit vielen Synthi-Effekten folgt, statt die Beltrami-typischeren, oftmals ausgefallenen Orchesterelemente zu beherzigen. Das Ergebnis ist mehr Routine als frischer Wind und damit auf die ganze Albumlänge hin betrachtet etwas enttäuschend.

Was dem Score zu The November Man fehlt, ist ein strukturgebendes Thema (welches die Powell-Scores für die Bourne-Franchise jeweils vor der wenig interessanten Anonymität bewahrten), das die Filmmusik während gut 60 Minuten zusammenhält. Es wäre nicht richtig zu schreiben, dass die Musik zu The November Man kein Hauptthema aufweist, doch dieses macht sich leider allzu rar und etabliert sich eigentlich erst richtig in seiner ganzen Länge und bei vollem Volumen während den „End Credits“. Sobald man sich dieses Thema nach Anhören der „End Credits“ etwas verinnerlicht hat, bemerkt man dieses auch leichter in fragmentierter und oftmals sehr zurückhaltender Form während den Stücken vor den „End Credits“. Doch sind dieses Themen-Statements meist kurz und eher unscheinbar, sodass man während des ersten Hördurchgangs inmitten all der Suspens- und Thriller-Synthi-Stimmungsmusik eher etwas „verloren“ ist. Wenn Beltrami während den Stücken „Run from Mason“, „Mason Saves Lucy“ und „Reunited“ etwas mehr Gas gibt, ist das unterhaltsam, doch ist auch diese Action-Musik nicht wirklich innovativ als mehrheitlich funktional. Auch die eingestreuten osteuropäisch anmutenden Musiktexturen, die wohl Film-Locations wie Moskau und das ganze Mitmischen der russischen Armee im Plot etwas umschreiben, vermögen keinen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, sondern verleihen dem Score einfach eine „kühle“ Note.

Marco Beltramis Filmmusik für The November Man ist, wie viele andere seiner Filmmusiken auch, über weitestes Strecken funktional ausgerichtet, wobei eingängige, ausladende, schwelgerische, packende Themen kaum gefunden werden können (seine letzte Arbeit mit einem „Killer“-Thema war Soul Surfer(2011); das November Man-Thema ist in der „End Credtis“-Form durchaus eingängig, aber eher im Score leider wenig präsent). Dem Film dürfte sein Score massgeschneidert passen, doch als reines Hörerlebnis sind diese gut 60 Minuten zu wenig spannend. Aus den Stücken „Take Orders“ (als Auftakt), „Run from Mason“, „Mason Saves Lucy“, „Reunited“ und „End Credits“ lässt sich jedoch eine kurzweiligere 20-minütige Suite zusammenstellen.
Basil, 15.9.2014

 

NOVEMBER MAN

Marco Beltrami

Varèse Sarabande

61:35 Min. / 18 Tracks

 

 

 

 

 

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