The Mountain Men

Als The Mountain Men (lief in hiesigen Kinos als Duell am Wind River) erschien, lag der Western ziemlich darnieder, und der Streifen war trotz Charlton Heston und Brian Keith als in die Jahre gekommene Trapper Bill Tyler und Henry Frapp nicht vom Kaliber, das Genre zu revitalisieren. Was vom Film, insbesondere für unsereinen, am besten in Erinnerung blieb, war seine Musik, denn wenigstens die zeigte sich vom Ansatz her erfrischend, und deshalb war es seinerzeit ein Jammer, dass ihr eine Veröffentlichung verwehrt blieb. Umso schöner jetzt die Freude, dass sich Intrada des meines Wissens einzigen Westernscores von Michel Legrand annahm und wir nach so vielen Jahren doch noch in den Genuss dieser Musik kommen.

Legrands ungemein reichhaltige, attraktive Musik bricht zum grossen Teil mit dem traditionellen Westernscoring, auch wenn er sich insbesondere beim Porträtieren von Landschaften und Indianern daran orientiert. Sind Natur und Liebesgefühle eher konventionell-harmonisch gehalten, wird in den Sektoren Action und Spannung eine modernere, teils gemässigt dissonante Tonsprache angeschlagen.

In Main Title wird das Thema für Tyler zunächst landschaftsbezogen und daher majestätisch vorgestellt, und wenn sich hier Ähnlichkeiten zu Ice Station Zebra offenbaren, ist dies naheliegend, stehen doch dort mit der Arktis wie auch hier mit den verschneiten Rocky Mountains Wyomings kalte, unwirtliche Gegenden im Mittelpunkt. Dieses Motiv dient des weiteren auch als Liebesthema für Tyler und die Black-Feet-Squaw Running Moon, das seinen innigsten Moment in Frapp is Scalpederlebt. In On To Popo Agie übernehmen die Streicher das Zepter zur Unterstreichung der Freundschaft zwischen Tyler und Frapp.

In Cross Otter führt Legrand seine mystische, kraftvoll-akzentuierte Musik für die Black Feet sowie das Thema für deren Häuptling Heavy Eagle ein, welches er in der Folge zum Kräftemessen mit Tylers Thema nutzt. Geschäftige Tracks wie Run For Your Life und Run sind Musterbeispiele für gepfefferte Action, wo es mit viel Perkussion und Blech (insbesondere die Waldhörner werden nicht geschont) so richtig zur Sache geht. Es gibt aber auch beschauliche Momente wie in Heavy Eagle Fumes oder oben genannte Liebesszene und wirkungsvollen Spannungsaufbau wie in Shootout At The River. Ausserdem erfährt der Score in Death, Retribution And Finale eine wunderbare Auflösung, wo sich nebst packender Dramatik pastorale, impressionistische Stimmungen zu einem triumphalen Schluss hinarbeiten, bei dem Mutter Natur das letzte Wort hat.

Michel Legrand hat mit The Mountain Men eine handwerklich makellose, mitreissende Musik geschaffen, die als Bereicherung für das Westerngenre bezeichnet werden kann und leider das Pech hatte, wegen eines relativ bedeutungslosen Films nie die Wertschätzung zu erlangen, die ihr eigentlich zusteht. Sollte dieser Zustand weiter bestehen, liegt es an der Veröffentlichung von Intrada sicherlich nicht, denn sie beschert uns dank idealer Laufzeit, zumeist längeren Tracks und gutem Klang einen Score von hervorragender Hörqualität. Damit überzeugt die CD in allen Punkten und gilt als klare Kaufempfehlung.

Andi, 2.11.2012

 

THE MOUNTAIN MEN

Michel Legrand

Intrada Special Collection Volume 209

49:41 Min. / 13 Tracks

Limitiert

 

 

 

 

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