Masada (Intrada)

Masada zählt bei vielen Fans zu einer der beliebtesten Goldsmth Musiken. Das schuldet die Musik nicht zuletzt seinen herrlichen Themen, die Goldsmith viele Male auch bei seinen Konzerten als Suite zusammengefasst aufführte. Die LP (und spätere CD) von 1981, eine Neueinspielung, die Goldsmith in England dirigierte, präsentierte einen 37 minütigen, von Goldsmith zusammengestellten Ausschnitt. Eine überaus gelungene, flüssige Einspielung ohne Zweifel. Irgendwann drehte dann ein Bootleg mit der Originalmusik für die 4-teilige, teure und aufwändige TV-Serie (hier die DVD-Rezi) ihre Runden, mit dünnem und sehr trockenem Sound allerdings.

30 Jahre später nun bringt Intrada zum ersten Mal offiziell die gesamten 140 Minuten Musik von Jerry Goldsmith und Morton Stevens heraus. Eigentlich war Goldsmith, der von der schlussendlichen TV-Fassung ein wenig enttäuscht war, als Komponist für alle vier Teile vorgesehen, doch die üblichen Verschiebungen und Verspätungen führten dazu, dass er nur die ersten beiden Episoden vertonen konnte, während Morton Stevens (Hawaii-Five-O), für die abschliessenden Teile besorgt war.

CD 1 also präsentiert Goldsmiths Komposition für Part I und Part II, zweifellos derjenigen von Morton Stevens überlegen, wenn man so sagen darf. Goldsmith wollte die Verfilmung des Romans von Ernest K. Gann, der ihm besonders zusagte, unbedingt vertonen und legte, das ist bestens zu hören, viel Herzblut in Masada. Sein Titelthema ist schmissig, leichtfüssig und trifft den Kern des abgebildeten, jüdischen Volkes, das sich nicht unterordnen will. Demgegenüber steht das stramme, militärische Thema für die Römer, oft für Blechbläser von auffallend gesetzten perkussiven Schlägen (Roman March, Move On) unterstützt, geschrieben. Ein drittes wichtiges Thema beschreibt wiederum die jüdische Bevölkerung, nun aber deren Unterdrückung und Versklavung durch die Römer. Ein, unter anderem in The Slaves zu hören, schweres, trauriges Motiv. Teil II von Goldsmith ist das Highlight der CD, hier fasst er alle seine Themen in einer packenden und dramatischen Weise zusammen. Das meiste Material für die 1981er Fassung stammt aus Teil II, für den Goldsmith eine Emmy Nominierung erhielt (ebenso wie Stevens für Teil IV).

Morton Stevens Arbeit an den abschliessenden Episoden ist wie angetönt die schwächere, das war schon beim Schauen des Films zu vernehmen und wird hier auf CD noch deutlicher. Stevens verwendet zwar Goldsmiths Themen, findet mit seinen eigenen Kompositionen aber nicht so richtig Tritt. Vieles dümpelt als ereignisloses Spannungsmaterial vor sich her ohne grosse Entwicklung oder musikalische Auffälligkeiten, Meeting Unsuccessfull oder Sheva’s Decision als Beispiele. Einige von Stevens Arrangements des Goldsmith-Materials sind allerdings gelungen, zu erwähnen sind hier Zealots Prepare, Burn It und das Schlussarrangement in Masada – End Part IV. Aber auch in an sich dankenswerten Szenen wie die zu The Tower und Discovery/Inner Wall/Ram’s Head (mit Burn It/Fire dennoch eines der gelungensten Stücke) geht die Kraft und Energie ab, die Goldsmith in den ersten beiden Teilen zu schaffen vermochte. Das schlägt sich insbesondere auf das Finale in Teil 4 nieder.

Bedenkt man die emotionalen und tragischen Umstände hier, in denen die Römer schliesslich die Festung mit Belagerungsturm und Rammbock erreichen und Eleazar seine Mitstreitern vor die Wahl Versklavung oder Selbsttötung stellt, so ist das Gebotene von Stevens einfach eine Spur zu wenig und reicht nicht für mehr als 3 Punkte.

Als Filmscore faszinieren Goldsmiths Teile nicht weniger denn als 81er Soundtrack Platte. Wenn auch für ein etwas kleineres Orchester geschrieben und natürlich der filmdramaturgischen Entwicklung zugeordnet, zeigt CD 1 doch formidables Handwerk und die ungemeine kreative Energie, die in Jerry Goldsmith steckte, gerade im Vergleich mit Stevens Material.
Von den „jüdischen“ Scores, nicht nur was Goldsmith betrifft, der mit OB VII und Going Up of David Lev zwei weitere im Oeuvre hat, ist mir Masada sowieso die liebste und die Filmmusik als solche in Händen zu halten, ganz offiziell gemeint, ist eben doch ein Leckerbissen sondergleichen. Die guten Liner Notes von Jon Burlingame dürfen sich auf Intrada ungewohnten 24 Seiten erstrecken (inkl. Douglass Fakes obligatem Tech-Talk).

Phil, 28.6.2011

 

MASADA

Jerry Goldsmith, Morton Stevens

Intrada Special Collection
Volume 171

CD 1: 75:34 / 24 Tracks
CD 2: 73:55 / 30 Tracks

Limitiert auf 5000 Stk.

 

 

 

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