Man to Man

Die letzten Doyle Musiken haben bitter, bitter enttäuscht: Thor und Rise of the Planet of the Apes waren schreckliche Blockbuster-Werke, die mehr nach Zeitgeist als nach Doyle klangen. Eigentlich liegt der letzte „anständige“ Score des Schotten 4 Jahre zurück, Nim’s Island und der letzte richtig tolle um einiges mehr (vielleicht 1996 Hamlet, 1998 Great Expectations?). Doch ein Doyle zu einem Régis Wargnier Film macht Hoffnung: Indochine, Une femme français kommen einem sofort in den Sinn. Umso schöner als sich auch nach 5 Tracks von Man to Man noch kein Affen/Nordgott Gefühl einschlich, doch, huch, Man to Man ist ja gar keine neue Partitur aus der Feder von Doyle. Der Film stammt aus dem Jahr 2005 und erzählt die Geschichte eines schottischen Forschers Jamie Dodd, der um 1870 in Afrika das fehlende Glied der menschlichen Evolution finden will. Zu Forschungszwecken nimmt er zwei Eingeborene gefangen und mit zurück in die Heimat. Doch während seine Kollegen ohne Rücksicht an den beiden Pygmäen forschen, beginnt Dodd in ihnen Menschen zu sehen.

Ich muss gestehen, ich hatte Man to Man schon auf meiner Nominationsliste für den Score of the Year und freute mich richtig. Nun, so kann man sich irren.

Mit „Suite“ from Man to Man legt Doyle gleich das wundervoll noble Hauptthema und die Gangart eines melodramatischen und thematisch geführten Scores vor. Grossorchestral und reich orchestriert schreitet die Musik voran. Nebst dem Hauptthema ist ein Thema für die wenigen Spannungsmomente vorhanden, das Doyle hie und da zückt, insbesondere in Apes and Mankind zu hören. Ausserdem gibt es ein weiteres Thema für die Eingeborenen, ein einfühlsames Motiv für Holzbläser, das zuerst in „Suite“ from Man to Man zu hören ist. Diese drei Themen sind den ganzen Score über präsent, mal deutlicher, mal feiner eingewoben, doch es ist das Hauptthema, welches unumwunden dominiert. Und zum Glück sah Doyle davon ab das afrikanische Ambiente zu satt mit den üblichen Klischees zu füttern. Eher nebensächlich wird mit Perkussion & Co. das Lokalkolorit angesprochen, so etwa in Hitting Trees oder in Main Title and the Rapids.

Man to Man ist eine melodische Wohltat, nicht nur in der zuletzt dürftigen Doyle-Diskografie sondern auch im an Höhepunkten armen aktuellen Filmmusikgeschehen. Fans des Komponisten dürften endlich wieder mal richtig aufatmen und mit dem ebenfalls empfehlenswerten Killing Me Softly haben wir gleich zwei schöne, ältere Werke des Schotten innert kurzer Zeit erhalten. Na also, geht doch!

Phil, 5.2.2012

 

MAN TO MAN

Patrick Doyle

Moviescore Media MMS-11022

39:04 Min./20 Tracks

 

 

 

 

 

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