Mad Max: Fury Road

Mit Mad Max: Fury Road (2015) steht uns das Action-Highlight des bisherigen – wohl auch des gesamten – Filmjahres 2015 ins Kino. Dem 71-jährigen (!) Regisseur George Miller, der schon die ersten drei Mad Max-Filme (mit „Mad“ Mel Gibson; 1979–1985) geschaffen hat, ist ein zweistündiger Actionkracher gelungen, der visuell atemberaubend geworden ist und tempomässig den Fast & Furious-Streifen (2001–2015) problemlos das Fürchten lernen kann. Der Film ist quasi eine einzige lange, brachiale Verfolgungsjagd durch eine postapokalyptische Wüstenwelt, während der sich die Protagonisten ununterbrochen aufs Maul hauen, gegenseitig die ungestümen Autos verschrotten und mit Pyro-Waffen bewerfen. Klingt verrückt und hirntot? Ist es auch! Mad Max eben, aber saumässig unterhaltsam und Cirque-du-soleil-mässig faszinierend choreographiert.

Die Musik zu Mad Max: Fury Road stammt von Tom Holkenborg aka Junkie XL, ein Hans Zimmer-Protegé; zuvor waren John Powell und danach Marco Beltrami als Komponisten gehandelt worden, bis dann letztlich Junkie XL in die Kränze kam. So wie der Titel Fury Road auch filmisch konsequent und unablässig umgesetzt wurde, so fällt auch die Filmmusik über weiteste Strecken als hyperaktiver, krachender Cocktail aus Elektro, Blech und Perkussion aus – oftmals erinnert das ein bisschen an das Joker-Thema aus The Dark Knight (2008) unter Starkstrom, kombiniert mit den Man of Steel-Drums. Es sind denn auch diese Momente, die mit ihrer starken Albumpräsenz das Hören der Musik abseits der Bilder fordernd machen. Im Film selbst ist diese Musik der perfekte Pulsbeschleuniger und oftmals nur dank den harten Perkussionshieben, den krachenden Elektro-Gitarren-Riffs, dem wütenden Blech und den rasenden Streichern fähig, sich in der Soundeffekten-Orgie als weiteres hörbares Element zu behaupten. Auf CD verliert diese „musikalische Raserei“ hingegen mit zunehmender Laufzeit an Attraktivität.

Glücklicherweise präsentiert Junkie XL jedoch noch einen zweiten Musikaspekt: Wenn der Film mal ein paar Minuten innehält und einer Verschnaufpause zwecks dramatischem Intermezzo Platz einräumt, dann ändert auch die Tonalität in der Filmmusik. Während diesen Momenten dominieren fliessende Streicher, mal bedrohlich-dunkel, mal requiem-esque und traurig, teils begleitet von kräftigem, Hymen-ähnlichem Blechspiel. Eine erste solche 16-minütige Verschnaufpause bilden die Stücke Redemption, Many Mothers und The Return to Nowhere. Zudem lässt Junkie XL das Album auch auf diesem Ton ausklingen, indem die letzten fünf Stücke – Walhalla Awaits, My Name is Max, Let Them Up, Mary Jo Bassa und Coda – eine triste Heroik mit viel dramatischem (pathetischem) Gewicht zelebrieren (auf der CD-Version beschränkt sich das Finale auf My Name is Maxund Let Them Up). Dabei erinnert Let Them Up mit Blech, Chor und Perkussion besonders stark an das Man of Steel-Finale (What are You Going to Do When You’re not Saving the World).

Fazit: Junkie XL konnte während ziemlich genau einem Jahr an der Filmmusik zu Mad Max: Fury Road arbeiten. Das Ergebnis ist dem Film auf den Leib geschnitten und trägt im Kino substanziell zum Unterhaltungswert bei. Als reines Hörerlebnis jedoch vermag Junkie XLs Arbeit aus mehreren Gründen nicht im gleichen Ausmass zu überzeugen. (1) Die Musikpräsentation auf dem physischen Album von Sony Music (rund 71 Minuten Spielzeit) und erst recht auf der digitalen Deluxe Version von Water Tower Records (rund 125 Minuten Spielzeit) ist zu ausgiebig. Besonders die erste Hälfte des Albums fordert mit anhaltender, brachialer, allzu ähnlicher Action- und Spannungsmusik, an der man das Interesse abseits der Bilder schon bald verliert. Hier hätten die Highlights Storm is Comingund Brothers in Arms ausgereicht. (2) Der Musik fehlt ein prägnantes, originelles Thema. Selbst nach 125 Minuten hat sich kein Thema nachhaltig im inneren Ohr eingenistet (höchsten allenfalls die Man of Steel-Trommeln). (3) Die Musik erinnert bzgl. der Tonalität und der Grundstimmung zu sehr an jene von Man of Steel und The Dark Knight.
Für die Musik, so wie sie im Film rüber kommt, gibt’s eine 5.

Basil, 18.5.2015

 

MAD MAX: FURY ROAD

Tom Holkenborg (Junkie XL)

Sony Classical (Deluxe Version)

125:08 Min./26 Tracks

 

 

 

 

 

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