Les 1001 nuits

Gabriel Yared

Music Box Records
MBR-058

67:02
29 Tracks

Limitiert auf 500 Stück

Die Geschichten von Aladdin, Ali Baba und Sheherazade waren seit Anbeginn der Filmgeschichte Thema unzähliger Verfilmungen, Variationen und Erzählungen – von bunten Abenteuerfilmen mit viel Exotik bishin zu Zeichentrickfilmen mit Liedgut.
Les 1001 nuits des Franzosen Philippe de Broca (Le magnifique, L’Africain, Cartouche) aus dem Jahr 1990 gilt als eigenwillige Spielart zwischen orientalisch opulenten Bildern und Zeitreisen durch die Flimmerkiste. Nicht weniger bunt auch die Besetzungsliste mit Catherine Zeta-Jones in ihrer ersten Filmrolle (und „Shéhérazade“ singend, ähm ja), Thierry Lhermitte und Gérard Jugnot.
Les 1001 nuits bildet die einzige Zusammenarbeit zwischen de Broca und Gabriel Yared. Die Musik entstand Jahre vor Yareds erfolgreicher Phase englischsprachiger Filme, die mit dem Oscar für The English Patient gipfelte und mit dem Rauswurf seiner Musik zu Troy (James Horner ersetzte ihn), Yareds Zivilcourage offen darüber zu Auskunft zu geben und seiner Enttäuschung Ausdruck zu verleihen deutlich stiller wurde. Sowas tut man nicht in Hollywood… political correctness überall! Im selben Jahr, 1990, schrieb Yared die impressionistische Musik zu Vincent & Theo und den klassisch gehaltenen Le putain du roi (ebenfalls bei Music Box Records erschienen).

Yared startet mit folkloristisch „arabischen“ Elementen in seiner Titelmusik „Les 1001 nuits (générique)“, hier ist auch sein stets präsentes Hauptthema zu hören, welches er in orchestralen Weisen schwelgerisch erklingen lässt („La rencontre du Roi“, „La cage dorée“) und in „Le naivre“ und „La sirène“ wundervoll variiert. Dieses exotische Thema könnte bestens in einen Hollywoodschinken mit Krummschwertern und Spitzschhuhen aus den 40er oder 50er Jahren passen – und das ist durchaus positiv gemeint. Neudeutsch wird man Yareds Musik durchaus gerecht sie als vintage zu umschreiben, reichhaltig instrumentiert, die morgenländische Instrumentierung nicht als ethnisches sound design sondern als musikalisches Stilmittel ins Orchester eingebunden, vom tradtionellen Instrumentarium gespielt oder für sich alleine stehend, verwendet. Selbst der der durchaus eigenwilligen Adaption geschuldeten Verwendung eines Synthesizers im swingig angehauchten „La taverne“, ein durchaus spezieller Track der zwischen Big Band und Nahost hin und her springt, kann dieser wirklich herrlichen Musik keinen Abbruch tun. Lässt man sich von den drei, vier Folklorestücken und den zirkushaften Synthietracks („Le Roi acrobate“, „Le tango du cheval“, „Le manège“) zum Schluss der CD, die Yareds gesamte Musik enthält, also auch jene die Stücke, die nicht verwendet wurden, nicht abschrecken, kann man sich mit dieser Music Box Records Veröffentlichung bestens vergnügen und erhält einen prächtigen, melodischen und reichhaltigen Yared.

Zur Zeit als diese Rezension entstand waren von den 500 Scheiben übrigens gerade noch 75 erhältlich.

Phil, 19.2.2015

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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