Le dernier loup

Endlich gibt es eine neue Filmmusik von James Horner! Mit Wolf Totem (2015) meldet sich der Komponist nach knapp 2.5-jähriger „Pause“ zurück. Nicht dass Horner wirklich eine Schaffenspause gemacht hätte, doch seine Arbeit für Romeo & Juliet (2013) wurde letztlich verworfen und von der Kinderbuchverfilmung Ender’s Game (2013) hat er sich scheinbar frühzeitig wieder zurückgezogen. Doch nun scheint ein vielversprechendes Jahr für Horner-Enthusiasten anzustehen. Nicht nur weiss James Horners Musik für Wolf Totem zu überzeugen, für 2015 sind zurzeit die Filmstarts dreier weiterer Filme mit Musik von Horner vorgesehen: Southpaw, The 33 und Living in the Age of Airplanes (IMAX-Dokumentarfilm). Zudem will Universal Music Ende Mai 2015 sein Konzertwerk „Pas de Deux“ für Violine und Cello, das im Oktober 2014 uraufgeführt und sogleich aufgezeichnet wurde, veröffentlichen.

Doch nun zurück zu Wolf Totem. Dies ist eine Horner-Musik durch und durch geworden. Ergo: wer Horners kompositorischen Stil mag und seine musikalischen Merkmale und Eigenarten akzeptieren kann, wird an Wolf Totem viel Gefallen finden. Das heisst, dass viele Ideen und Orchestrationen wie „alte Bekannte“ daherkommen, wobei jedoch nicht von eigentlichem Themen-Recycling gesprochen werden kann. Das Hauptthema erinnert mit den ersten vier Tönen stark an Amazing Spider-Man (2012), vermag sich jedoch sogleich in eine eigene und selbstständige Richtung weiterzuentwickeln. Das Hauptthema wird in Leaving For The Country (Main Title) ausladend präsentiert und vermag sich sogleich im Ohr hartnäckig einzunisten. Ein tolles Thema, das sich im Reigen der besten Horner-Themen problemlos einreihen kann. Das Thema macht als wuchtige Abenteuer-Fanfare vom Tutti vorgetragen eine genau so gute Figur wie als fragiles Solo. Auf diesem Thema baut Horner im Anschluss seine Filmmusik auf; sehr ähnlich wie bei seiner letzten Arbeit für Regisseur Jean-Jacques Annaud, Black Gold (2012), für welche er ebenfalls ein fantastisches Hauptthema komponierte und dieses dann fast schon monothematisch durch den Score hindurch weiterentwickelte. Auch in Wolf Totem erhält das Hauptthema das meiste „Rampenlicht“ ab, doch wartet Horner in Chen Saves The Last Wolf Pupmit einem lieblichen, mal verspielten und mal melancholischen Nebenthema auf. Doch neben diesen thematischen Ansätzen geizt Horner auch nicht mit Action-Musik und diese ist wirklich mitreissend geworden. Wolves Stalking Gazelles, Wolves Attack The Horses und Hunting the Wolves sind tolle, treibende Kompositionen geworden, die mit schnellen Streichern, kräftigen Brass-Akzenten und den sogenannten „Crashing Pianos“ (à la Creating Panic aus Flightplan(2005)) aufregend ausgestaltet wurden.

Ein drittes Element, das Wolf Totem auszeichnet, sind die Lokalkolorit-Elemente, die James Horner einbindet. Da der Film im mongolischen Hochland spielt und er mit etlichen fantastischen Landschaftsaufnahmen auch der Landschaft eine tragende Rolle zukommen lässt (zudem drehte Annaud mit lokalen Schauspielern und in deren Sprache), sind auch in der Musik folkloristische Farbtupfer auszumachen. Horner lässt hie und da eine Art Balalaika erklingen und, wenn ich mich nicht irre, ein Erhu (ein chinesisches Saiteninstrument, das vom Klang her dem menschlichen Gesang nahe kommt). Zudem eröffnet dramatischer Gesang das Album (ähnlich dem Auftakt der Avatar-Musik (2009) und The Amazing Spider-Man; scheint eine neue Horner-Eigenart zu werden), der auch im Stück Hunting the Wolves nochmals zu hören ist. Nach dem eher unscheinbaren Death Of A’ba (dieses ist so leise abgemischt, dass man die Anlage aufdrehen muss) lädt Horner mit Return To The Wild zu einem ausladenden und epischen 9-minütigen Finale, wie sie auf den Horner-Alben häufig und meist gelungen vorzufinden sind. Hier wird das Hauptthema nochmals ins Zentrum gerückt und in schönen, sehnsüchtigen und kraftvollen Ausführungen für das bewegende Finale stimmig präsentiert.

Fazit: James Horners Filmmusik zu Wolf Totem liefert ein fantastisches Hauptthema und tolle Action-Musik. Wer ihn hierfür schätzt, wird seine Arbeit für das jüngste Annaud-Abenteuer lieben. Für mich ein frühes Highlight im noch jungen 2015 und ein äusserst vielversprechender Auftakt zu einem hoffentlich reich befrachteten Horner-Musikjahr!

Basil, 23.2.2015

 

LE DERNIER LOUP (WOLF TOTEM)

James Horner

Milan Records (Warner Music)

59:02 / 13 Tracks

 

 

 

 

 

Kommentar hinterlassen

Schreib einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*